Und noch einmal Milady :)

Eure musicalischen Stories oder Fanfictions könnt ihr hier posten.

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Beitragvon armandine » 03.01.2008, 21:42:09

Das ist ja auch wieder eine überraschende Wendung, bravo! Schön, dass das nicht das Ende ist, ich würde gerne noch mehr erfahren. Allerdings finde ich, Athos hätte auch eine Strafe verdient, so schlecht, wie er die arme Anne behandelt hat :twisted:

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Beitragvon Sisi Silberträne » 04.01.2008, 18:41:03

*Tränen wegwisch* das wäre so ein schönes Ende...

Na ja, Athos hat im Wesentlichen nichts Unrechtes getan, er hat in seiner Grafschaft die niedere und hohe Gerichtsbarkeit gehabt und konnte sie bestrafen, wie es ihm recht erschien... heißt natürlich nicht, dass es.. richtig war.
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Beitragvon ChristineDaae » 06.01.2008, 15:41:30

Ich finde den Teil auch sehr schön... :) Nur schnell weiter ;)
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Beitragvon Marie Antoinette » 07.01.2008, 20:01:33

Danke, ihr drei! :)

So, jetzt wieder zurück in die Wirklichkeit, denn ich muss mich selbst zitieren:

""".... Er hat es also doch geschafft, dachte sie bei sich. Das war ein erster Schritt… und bald würde auch etwas anderes geschehen… sie sah es in Gedanken schon vor sich. """

Also war das mal wieder ein Traum oder eine Vorstellung, wie in meiner anderen Geschichte eine gemeine Stelle... da erinnern sich vielleicht noch ein paar dran... :wink:

Jetzt hat meine FF das Musical eingeholt, aber es läuft natürlich nicht alles genau so ab... in dem Teil jetzt zwar schon, aber dafür ist es vielleicht wieder eine etwas gemeinere Stelle zum Aufhören... *fies grins*

@Christine: Danke mal wieder fürs Vorablesen...

@Alle: Viel Spaß mit Teil 2!!!

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18: „Ich bin zurück – für alle Zeit…“



