Sisi

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Beitragvon Sisi Silberträne » 10.09.2006, 11:48:47

Juhu! Fortsetzung! *freu*

das Kapitel ist allerdings etwas verwirrend. Auch mit den Kommentaren dazwischen, die stören irgendwie, weil sie den Lesefluss unterbrechen. Und du solltest vielleicht deuticher heraus arbeiten was wirklich passiert, und was nur in Sisis Vorstellung.

Elektra hat geschrieben:(ist es eigentlich so unoffensichtlich, inwiefern Franzl Sisi bestraft hat???)

Es ist leider nur allzu offensichtlich was Franz mit ihr angestellt hat :(
Zuletzt geändert von Sisi Silberträne am 10.09.2006, 12:21:06, insgesamt 2-mal geändert.
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Beitragvon Kitti » 10.09.2006, 12:05:43

Cool, der neue Teil! :-) Mir gefällt er wieder mal gut.

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Beitragvon Marie Antoinette » 10.09.2006, 16:21:53

Auweia, jetzt hab ich ganz vergessen die Kommentare zu löschen!!! War auch eigentlich gar nicht beabsichtigt... Sisi Silberträne, du hast ja sooooo recht!!!

:oops: :oops: :oops:

Ich könnte grad im Erdboden versinken für den dummen Fehler. :oops:
Hab das gleich geändert... .

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Beitragvon Marie Antoinette » 11.09.2006, 18:37:36

So, jetzt noch schnell der Rest von dieser durchwachsenen Szene... :roll:



Im gleichen Moment wurde sie jedoch am Arm gepackt und zurückgerissen. In ihrer Verzweiflung hatte sie gar nicht gemerkt, dass Franz zurückgekommen war.
„Bist du jetzt vollkommen übergeschnappt?!“
- „Nein, im Gegenteil, ich war mir schon lange nicht mehr über etwas so klar wie über diesen Entschluss.“ erwiderte Sisi schnell. In gleichen Moment kamen ihr wieder die Tränen. „Lass mich los! Ich möchte zu meiner kleinen Sophie!“ Sie sah nach draußen. „Kannst du ihn nicht irgendwie aufhalten?! Du möchtest mich doch unbedingt auch in deiner Welt haben….“
„Du bist ja total hysterisch... ich erkenn dich nicht mehr wieder!“ Franz führte Sisi mit sanfter Gewalt vom Fenster weg, bevor er sie losließ und das Fenster wieder verriegelte. „Du machst mir Angst, Sisserl.“
Sisi ließ sich aufs Bett fallen und vergrub ihr Gesicht in den Kissen.
„Ich mache dir Angst?! Du bist doch selbst an allem schuld!“ weinte sie. „Du hast mein Selbstvertrauen zerstört… ich hatte vorhin auch Angst vor dir… Und jetzt… hab ich keinen Ausweg gesehen… aber du hast mich aufgehalten… Warum bist du hier? Was willst du?“
„Das wegen vorhin…“ begann Franz, „… das tut mir leid. Verzeih mir. Ich war so wütend… Ich wollte dich nicht verletzen.“
Er wollte sie in den Arm nehmen, sie drehte sich aber weg.
„Das wolltest du also nicht?!“ rief Sisi. „Das hast du aber getan! Das hättest du dir alles etwas früher überlegen müssen, bevor du dich angefangen hast wie ein Verrückter zu benehmen. Jetzt ist es schon passiert, du hast mich angeschrieen und verletzt. Ich bin zwar deine Frau, aber nicht dein Eigentum – du kannst nicht alles mit mir machen.“ Sie hielt kurz inne, um sich ein paar Tränen aus den Augen zu wischen.
„Aber eines hast du erreicht. Das kann ich dir versprechen…“ Ihre Stimme zitterte. „… ich werde diesen… ungarischen Abschaum… (wieder ein Aufschluchzer) nicht mehr wiedersehen. Erlaub mir, ihn noch einmal allein zu sehen, dann werde ich ihm sagen, dass es so nicht weitergehen kann… und wird. Wenn du aber glaubst, dass ich dann nur wieder dir gehöre, dann hast du dich geirrt. Ich werde niemanden mehr lieben können…“
„Sisi…“
- „Bitte lass mich jetzt allein und versuch auch nicht mehr, herzukommen. Du würdest eh nicht weit kommen, ich werde nämlich abschließen.“ – „Wie du möchtest.“ Franz wandte sich zum Gehen um. „Aber… Sisi, mein Engel… Versprich mir, dass du nichts unüberlegtes tust. Ich bin deshalb nochmal hergekommen, weil ich mir wirklich Sorgen gemacht habe, …“
„Das Versprechen, das ich dir vorhin in Bezug auf … den… ungarischen Abschaum… gegeben habe, war mein letztes. Aber wenn es dich beruhigt, … ich bin viel zu erledigt um heute noch irgend etwas zu tun“, erwiderte Sisi mit erstickter Stimme, „ich möchte einfach nur einschlafen und denken, das war alles nur ein fürchterlicher Alptraum…“
„Du hast recht, Sisi. Schlaf dich aus, morgen ist ein neuer Tag. Ich wollte nur, dass du weißt, dass das vorhin nicht so gemeint war. Ich habe in dem Moment einfach nur rot gesehen…“
„Erwähne das nur nie mehr…“ murmelte Sisi.
- „Gute Nacht, mein Engel.“ erwiderte Franz und ging.
Kaum fiel die Tür hinter ihm ins Schloss, stand Sisi nochmals auf und versperrte die Tür. Dann sah sie wieder in Richtung der großen Fenster. Das Unwetter hatte sich wieder einigermaßen beruhigt.
„Du wirst dich aber nicht wirklich von ihm trennen, wenn du ihn allein triffst?“ fragte die Stimme des Todes. „Ich weiß es nicht…“ erwiderte Sisi und begann, leise vor sich hinzusingen:
„Wenn ich tanzen will, dann tanze ich auf meine ganz besondere Art…“

