So, jetzt mal weg von dieser ganzen Geschichte um die verhängnisvolle Affäre und ihre Folgen

und zurück in die Vergangenheit, denn darüber hab ich inzwischen auch schon was geschrieben.
Jetzt gehts an der Stelle weiter, an der Sophie Eli offenbart hat, dass sie anstelle von Nene Kaiserin werden wird. Das werden jetzt wieder zwei Teile hintereinander, und die sind wieder ziemlich lang!!!
(...)
- „Ja, ich liebe Franz.“ gestand Sisi und wurde rot vor Verlegenheit.
„Gut, in diesem Fall wirst du ihn heiraten müssen, an Stelle deiner Schwester. Du wirst die Kaiserin von Österreich werden, aber ich glaube, du wirst daran zerbrechen. Es gibt sehr viele Regeln einzuhalten und Pflichten zu erfüllen.“
„Ich werde alles tun, um dich nicht zu enttäuschen“ sagte Sisi so selbstsicher, wie sie konnte. In Wirklichkeit war das nur Fassade, sie war eigentlich von einem beklemmenden Gefühl ergriffen und hatte Angst vor ihrer früher so netten Tante.
„Und duzen wirst du mich in Zukunft auch nicht mehr, Elisabeth. Für mich wirst du eine Fremde bleiben.“
„Aber…“
- „Meinst du, ich habe mit dir über diese Angelegenheit noch irgend etwas zu besprechen? Du kannst jetzt gehen.“ Sophie machte eine abweisende Geste. „Aber…“ wiederholte Sisi nochmal.
„Es ist alles gesagt. Geh endlich!“ rief Sophie im Befehlston.
Als wäre ich irgendeiner der Dienstboten hier, der sie Befehle erteilen darf, dachte Elisabeth bei sich. Langsam verließ sie das Zimmer. Was sollte sie denn jetzt nur tun?
Nachdenklich ging sie den langen Flur entlang und dann die Treppe hinauf bis zu dem Zimmer, in dem sie zusammen mit ihrer Schwester wohnte. Schon auf dem Gang hörte sie, dass Helene bitterlich weinte und fühlte sich gleich selbst schlecht. Sie hätte am liebsten kehrtgemacht und wäre irgendwohin gelaufen, nur raus aus der Villa, irgendwo durch den Ort laufen…
Vielleicht war das gar keine so schlechte Idee. Ihre Welt war aus den Fugen geraten, sie wusste gar nicht mehr weiter. Wenn doch bloß Papa mitgekommen wäre, dachte Sisi und merkte, dass sie auch nahe dran war, in Tränen auszubrechen. Er würde mir jetzt bestimmt zuhören…
Dass sie ja eigentlich anstelle ihres Vaters nach Bad Ischl gefahren war, daran dachte sie in ihrer momentanen Verwirrung gar nicht mehr. Von ihrer Mutter konnte sie jedenfalls auch keine Unterstützung erwarten, die war schon immer auf Helenes Seite gewesen und würde sicherlich genauso über die ganzen Ereignisse denken.
Sie hatte das Leben von Helene zerstört, das war die traurige Wahrheit.
„Ich hasse sie!“ rief plötzlich Helene hinter der geschlossenen Tür und schluchzte auf. „Ich hasse Sisi! Wäre sie doch bloß zuhause geblieben… sie hat alles kaputt gemacht, dieses dumme Kleinkind…“
Niemand kann mich hier mehr leiden, dachte Sisi traurig und entsetzt. Wo soll ich denn hin?! Mit wem kann ich nur reden? … Mit ihm? Nein, das geht nicht. Ich trau mich im Moment nichtmal, ihm gegenüberzutreten…
Jetzt fühlte sie sich in ihrem Entschluss bestärkt, erstmal etwas auf Abstand zu den anderen zu gehen. Warum auch nicht? Zuhause in Possenhofen ging sie auch oft alleine im Wald spazieren und war manchmal froh, wenn sie dann zufällig ihrem Vater über den Weg lief.
Sie drehte sich um und beschleunigte ihre Schritte.
Als wäre der Teufel persönlich hinter ihr her, stürmte sie die Treppen hinunter, durch die Eingangshalle.
Dabei achtete sie nicht darauf, wo sie hinlief – und wäre in ihrem langen Kleid fast gestolpert. Hier ging auch alles schief, zuhause war ihr das nie passiert…
„Um Himmels willen, Sisi, wo willst du denn so schnell hin?!“
bemerkte im gleichen Moment eine Stimme und hielt sie zurück. Sisi wäre am liebsten im Erdboden versunken. Er war es, unter allen, die ihr begegnen konnten, musste er es sein…
„Ich weiß noch nicht genau“, bemerkte sie schnell, „nur irgendwohin… raus… Weg hier…“
- „Du bist ja total aufgelöst. Was ist denn passiert?“
„Ach…“ Sisi konnte die Tränen nicht mehr zurückhalten und begann zu weinen.
Franz – Joseph sah sie verständnislos an.
„Liebe Güte, Sisi, jetzt erzähl doch.“ bat er sie und nahm sie vorsichtig in den Arm. „Vielleicht kann ich dir helfen.“ – „Deine Mutter hat mich eben zu sich rufen lassen…“ brachte Sisi unter Tränen heraus, dann wurde sie von einem Aufschluchzer geschüttelt.
Franz glaubte nicht richtig zu hören.
„Hat sie das wirklich? Und was hat sie zu dir gesagt?“
Sisi schüttelte den Kopf.
„Frag sie, nicht mich“, bemerkte sie leise. „Lass mich jetzt bitte gehen. Ich muss mich beruhigen, bevor ich den anderen wieder gegenübertreten kann…“ – „Aber… Sisserl..“
„Ich sagte du sollst mich gehen lassen! Und zwar schnell, sonst schrei’ ich!“
- „Oh, da bekomme ich aber Angst“, bemerkte Franz mit einem amüsierten Grinsen, ließ sie aber trotzdem los.
Sisi hatte sich wieder einigermaßen gefasst.
„Wie gesagt, ich geh dann mal. Tu mir einen Gefallen, Franz, und sag den anderen, sie sollen nicht nach mir suchen.“ Sie hielt kurz inne, und fügte dann hinzu: „Falls es überhaupt jemandem auffällt, dass ich weg bin. Die haben jetzt ganz andere Sorgen. Ich komm schon wieder zurück. Nur nicht sofort.“
„Aber… Sisserl..“
wiederholte Franz, der sich gerade selbst nicht wieder erkannte. Er, der 23-jährige Kaiser von Österreich, herrschte über ein großes Reich und hatte jeden Tag mit unzähligen Herausforderungen zu kämpfen – aber jetzt fühlte er sich durch eine aufgelöste 15-jährige bayerische Prinzessin namens Elisabeth Amalie Eugenie von Wittelsbach überfordert!
Bevor er noch etwas sagen konnte, war Sisi auch schon weitergestürmt, durch die Eingangshalle und ins Freie.
Sie hat mich Franz genannt, dachte er bei sich, und nicht Franzl… Was ist mit ihr?
-
-
Erst als Sisi ein paar hundert Meter zurückgelegt hatte, blieb sie nochmal kurz stehen und sah zurück.
Nein, er folgte ihr nicht. Er ging ihr nicht hinterher und bat sie, zurückzukommen.
Außerdem… sie hätte auch nicht zugelassen, dass sie jemand aufhielt…