Es war erneut ein kalter Nachmittag, als ein Schiff im Hafen von Calais anlegte. Milady de Winter hatte die letzte Stunde der langen Überfahrt an Deck gestanden und beobachtet, wie die Küste Frankreichs immer näher gekommen war. Es schneite zwar, aber sie war trotzdem in allerbester Laune.
Sie war wieder zurückgekehrt – dieses Mal jedoch mit der offiziellen Genehmigung und mit der Absicht, ihr Heimatland niemals wieder zu verlassen. Und jetzt würde es bestimmt nicht mehr lange dauern, bis tatsächlich alles wieder gut werden würde. Vor einem halben Jahr hatte noch Ungewissheit ihre Rückkehr bestimmt, aber dieses Mal war sie sich ihrer Sache ganz sicher.
Auf dem Weg nach Paris machte sie in der selben Herberge Rast wie das letzte Mal auch schon. Es war schon dunkel und die Weiterfahrt wegen dem Schneegestöber und den vereisten Straßen absolut unverantwortlich.
„Irgendwie kommt Ihr mir bekannt vor“, bemerkte der Wirt verwundert, als Milady die Gaststube betrat und sich erkundigte, ob sie noch ein Zimmer bekommen konnte. Es war deutlich zu bemerken, dass Weihnachten vor der Tür stand – die Gaststube war nämlich weihnachtlich geschmückt und auf jedem Tisch stand ein Kranz aus Tannenzweigen mit vier Kerzen. Die erste brannte bereits. Es waren noch drei Wochen bis zum Heiligen Abend.
Einige Gäste, die wohl schon einen zuviel über den Durst getrunken hatten, gröhlten sogar Weihnachtslieder.
„Natürlich. Ich war vor einem halben Jahr schon hier“, erwiderte Milady. „Vielleicht habe ich da etwas nachdenklicher und besorgt ausgesehen, aber das ist endgültig vorbei… Es ist vorbei… Die alten Wege werde ich jetzt stolzer und weiter gehen als vorher. Kein Grund mehr, mich zu ducken…“
„Und Ihr seid…?“ fiel der Wirt ihr ins Wort.
„Milady de Winter“, erwiderte Milady ausgelassen. „Oder vielleicht bald wieder Anne de la Fère… Ja, das ist mein oberstes Ziel. Denn schließlich gibt es da noch ihn…“ Im gleichen Augenblick entdeckte sie an einem der Tische einen Musketier des Königs sitzen, der verblüffende Ähnlichkeit mit Athos hatte.
Sofort ging ihr etwas durch den Kopf.
Dieses Mal werde ich wirklich wieder glücklich werden… Die Lügen sollen nie mehr meinen Lebensplan gefährden.. All meine Kraft werde ich dafür einsetzen, endlich wieder bei ihm zu sein… Ich verschwende meien Zeit nicht mehr…. und dieses Mal… muss und wird der Kardinal mich endlich von dem Stigma der Vergangenheit befreien…
Sie fühlte in ihrer Manteltasche den Brief, den sie dort aufbewahrt hatte. Ein paar Tage, nachdem der Leibgardist Richelieus ihr die Mitteilung überbracht hatte, dass der Verbannungsbeschluss aufgehoben worden war, hatte sie nämlich rechtzeitig zu ihrem Geburtstag erneut einen Brief Seiner Eminenz bekommen und diesen im Gegensatz zu den anderen aufmerksam gelesen… Und ihre Befürchtungen hatten nicht zugetroffen – der Kardinal war nicht verärgert darüber gewesen, dass sie die anderen Briefe nicht beantwortet hatte… Das Schreiben war im Gegenteil alles andere als böse formuliert – und ein Geschenk war auch dabei gewesen… eine Kette aus Silber mit einem Anhänger in Form einer Lilie…
„Eine alte Liebe, nicht wahr?“ vermutete der Wirt jetzt vollkommen richtig und händigte ihr einen Zimmerschlüssel aus. „Bitte sehr, Madame… de la Fère“, sagte er dabei. „Wie kommt Ihr denn jetzt dazu?“ erwiderte Milady verwundert. „Es soll Euch Glück bringen. Bald wird Euch wieder jeder so nennen…“ Er unterbrach sich selbst und wandte sich an zwei Frauen, die neben ihm aufgetaucht waren.
„Rebecca, Sarah, bringt das Gepäck der Madame de la Fère nach oben auf ihr Zimmer.“ befahl er.
„Wie der Herr es befiehlt“, erwiderte die erste, die er angesprochen hatte, mit einer deutlichen Ironie in der Stimme, eine Frau mit blonden Haaren und von ziemlich kräftiger Gestalt. Wahrscheinlich handelte es sich dabei um eine Angestellte des Wirts. Rebecca nahm gleich zwei der schweren Koffer so mühelos hoch, als wären sie leicht wie eine Feder.
„Natürlich, Papa“, erwiderte die zweite, eine Frau um die 18 Jahre alt mit langen hellbraunen Haaren und in einem weißen Kleid. „Solange ich nachher ungestört mein Bad nehmen kann“, fügte sie hinzu und nahm den kleinsten noch verbleibenden Koffer. Fröhlich vor sich hinträllernd folgte sie Rebecca mit dem Gepäck die Treppe ins erste Obergeschoss hinauf.
„Meine Tochter Sarah“, erklärte der Wirt mit einem Ausdruck von Stolz in der Stimme.