[/b]

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Beitragvon Kitti » 11.09.2006, 22:10:20

Schöner Teil, gefällt mir doch wie immer super. Nur würde ich die Songtexte oder andere Zitate kursiv schreiben, damit man weiß, wo du es herhast.

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Beitragvon Marie Antoinette » 23.09.2006, 20:55:03

So, jetzt mal weg von dieser ganzen Geschichte um die verhängnisvolle Affäre und ihre Folgen :wink: und zurück in die Vergangenheit, denn darüber hab ich inzwischen auch schon was geschrieben.

Jetzt gehts an der Stelle weiter, an der Sophie Eli offenbart hat, dass sie anstelle von Nene Kaiserin werden wird. Das werden jetzt wieder zwei Teile hintereinander, und die sind wieder ziemlich lang!!!


(...)

- „Ja, ich liebe Franz.“ gestand Sisi und wurde rot vor Verlegenheit.
„Gut, in diesem Fall wirst du ihn heiraten müssen, an Stelle deiner Schwester. Du wirst die Kaiserin von Österreich werden, aber ich glaube, du wirst daran zerbrechen. Es gibt sehr viele Regeln einzuhalten und Pflichten zu erfüllen.“
„Ich werde alles tun, um dich nicht zu enttäuschen“ sagte Sisi so selbstsicher, wie sie konnte. In Wirklichkeit war das nur Fassade, sie war eigentlich von einem beklemmenden Gefühl ergriffen und hatte Angst vor ihrer früher so netten Tante.
„Und duzen wirst du mich in Zukunft auch nicht mehr, Elisabeth. Für mich wirst du eine Fremde bleiben.“
„Aber…“
- „Meinst du, ich habe mit dir über diese Angelegenheit noch irgend etwas zu besprechen? Du kannst jetzt gehen.“ Sophie machte eine abweisende Geste. „Aber…“ wiederholte Sisi nochmal.
„Es ist alles gesagt. Geh endlich!“ rief Sophie im Befehlston.
Als wäre ich irgendeiner der Dienstboten hier, der sie Befehle erteilen darf, dachte Elisabeth bei sich. Langsam verließ sie das Zimmer. Was sollte sie denn jetzt nur tun?
Nachdenklich ging sie den langen Flur entlang und dann die Treppe hinauf bis zu dem Zimmer, in dem sie zusammen mit ihrer Schwester wohnte. Schon auf dem Gang hörte sie, dass Helene bitterlich weinte und fühlte sich gleich selbst schlecht. Sie hätte am liebsten kehrtgemacht und wäre irgendwohin gelaufen, nur raus aus der Villa, irgendwo durch den Ort laufen…
Vielleicht war das gar keine so schlechte Idee. Ihre Welt war aus den Fugen geraten, sie wusste gar nicht mehr weiter. Wenn doch bloß Papa mitgekommen wäre, dachte Sisi und merkte, dass sie auch nahe dran war, in Tränen auszubrechen. Er würde mir jetzt bestimmt zuhören…
Dass sie ja eigentlich anstelle ihres Vaters nach Bad Ischl gefahren war, daran dachte sie in ihrer momentanen Verwirrung gar nicht mehr. Von ihrer Mutter konnte sie jedenfalls auch keine Unterstützung erwarten, die war schon immer auf Helenes Seite gewesen und würde sicherlich genauso über die ganzen Ereignisse denken.
Sie hatte das Leben von Helene zerstört, das war die traurige Wahrheit.
„Ich hasse sie!“ rief plötzlich Helene hinter der geschlossenen Tür und schluchzte auf. „Ich hasse Sisi! Wäre sie doch bloß zuhause geblieben… sie hat alles kaputt gemacht, dieses dumme Kleinkind…“
Niemand kann mich hier mehr leiden, dachte Sisi traurig und entsetzt. Wo soll ich denn hin?! Mit wem kann ich nur reden? … Mit ihm? Nein, das geht nicht. Ich trau mich im Moment nichtmal, ihm gegenüberzutreten…
Jetzt fühlte sie sich in ihrem Entschluss bestärkt, erstmal etwas auf Abstand zu den anderen zu gehen. Warum auch nicht? Zuhause in Possenhofen ging sie auch oft alleine im Wald spazieren und war manchmal froh, wenn sie dann zufällig ihrem Vater über den Weg lief.
Sie drehte sich um und beschleunigte ihre Schritte.
Als wäre der Teufel persönlich hinter ihr her, stürmte sie die Treppen hinunter, durch die Eingangshalle.
Dabei achtete sie nicht darauf, wo sie hinlief – und wäre in ihrem langen Kleid fast gestolpert. Hier ging auch alles schief, zuhause war ihr das nie passiert…
„Um Himmels willen, Sisi, wo willst du denn so schnell hin?!“
bemerkte im gleichen Moment eine Stimme und hielt sie zurück. Sisi wäre am liebsten im Erdboden versunken. Er war es, unter allen, die ihr begegnen konnten, musste er es sein…
„Ich weiß noch nicht genau“, bemerkte sie schnell, „nur irgendwohin… raus… Weg hier…“
- „Du bist ja total aufgelöst. Was ist denn passiert?“
„Ach…“ Sisi konnte die Tränen nicht mehr zurückhalten und begann zu weinen.
Franz – Joseph sah sie verständnislos an.
„Liebe Güte, Sisi, jetzt erzähl doch.“ bat er sie und nahm sie vorsichtig in den Arm. „Vielleicht kann ich dir helfen.“ – „Deine Mutter hat mich eben zu sich rufen lassen…“ brachte Sisi unter Tränen heraus, dann wurde sie von einem Aufschluchzer geschüttelt.
Franz glaubte nicht richtig zu hören.
„Hat sie das wirklich? Und was hat sie zu dir gesagt?“
Sisi schüttelte den Kopf.
„Frag sie, nicht mich“, bemerkte sie leise. „Lass mich jetzt bitte gehen. Ich muss mich beruhigen, bevor ich den anderen wieder gegenübertreten kann…“ – „Aber… Sisserl..“
„Ich sagte du sollst mich gehen lassen! Und zwar schnell, sonst schrei’ ich!“
- „Oh, da bekomme ich aber Angst“, bemerkte Franz mit einem amüsierten Grinsen, ließ sie aber trotzdem los.
Sisi hatte sich wieder einigermaßen gefasst.
„Wie gesagt, ich geh dann mal. Tu mir einen Gefallen, Franz, und sag den anderen, sie sollen nicht nach mir suchen.“ Sie hielt kurz inne, und fügte dann hinzu: „Falls es überhaupt jemandem auffällt, dass ich weg bin. Die haben jetzt ganz andere Sorgen. Ich komm schon wieder zurück. Nur nicht sofort.“
„Aber… Sisserl..“
wiederholte Franz, der sich gerade selbst nicht wieder erkannte. Er, der 23-jährige Kaiser von Österreich, herrschte über ein großes Reich und hatte jeden Tag mit unzähligen Herausforderungen zu kämpfen – aber jetzt fühlte er sich durch eine aufgelöste 15-jährige bayerische Prinzessin namens Elisabeth Amalie Eugenie von Wittelsbach überfordert!
Bevor er noch etwas sagen konnte, war Sisi auch schon weitergestürmt, durch die Eingangshalle und ins Freie.
Sie hat mich Franz genannt, dachte er bei sich, und nicht Franzl… Was ist mit ihr?
-
-
Erst als Sisi ein paar hundert Meter zurückgelegt hatte, blieb sie nochmal kurz stehen und sah zurück.
Nein, er folgte ihr nicht. Er ging ihr nicht hinterher und bat sie, zurückzukommen.
Außerdem… sie hätte auch nicht zugelassen, dass sie jemand aufhielt…

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Beitragvon Marie Antoinette » 23.09.2006, 20:56:36

Sisi lief immer weiter und blieb irgendwann erschöpft am Rand des Stadtkerns am Ufer des
Flusses stehen.
Sie sah ins Wasser und betrachtete ihr Spiegelbild. Sie hatte immer noch das schwarze Kleid an, das sie schon auf der langen Fahrt und bei der Teestunde getragen hatte. Dieses scheußliche Trauerkleid!
Wäre das auch alles so gekommen, wenn die entfernte Verwandte in Bayern nicht gestorben wäre und wir nicht diese Kleider tragen hätten müssen? fragte sich Sisi in Gedanken. Hätte sich Franz dann auch gleich in mich verliebt? Schwarz stand der blassen Helene überhaupt nicht, sie selbst war jedoch in Schwarz gar nicht mal so unansehnlich…
Sisi holte tief Luft, der Spaziergang hatte sie fürchterlich angestrengt. Es war ein heißer Tag, keine Wolke war am Himmel zu sehen, die Reise war beschwerlich gewesen und sie hatte noch nicht viel gegessen. Auf einmal fühlte sie sich fürchterlich schwach und glaubte, ihr Spiegelbild im Wasser veränderte sich in das einer ihr fremden Person.
„Arme kleine Prinzessin aus Bayern…“
flüsterte eine Stimme.
Obwohl es so warm war, bekam Sisi eine Gänsehaut. Leicht ängstlich sah sie sich um, aber es war nirgends jemand zu sehen. „Die Situation, in der du dich befindest, ist nicht gerade leicht… Wenn man es genau nimmt, ist die Entscheidung, die du treffen musst, liebe Sisi, schon klar. Alles andere würden die anderen nicht akzeptieren…“
Eindeutig redete da jemand mit ihr – war ihr Franz vielleicht nachgelaufen und versteckte sich irgendwo? Oder vielleicht sogar…
Sisi musste jetzt fast wieder lachen. „Lass die dummen Späße, Karl Ludwig!“ rief sie.
Das war bestimmt Franz Josephs jüngerer Bruder, der alles andere als begeistert auf die Szene während der Teestunde reagiert hatte. Karl Ludwig war immer in Sisi verliebt gewesen und jetzt hatte ihm sein eigener Bruder die Prinzessin seiner Träume weggenommen… Möglicherweise war er auch in der Eingangshalle gewesen und ihr dann so schnell er konnte nachgelaufen…
„Nett, dass du mich für Karl Ludwig hältst, Elisabeth, aber ich bin es nicht.“
- „Ich sagte, du sollst damit aufhören!“ rief Sisi und hoffte, etwas nachdrücklicher zu klingen. „Sonst sag ich’s Franzl…“
Im gleichen Moment ertönte so ein schallendes Lachen, dass Sisi einen fürchterlichen Schreck bekam. „Ach je, du sagst es also deinem lieben Franzl“, bemerkte die Stimme höhnisch, „da zittere ich ja geradezu vor Angst. Ich sage es dir nochmal, Elisabeth. Ich bin nicht Karl Ludwig. Schau doch mal genau hin.“
Sisi schaute noch konzentrierter ins Wasser als vorhin. Tatsächlich sah das Bild im Wasser nicht so aus wie Karl Ludwig. Es sah aus wie ein Mann in einem schwarzen Mantel und mit blonden Haaren, der etwa so alt sein musste wie Franz – Joseph.
„Wer bist du?“ fragte sie ängstlich. „Und wo bist du? Ich seh dich nirgends…“
- „Es ist ein ziemlich warmer Tag heute und du bist sehr müde… Außerdem hast du dich schon fürchterlich aufgeregt…“ fuhr die Stimme jetzt wieder freundlich fort. „Vielleicht brauchst du einfach nur etwas Ruhe… Komm zu mir, Elisabeth…“
Plötzlich begann das Bild im Wasser wieder vor Sisis Augen zu verschwimmen, aber nicht nur das Bild wurde undeutlich, sondern auch die ganze Umgebung… und auf einmal war da nur noch Dunkelheit…



- - - Zwischenwelt - - -


„Wach auf, kleine Prinzessin! Wach auf, Sisi von Wittelsbach, Herzogin in Bayern!“
Sisi öffnete die Augen und sah sich verwundert um. Sie befand sich nicht mehr am Rand von Bad Ischl am Flussufer, sondern …
Ja, wo eigentlich? Wo war sie?
„Wo bin ich?“
fragte Sisi.