Im gleichen Moment wurde die Tür zur Wirtsstube aufgerissen und drei Männer kamen hineingestürmt. Weil sie die Tür erst einmal sperrangelweit offen ließen, wehte der kühle Wind von draußen den Schnee herein. Der Wirt verzog missmutig das Gesicht.
„Messieurs…“ setzte er in warnendem Tonfall an, etwas zu sagen, aber er hielt schnell inne, als er sah, wer da hereingepoltert kam. Der größte der drei Herren in seinem schwarzen Mantel mit den roten Linien darauf und mit der Augenklappe über dem rechten Auge war ihm nämlich kein Unbekannter, und deswegen hielt er jetzt besser den Mund. Die anderen schwarzrot Uniformierten kannte er zwar nicht, aber mit dem im Mantel legte man sich keineswegs an. Genauer gesagt – mit dem noch am wenigsten…
„Milady de Winter?“
Der Mann sah sich suchend um.
Milady drehte sich in seine Richtung.
„Ach, … Hauptmann Rochefort! Oberbefehlshaber der Leibgarde Seiner Eminenz Kardinal Richelieus! Was für ein erfreuliches Wiedersehen nach so langer Zeit!“ rief sie scheinbar erfreut aus. In Wirklichkeit klang ihr Tonfall wie der von Rebecca wenige Minuten zuvor. Rochefort schien die Ironie aber nicht zu bemerken, sondern verbeugte sich geschmeichelt vor Milady und küsste ihr sogar galant die Hand.
„Es ist schon eine Weile her, da habt Ihr Recht“, pflichtete er ihr bei. „Wie war Eure Reise?“ – „Strapaziös… vor allem die Überfahrt über den Ärmelkanal steckt mir noch in den Knochen. Die See hat sich erst heute Nachmittag beruhigt, als wir schon die Küste Frankreichs am Horizont erkennen konnten…“ erklärte Milady. Sie erkannte den Hauptmann der Leibgarde des Kardinals nicht mehr wieder. Er war auf einmal so… nett. Da hatte es Seine Eminenz wohl tatsächlich geschafft, ihm klarzumachen, dass er sie mit dem gebührenden Respekt behandeln sollte. War das wirklich derselbe Rochefort, der sie Ende August noch vergewaltigt und um ein Haar in der Seine ertränkt hatte?
„Ich bin untröstlich.“ sagte er als nächstes.
- „Zu schade, dass man keinen Tunnel unter dem Ärmelkanal graben kann, meint Ihr nicht?“ wollte Milady wissen.
Rochefort sah sie irritiert an. So eine Bemerkung hatte er nicht erwartet. Er bedeutete Milady, ihm nach draußen zu folgen. Sie nickte verständnisvoll, zog ihren schwarzen Pelzmantel wieder über und ging mit ihm nach draußen, zurück in die Kälte.
"Was gibt es aus England zu berichten?“ kam Rochefort sofort zur Sache.
- „Verzeiht“, sagte Milady scheinbar zerknirscht, „ich bin erst vor wenigen Minuten selbst erst hier eingetroffen und habe zunächst das Bedürfnis, mich ein wenig frisch zu machen…“
Sie wollte ihn stehenlassen und in die Wärme der Gaststube zurückkehren, aber im gleichen Augenblick packte er sie brutal am Arm.
„Ich darf Euch daran erinnern, dass Ihr nicht zu Eurem Vergnügen wieder in Frankreich seid!“ rief er in bedrohlichem Tonfall.
„Heda, Strolch!“ rief eine Stimme. „Finger weg von der Dame!“
Rochefort sah sich verwundert um. Ein paar Schritte vor ihm und Milady stand ein junger Bursche, wohl erst Anfang bis Mitte Zwanzig, von eher schmächtiger Gestalt mit braunen Haaren, der ein geradezu merkwürdig aussehendes Pferd am Zügel führte.
„Scher dich um deinen eigenen Kram!“ erwiderte Rochefort unwirsch.
Sein Gegenüber wusste wohl nicht, wer er war, denn er ließ den Zügel des Pferdes los und zog im nächsten Moment doch tatsächlich seinen Degen. Rochefort ließ Milady los, um dem Burschen eine gebührende Lektion zu erteilen. Er packte nunmehr dessen Arm und entriss ihm den Degen, dann trat er darauf, um ihn zu zerbrechen.
„Na wie schön, dass es noch Kavaliere gibt“, bemerkte Milady und lächelte den jungen Mann an. Irgendwie tat er ihr Leid. Offensichtlich wusste er nicht, mit wem er sich da gerade versucht hatte anzulegen… wenn das nicht noch irgendwann Schwierigkeiten gab…
Im gleichen Moment ging die Tür zur Gaststube wieder auf und die beiden anderen Leibgardisten traten auf Rochefort zu. Sie dachten, die Situation richtig aufgefaßt zu haben.
„Ärger, Hauptmann?“ vergewisserten sie sich.
„Ach was“, winkte Rochefort ab, „das ist nur so ein Unruhestifter. Wahrscheinlich ein Hugenotte…“
„Ich bin kein Hugenotte“, widersprach der junge Mann entschieden. „Und mein Pferd auch nicht.“ Als er das sagte, schüttelte das komische Tier doch tatsächlich seinen Kopf. „Nein, ich bin wirklich kein Hugenotte!“ wiederholte er. „Messieurs, mein Name ist D’Artagnan. Ich komme aus der Gascogne und bin auf dem Weg nach Paris. Ich möchte Musketier werden. Hier, das ist mein Empfehlungsschreiben.“ Er zog einen Briefumschlag aus seiner Jackentasche und wedelte damit vor Rochefort herum.