Es war ein merkwürdiger Ort, an dem sie sich gerade aufhielt. Es war dunkel, aber in der Ferne konnte sie einen ganz schwachen Lichtschein vernehmen. Und dieses weit entfernte Licht reichte, um sie erkennen zu lassen, dass sie sich in einem verlassenen Ballsaal befand. Vereinzelte Paare tanzten dort… aber die Paare sahen ebenfalls merkwürdig aus…sie waren fast durchsichtig… Geister, dachte Elisabeth sofort. Wo bin ich? Das muss ein Alptraum sein… Eine der durchsichtigen Gestalten in einer Offiziersuniform ließ seine Tanzpartnerin los und lief auf Sisi zu.
Diese wäre am liebsten davon gelaufen, stellte aber verwundert fest, dass sie ihre Beine nicht bewegen konnte. Wie angewurzelt stand sie inmitten der unwirklichen Szene.
Die Frau, mit der der Offizier getanzt hatte, löste sich plötzlich auf.
„Schön, Euch wiederzusehen, Elisabeth. Ich hatte aber nicht gedacht, dass es so bald passiert.“
bemerkte der Offizier. „Was ist Ihnen zugestoßen, dass Sie an diesen Ort geraten sind?“
„Kenne ich Sie denn?“
fragte Sisi mit zitternder Stimme.
„Mit Sicherheit. Nur habt Ihr wahrscheinlich nicht erwartet, dass ich so aussehe. Ihr habt mich wahrscheinlich etwas anders in Erinnerung… als gebrochenen, verwundeten, schwerkranken Offizier, der von Eurem Vater in den Krieg geschickt wurde… Er dachte wohl, dass ich ihm seine Tochter, seinen geliebten Augenstern, wegnehme… Ihr habt damals sehr geweint, dabei stehen Euch keine Tränen. Ich habe Euch jedoch von hier immer wieder sehen können. Wir haben hier schon gewisse Möglichkeiten…“
Offizier? Krieg? Papa, der Angst hat, ich könnte ihm weggenommen werden?
Sisi fuhr zusammen. Das war … ihre erste große Liebe! Die tatsächlich schwer verletzt aus dem Krieg zurückgekehrt und schließlich seinen Verletzungen erlegen war…
„Richard?“
sprach sie seinen Namen aus.
„Ja, ich bin es, kleine Elisabeth. Nun sag, was ist dir zugestoßen?“
- „Muss mir denn etwas zugestoßen sein?“ Sisi verstand die Welt nicht mehr. „Richard, sag mir doch, was ist das hier für ein Ort?“ – „Es liegt nicht in meiner Macht, es dir zu erzählen. Ich finde es sehr schön hier. Jeder trifft die Personen, die ihm gefehlt haben. Es ist zwar etwas düster hier, aber daran gewöhnt man sich.“ berichtete der Offizier. „Ach, bevor ich es vergesse… Einer deiner alten Spielgefährten war erst vorhin auch hier im Ballsaal. Er hat nach dir gefragt. Du warst mit ihm bei der ersten Kommunion, aber deine Firmung letztes Jahr sollte er nicht mehr erleben… Du scheinst ihn knapp verpasst zu haben, kleine Elisabeth.“
Sisi sagte nichts.
Ich träume… dachte sie bei sich. Das kann nur ein Traum sein… ich bin am Fluss eingeschlafen und deswegen träume ich jetzt…
Richard hielt ihr seine Hand entgegen. „Darf ich bitten, Elisabeth?“ – „Gerne.“ Elisabeth ergriff die Hand und begann zu einer plötzlich sehr laut erklingenden Melodie zu tanzen.
„Jetzt reicht es aber!“
rief eine Stimme. Wie aus dem Nichts stand plötzlich der Mann im schwarzen Mantel da. Alle, die gerade noch getanzt hatten, blieben wie erstarrt stehen. Auch Sisi konnte sich nicht mehr bewegen.
„Ach, meine kleine Prinzessin…“
Der Mann legte eine Hand auf Sisis Schulter und löste sie dadurch aus der Erstarrung.
„Wer bist du?“ wiederholte sie ihre Frage. „Und wo bin ich?“
- „Du bist hier in meiner Welt… genauer gesagt, in der Zwischenwelt. Ich dachte, das arme Mädchen ist am Ende ihrer Kräfte und braucht etwas Ruhe. Jetzt scheint es dir aber wieder besser zu gehen, also muss ich dich wieder gehen lassen…“ Das Licht, das vorhin noch so weit weg gewesen war, schien jetzt immer heller. Der Mann umarmte Sisi und sie ließ es geschehen.
„Bevor ich dich zurückgehen lasse, möchte ich dir noch sagen, dass ich mich auf Anhieb in dich verliebt habe, als du so allein am Flussufer gesessen bist… Wir werden uns bis zu unserem endgültigen Treffen immer wieder einmal sehen… aber du wirst dich nicht immer gleich an mich erinnern… Und jetzt lass uns gehen…“ Er hob Sisi hoch und trug sie auf das Licht zu.
Und von irgendwo her rief eine Stimme ihren Namen…