„Ach wie herzig“, bemerkte einer der Leibgardisten sarkastisch, „die Musketiere bekommen Nachwuchs.“ – „Die lästige Sippschaft ist schon groß genug, also wirklich…“ erwiderte Rochefort und entriss dem Unbekannten den Umschlag. „Vorsichtig, den hat mein Vater geschrieben.“
„Tatsächlich?“ Rochefort zeigte sich unbeeindruckt. Er riss den Umschlag auf und begann vorzulesen. Die Schwarzroten kommentierten jedes Wort mit hämischem Gelächter. „Tréville, mein teurer Freund… ich lege es in deine Hände, zu entscheiden, ob in meinem Sohn das Herz eines Musketiers schlägt. Er ist ein guter Junge. Ich hoffe nur, dass wir ihn nicht allzu sehr …“ Rochefort hielt inne und lachte ebenfalls. „…verhätschelt haben? Hat ja eine hohe Meinung von dir, dein alter Herr.“
„Was?“
Der junge Mann, der sich als D’Artagnan vorgestellt hatte, konnte es nicht glauben und wollte Rochefort den Brief wieder wegnehmen, der knüllte ihn jedoch nur zusammen und warf ihn wie ein Ball einem der Uniformierten zu. Der warf ihn seinem Kollegen zu, welcher den Brief letztendlich zerriss, die Schnipsel in den Schnee warf und darauf herumtrampelte.
„Auf was wartest du noch, Bürschchen?“ höhnte Rochefort. „Nimm deine klapprige Schindmähre und verschwinde!“
„Untersteht es Euch, mein edles Tier zu beleidigen“, rief D’Artagnan. „Du hast den Hauptmann doch gehört“, bemerkte einer der Schwarzroten. „Oder etwa nicht? Er sagte: Nimm deine klapprige Schindmähre und hau ab.“ wiederholte er die Worte Rocheforts, um den jungen Mann zu provozieren. Der andere Leibgardist war inzwischen an das Pferd herangetreten und versetzte ihm jetzt einen Schlag, dass es sich aufbäumte und mit einem Wiehern davonlief. D’Artagnan war entsetzt. „Mein Pferd! Oh nein… Pomme de Terre…“ Er hastete davon und bemühte sich, das Pferd einzuholen.
„Chapeau, Rochefort!“ rief Milady sarkastisch und applaudierte. „Wieder eine Heldentat vollbracht…“
„Milady de Winter…“ Rochefort scheuchte die anderen Wachen zurück in die Gaststube, dann trat er näher an sie heran. „Kommen wir zum Thema. Was habt Ihr auf der Insel in Erfahrung gebracht?“
„Dem Kardinal drohen ernste Schwierigkeiten“, erklärte Milady. „Die Hugenotten haben England um Beistand ersucht, und der englische König beabsichtigt, ihrem Hilferuf Folge zu leisten…“
„Dann steht uns Krieg mit England bevor?“ fragte Rochefort entsetzt.
- „Nicht nur das“, fuhr Milady mit ihrem Bericht fort. „Denn England kann auf den Beistand seiner spanischen Verbündeten hoffen…“ – „… und wir wären von zwei Seiten eingeschlossen…“ wusste der Hauptmann ihren Satz zu vollenden.
Milady nickte zustimmend.
„Soll der Kardinal sehen, wie er da wieder herauskommt.“ bemerkte sie dann. „Ich habe meinen Teil getan…“ Sie wirbelte herum und ging in die Gaststube zurück. Rochefort folgte ihr. „Ach, ich freue mich ja so auf Paris…“ fuhr Milady fort und zog ihren schweren Mantel wieder aus. Achtlos ließ sie ihn fallen, aber Rochefort fing ihn auf. Während er ihn Milady regelrecht wieder in die Hand drückte, zischte er:
„Ihr seid nach wie vor verbannt! Vergesst das nicht!“
- „Was?!“ Milady glaubte, dass sie sich verhört hatte. Wusste Rochefort denn nicht, dass sie… „Aber ich habe nicht vor… und der Kardinal hat doch gesagt, ich sollte…“
Rochefort ließ sie nicht ausreden.
„Ihr bezieht hier Quartier und verhaltet Euch so unauffällig wie möglich. Ich fahre nach Paris, um den Kardinal über die Zuspitzung der Lage zu unterrichten. Ihr wartet hier auf weitere Befehle.“
„Rochefort, … mein Wunsch…“ – „Der tut hier nichts zur Sache“, unterbrach der Hauptmann unwirsch. „Hier zählen ausschließlich die Wünsche des Kardinals.“ Er winkte den beiden anderen schwarzroten. „Männer?“ Die beiden Leibgardisten traten auf ihn zu. „Hauptmann?“ - „Wir fahren sofort wieder zurück nach Paris. Gehen wir.“ Rochefort ließ Milady einfach stehen und die anderen folgten ihm wortlos.
Milady blieb allein zurück. Nein, Rochefort hatte sich nicht verändert, er war immer noch so unmöglich wie vor drei Monaten und konnte sie auch immer noch nicht wirklich ausstehen. Warum hatte er denn nicht gewusst, dass die Verbannung aufgehoben war? Oder hatte sie etwas falsch verstanden? Nein, sicherlich nicht.
Nachdenklich ging sie die Treppe hinauf in ihr Zimmer. Dort hängte sie lediglich den Mantel auf, setzte sich an die Frisierkommode, die in der Nähe des Fensters stand und las zum wiederholten Mal den Brief Richelieus.