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Beitragvon Kitti » 23.09.2006, 22:18:30

Wie schön, du hast neue Teile gepostet. Du weißt ja, dass sie mir wie immer super gefallen. :D

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Beitragvon Kitti » 23.09.2006, 22:18:45

Wie schön, du hast neue Teile gepostet. Du weißt ja, dass sie mir wie immer super gefallen. :D

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Beitragvon Kitti » 23.09.2006, 22:19:56

Wie schön, du hast neue Teile gepostet. Du weißt ja, dass sie mir wie immer super gefallen. :D

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Beitragvon Sisi Silberträne » 24.09.2006, 02:15:41

Toll, wie immer =)

Setz die Gedankengänge doch kursiv, damit sie sich vom Rest des Textes und v.a. vom Gesprochenen gut abheben.
Und bei den Dialogen neuer Sprecher neue Zeile, dann wirds übersichtlicher. Und keine Absätze vor den erzählenden Anhängseln gesprochener Sätze (also "...", sagte Elisabeth). Das bricht den Fluss des Dialogs nämlich ein bissl.

Ansonsten, wann kommt die Fortsetzung???
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Beitragvon Marie Antoinette » 24.09.2006, 11:54:26

Danke schön, ihr zwei! :D :D

@SisiSilberträne:
Normalerweise hab ich die Gedankengänge auch kursiv, aber wenn ich die Teile von Word in die Zwischenablage kopiere und dann hier einsetze, ist die Formatierung leider weg... :cry:

Muss ich wahrscheinlich hier irgendwie einfügen, weiß aber nicht wie... Danke jedenfalls für den Hinweis! :D

Und leider hab ich von dem Teil nur noch ziemlich wenig Fortsetzung, aber ich arbeite dran. :wink:

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Beitragvon Sisi Silberträne » 25.09.2006, 22:42:05

du musst die Textstellen nur in [i] [/i] setzen, dann wirds kursiv. Ich weiß, ist mühsam, wenn man die Stellen erst mal im dem Geschreibsel finden muss *gg*
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Beitragvon Marie Antoinette » 26.09.2006, 19:40:50

Trotzdem gut zu wissen, danke dir!

Werd ich das nächste Mal gleich ausprobieren! :D

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Beitragvon Marie Antoinette » 12.10.2006, 19:49:01

So, Fortsetzung folgt! Noch eine Fortsetzung direkt von der letzten Szene:

- - - Zurück in der Wirklichkeit - - -




„Mama – schau mal, sie macht die Augen auf! Sie kommt wieder zu sich!“
- „Ich sehe es, Néné… So ein Glück…“ Ludovika von Wittelsbach war überglücklich und erleichtert. „Sisi, kannst du uns hören? … Sag doch was… Sisi!“
„Wo ist er hingegangen?“ fragte Sisi leise. „Wo ist er?“
- „Wo ist wer?“
Ludovika sah ihre Tochter verwundert an. „Geht es dir wieder gut, mein Schatz?“
„Antworte mir bitte.“ Sisis Stimme klang zwar noch schwach, es lag aber etwas Flehendes in ihrer Stimme. „Wo ist mein schwarzer Prinz hingegangen? Ich hab mich bei ihm so wohlgefühlt… ich bin in seinen Armen gelegen…“
„Herrschaftszeiten, Sisi!“
rief Ludovika. „Was redest du denn für Sachen, Kind?“
„Lass sie doch reden. Ich würde gerne wissen, was sie meint. Sag schon, kleine Schwester.“
Nenes Stimme klang wie immer. Sie verteidigte Sisi und machte ihr Mut, weiterzureden.
„Ich habe einen schwarzen Prinzen getroffen…. wie gesagt, er hat mich in den Arm genommen… in dem Moment hab ich so eine Sehnsucht gefühlt, mich von allem zu befreien… Ich weiß nicht wer es ist, aber er hat gesagt, er würde mich immer wieder treffen und eines Tages kann ich bei ihm bleiben…“
berichtete Sisi verträumt.
„Sie fantasiert immer noch, Allmächtiger“, rief Ludovika. „Sie redet wie ihr Vater!“
Oh je, wenn Mama über Papa als „mein Vater“ spricht, ist sie wirklich entsetzt, dachte Sisi, dabei ist mir das alles wirklich passiert…- „Jetzt mal ganz ruhig, Sisi.. alles kommt wieder in Ordnung. Weißt du eigentlich, was mit dir passiert ist?“ Helene nahm die Hand ihrer Schwester. „Nein…“ erwiderte Sisi.
„Du bist weggelaufen und am Flussufer mit einem Schwächeanfall zusammengebrochen.“
berichtete Helene aufgeregt.
„Zusammengebrochen?“
- „Genau, du bist einfach in Ohnmacht gefallen. Es ist ja auch ziemlich heiß heute, wir haben eine lange Reise hinter uns und noch nicht viel gegessen… das war wohl einfach zuviel für dich.“
„Und wie bin ich… wieder hergekommen?“ fragte Sisi langsam.
„Franz Joseph hat mitbekommen, dass du weggelaufen bist. Er ist dir dann nach einiger Zeit gefolgt. Er hat gemeint, er kann sich denken, wo du hingegangen bist. Den Weg hatte Karl Ludwig dir vor ein paar Jahren gezeigt. Als er dann am Fluss angekommen bist hat er einen fürchterlichen Schreck gekriegt – du lagst da wie eine Tote...“
„Franz hat mich gefunden?“
Sisi konnte es einfach nicht glauben. War da vielleicht doch in diesem Augenblick am Fluss nur Franz gewesen und hatte er etwas zu ihr gesagt? War das Spiegelbild, das sie glaubte gesehen zu haben, vielleicht nur das von Franz gewesen? Mit Sicherheit, aber ihr war es zu schlecht gewesen um das zu merken… Sie hatte sich wahrscheinlich alles nur eingebildet… sie war immer noch so müde… vielleicht sollte sie einfach nur nochmal die Augen schließen…
Es klopfte an der Tür.
„Herein!“ riefen Ludovika und Néné fast gleichzeitig.
Franz Joseph schaute ins Zimmer hinein.
„Wie geht es Sisi?“
- „Du kommst grad zur richtigen Zeit, Franz. Stell dir vor, sie ist wieder zu sich gekommen.“
erwiderte Ludovika.
„Wirklich? Das ist ja eine gute Nachricht! Mensch, Sisserl, was machst du nur für Sachen?“
Zutiefst erleichtert, dass ihr nichts passiert war, betrat er den Raum und blieb direkt neben Sisis Krankenbett stehen. „Versprich mir, dass du nie mehr so einfach wegrennst… Du kannst doch mit mir über alles reden…“ Sisi lächelte schwach. „Ich hab gehört, du hast mich gefunden und zurückgebracht.“
„Na ja, zurückgebracht hab ich dich nicht ganz allein…“ erwiderte Franz.
- „Ach, das macht doch gar nichts! Du hast dir Sorgen gemacht, bist mir nachgelaufen und hast mir das Leben dadurch gerettet! Vielen, vielen Dank, Franzl!“ Sie stand schnell auf und umarmte ihn, so gut es ging. „Es tut mir so leid, dass ich weggelaufen bin und wegen dem was in der Eingangshalle passiert ist…“
„Ist schon gut, Sisi.“ Er umarmte sie ebenfalls.
Nenes Miene verdüsterte sich schlagartig.
„Entschuldigt mich“, bemerkte sie mit kühl klingender Stimme, stand auf und ging.
- „Was ist denn mit Néné los?“ Sisi verstand die Welt nicht mehr.
Ludovika und Franz sahen sie beide an, dann sich gegenseitig, dann riefen sie beide fast im gleichen Moment:
„Ach…. Sisi!“
- „Was heißt denn hier Ach Sisi?“ wiederholte sie leicht beleidigt.
Ludovika überging jedoch diese Frage. „Du solltest dich jetzt besser noch etwas hinlegen und dich ausruhen, Kind.“ – „Ich bin aber gar nicht mehr müde!“ widersprach Sisi. „Du solltest auf sie hören“, bemerkte Franz, „sonst brichst du heute abend auf dem Ball gleich wieder zusammen. Ich möchte mir keine Sorgen mehr um dich machen müssen.“

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Beitragvon Kitti » 12.10.2006, 20:20:55

Schööööön, der neue Teil. Gefällt mir wieder super! :D

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Beitragvon Marie Antoinette » 12.10.2006, 21:12:14

Danke dir! :lol:

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Beitragvon Marie Antoinette » 18.10.2006, 20:32:29

So, gleich noch eine Fortsetzung! Vorbemerkung für alle hier im Forum (in meinem Worddokument stehts natürlich nicht, da hab ich alles überflüssige gelöscht..) :wink:

Vorsicht, ist extrem lang!!!

Es ist wieder ein Zeitsprung (ich schreib ja so wie mir was einfällt und zwischen dem Verlobungsball und dem hier hab ich keine neue Fortsetzung) ins dritte Ehejahr... aber die nächsten Teile bis zu meinem Urlaub sind zusammenhängend.

Und grad mal noch eine Frage: Liest die Geschichte eigentlich noch wer?

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Marie Antoinette
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Beitragvon Marie Antoinette » 18.10.2006, 20:35:28

Eljén Erzsébet – Teil 01

oder: Ungarn


„Ich verstehe wirklich nicht, warum du unbedingt die Kinder hierher mitnehmen musstest.“
bemerkte Franz Joseph mit einem Kopfschütteln.
Es war ein sonniger Tag im Mai 1857, der Tag, an dem er als Kaiser von Österreich endlich wieder Verhandlungen mit Ungarn aufnehmen würde. Das Treffen mit der ungarischen Delegation vor ein paar Wochen in der Hofburg war sehr gut verlaufen und man hatte sich schnell darauf verständigt, in Ungarn weiterzuverhandeln.
Sisi hatte ihn zusammen mit ihren beiden Töchtern nach Budapest begleitet. und jetzt setzte das Kaiserpaar die Reise in die Stadt Debrezin fort. Es war ein weiter Weg, sie waren schon im Morgengrauen in Budapest losgefahren. Debrezin lag ganz im Osten von Ungarn.
„Ich wollte es so“, erwiderte Sisi. „Ich muss doch nicht jeden meiner Wünsche begründen, dachte, ich hätte es dir schon ausreichend erklärt, aber meinetwegen. Deine Mutter hat mir beide Kinder weggenommen, es ist höchste Zeit, dass ich sie endlich selbst einmal für längere Zeit sehen und mich um sie kümmern darf. Ich werde allen beweisen, dass ich eine gute Mutter bin. Ich wollte sie auf keinen Fall so lange allein bei deiner Mutter in Wien lassen. Von wegen Kindererziehung ist nichts für Kinder. Ich bin jetzt 20 Jahre alt und…“
„Lass es gut sein. Ich habe dich verstanden.“
Eigentlich verstand er sie nicht immer, sagte es jedoch nicht.
Ich habe es wieder geschafft, dachte Sisi zufrieden. Wenn ich nur will, kann ich alles erreichen. D
ann fiel ihr noch etwas ein.
„Ich mache mir nur große Sorgen um Sophie“, bemerkte sie. „Hoffentlich findet Dr. Seeburger bald heraus, was ihr fehlt. Ich hätte meine kleine so gerne bei mir…“
- „Eigentlich widersprichst du dir doch selbst. Du willst die Kinder bei dir haben, sie werden aber krank und können nicht weiter mitreisen… Du hättest doch einfach bei ihr bleiben können, wenn sie dir wirklich so viel bedeuten.“ äußerte Franz Joseph jetzt doch seine Bedenken.
„Dass ich mit dir gefahren bin, ist dein Wunsch gewesen. Du wolltest, dass ich mitkomme, um die hohen ungarischen Herren mit meiner Schönheit zu bezaubern. Das waren deine Worte.“
„Ach, Sisi“, Franz gab auf, „es ist doch alles in Ordnung. Lass uns nicht streiten.“
Du weißt eh nicht, wie du dich wehren sollst, wenn deine Mutter nicht da ist, dachte Sisi bei sich, sagte aber nichts mehr. Sie beobachtete aus dem Fenster der Kutsche die vorbeiziehende Landschaft und hing ihren Gedanken nach.
Die Fahrt dauerte endlos, erst am späten Nachmittag fuhr die Kutsche direkt auf dem Schlossplatz vor. Auf den Treppenstufen vor dem Schlosseingang warteten schon die drei ungarischen Grafen, die zuvor nach Wien gekommen waren. Batthány war der älteste der drei und trug eine ganz schwarze Uniform mit goldenen Verzierungen, Karolyi hatte einen Schnauzbart, seine Uniform war ganz rot ebenfalls mit goldenen Verzierungen… und dann war da noch Graf Gyula Andrássy.
Während der Revolution in Abwesenheit zum Tode verurteilt, diese Verurteilung wurde jedoch später zurückgenommen, verheiratet mit der Gräfin Katinka, die Tochter einer der privilegiertesten Familien Ungarns. Er trug eine blaue Uniform, die ebenfalls golden verziert war, und als einziger der drei Magnaten einen schweren dunkelblauen Mantel.
„Meine Herren, einen guten Tag wünsche ich Ihnen“, grüßte Franz Joseph, während sich Sisi wie üblich etwas im Hintergrund hielt, „und bedanke mich für Ihre Einladung. Ich freue mich sehr, hier zu sein.“
„Die Freude ist ganz auf unserer Seite, kaiserliche Hoheit“, grüßte Andrássy zurück, „ich hoffe, Ihr hattet bislang eine angenehme Fahrt. Ich bedauere es, dass ich Euch nicht bereits in Budapest begrüßen konnte. Wie gefällt Euch denn meine Heimat?“
Sisi hörte der Unterhaltung, die natürlich auf Ungarisch geführt wurde, interessiert zu. Franz war zwar bemüht, höflich zu sein und nichts Böses zu sagen, aber seine Worte klangen alles andere als ehrlich.
Ob Andrássy das bemerkt? fragte sie sich selbst. Und wenn er es merkt - was wird er dann nur von uns denken?
Sie wartete, bis Franz seinen nächsten Satz (von dem sie nicht viel verstand, es ging soweit sie es verstand um irgendwelche Kinder – wahrscheinlich eine reine Höflichkeitsfrage, wie es den Kindern des ungarischen Grafen ging) zu Ende geführt hatte, dann trat sie zwei Schritte vor und schaltete sich ebenfalls in die Unterhaltung ein.
„Entschuldigen Sie, wenn ich mich jetzt so einfach einmische, aber ich kann Ihnen versichern, Ihr Land ist einfach wunderschön, Graf Andrássy. Ich habe während der Fahrt ständig nach draußen gesehen… so eine schöne Landschaft gibt es zuhause in Österreich nicht.“
Andrássy verfiel sofort in eine Verbeugung.
„Es freut mich, diese Worte von Euch zu hören, Majestät.“
- „Und mich freut es, endlich einmal hier zu sein. Es war eine anstrengende lange Fahrt, aber es hat sich gelohnt“, erwiderte Sisi. Ihr war es vollkommen gleichgültig, dass Franz sie ziemlich verwundert anschaute. Er sagte aber nichts weiter.
„Ich hoffe nur, dass Ihr trotz der langen Reise heute Abend an dem großen Ball teilnehmen werdet. Er findet in erster Linie zu Euren Ehren statt.“ – „Zu meinen Ehren?“ wiederholte Sisi. „Natürlich. Ganz Ungarn spricht von der schönen Kaiserin Erzsébet, der schönen Vorhersehung aber bislang haben sie nur einige glückliche gesehen…“
Wieder so viele Leute, die mich unbedingt sehen wollen, war Sisis erster Gedanke und bedauerte es, dass sie sich jetzt doch auch etwas verstellen musste. Wobei – musste sie sich wirklich verstellen? Irgendwie freute sie sich doch irgendwo in ihrem Unterbewusstsein auf den Ball, auch wenn das sonst gar nicht ihrem Naturell entsprach.
„Ich werde alles tun, um niemanden zu enttäuschen.“ versicherte Sisi ihm. „Aber in dem Fall sollten wir unsere Unterhaltung jetzt abbrechen – ich muss mich doch von der Reise noch etwas ausruhen.“
Ich rede immer nur von „mir“, dabei sollte ich mal dran denken, dass ich nicht allein hier bin… was mag denn Franz Joseph jetzt von mir denken?
So wie es aussah, hatte er aber gar nicht mehr auf sie geachtet, er tauschte nach wie vor oberflächliche Höflichkeitsfloskeln mit den anderen beiden ungarischen Grafen aus. Allerdings schien sich auch diese Unterhaltung dem Ende zu näheren.
„Dann werden wir uns dann heute Abend wiedersehen.“ stellte Andrássy fest.
- „Natürlich.“ pflichtete Sisi ihm bei.
Gleich darauf lief sie mit Franz an ihrer Seite in Richtung Schloss.
Während sie davongingen, blieben die Ungarn zurück. Sie sahen Sisi und Franz Joseph nach und unterhielten sich mit gedämpften Stimmen. Andrássy sprach als erster. „Die Kaiserin ist schön.“ Karolyi machte sich darüber nicht besonders viele Gedanken. Ihm war eine andere Frage wichtiger: „Wie steht sie zu Ungarn?“ Auf diese Frage glaubte Batthány eine Antwort zu haben. „Sie liebt alles, was ihre Schwiegermutter hasst.“ – „Dann wird sie uns unterstützen.“ war sich Karolyi sicher. Sisi war in der Zwischenzeit noch einmal stehengeblieben und sah noch einmal zurück, direkt in die Richtung von Andrássy. Und auf einmal fiel ihm etwas auf. „Sie sind traurig aus.“ - „Ihre Kinder sind krank“, erwiderte Batthány unbeteiligt. „Die kleine Sophie soll hohes Fieber haben.“
Das war es nämlich, was Franz über Kinder gesagt hatte das Sisi nicht verstanden hatte.
Er hatte ihnen erklärt, dass seine Töchter erkrankt waren und er sie deshalb nicht mitgebracht hatte.
Andrássy war zwar entsetzt von der Nachricht, aber gleichzeitig sah er ihr nach, bis sie im Schloss verschwunden war, dann bemerkte er halblaut und eher zu sich:
„Die Sorge macht sie noch schöner.“

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Beitragvon Kitti » 19.10.2006, 14:10:29

Schön, der neue Teil. Ist wieder mal super! :D


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