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Beitragvon Sisi Silberträne » 07.01.2008, 20:55:24

Ui, schon wieder ein neuer Teil. Da kommt einem einiges bekannt vor, schön wie du die lustigen Dialoge verarbeitet hast. Und die Anspielung auf TdV ist genial XD

Nur weiter so!!
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Beitragvon ChristineDaae » 08.01.2008, 13:51:12

Kann Sisi nur zustimmen... Nur weiter so! :D
Freue dich, wenn es regnet – wenn du dich nicht freust, regnet es auch.
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Beitragvon armandine » 08.01.2008, 15:53:22

Das wird ja immer spannender! Ich hoffe, Rochefort kriegt irgendwann noch sein verdiente Abreibung!

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Beitragvon MiladydeWinter » 13.01.2008, 00:10:57

Also erst mal etwas zu dem Teil vom 3.1.:
Er ist wirklich sehr gut geschrieben und ich wünsch mir auch für das wirklich Ende deiner Story das Milady und Athos wieder zusammen finden. Aber ich denke das ganze mit dem Kardinal ist etwas unrealistisch.. ich glaub der Kardinal würde niemals zugeben das er an allem Schuld ist. Das würde sein Stolz und auch seine Gier nach Macht niemals zulassen.
Ansonsten. Der andere Teil gefällt mir wieder sehr gut und auch die Anspielungen auf TdV find ich ziemlich lustig.
Freu mich schon auf den nächsten Teil

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Beitragvon Marie Antoinette » 14.01.2008, 21:05:15

Danke ihr vier... *freu* :D

@Milady: Natürlich macht das das Rotjäckchen nicht, ist doch klar... Drum war es auch nur ein Traum... :wink:

@Sisi: *flüster* der nächste Teil ist Vergangenheit... :wink:

Heut wird die Fortsetzung mal wieder nicht so lang... mir gehen die neuen Teile nämlich bald aus...

---------------------------------------------------------------------------------

„„Milady de Winter, Lilie meines Herzens…

erlaubt mir zunächst, meine aufrichtigsten Glückwünsche zu Eurem Geburtstag auszusprechen, den Ihr bedauerlicherweise so weit entfernt von Eurer Heimat zu feiern gezwungen seid.

Möge Euer siebenundzwanzigstes Lebensjahr glücklich und erfolgreich verlaufen und all Eure Wünsche wahr werden…

Ein Wunsch hat sich wohl schon eine Weile vor Eurem Ehrentag erfüllt:

Ihr habt bereits erfahren, dass der Verbannungsbeschluss aufgehoben wurde. Weiter bin ich in Eurer Sache noch nicht gekommen, es hat sich um ehrlich zu sein sogar um ein hartes Stück Arbeit gehandelt, Seine Majestät zu diesem Beschluss zu überreden. Ihr könnt also jederzeit zu mir zurückkehren, die Grenzen Frankreichs stehen Euch offen ohne dass Ihr Konsequenzen fürchten müsst.

Alles andere ist jedoch auch nur eine Frage der Zeit... gemeinsam werden wir das schaffen.

Hoffentlich geht es Euch gut, ich hatte mir nämlich schon ernste Sorgen um Euch gemacht, nachdem ich schon so lange nichts mehr von Euch gehört habe. Die Pflicht allein war es, die mich daran gehindert hat, selbst die Fahrt nach England anzutreten und nach Euch zu sehen…

Die Wochen sind verstrichen, die Tage immer kürzer und die Abende und Nächte immer länger geworden und jeder Tag verging ohne Euch. Es ist sehr ruhig geworden im Kardinalspalast, und obwohl es eigentlich für mich kaum einen verwerflicheren Gedanken gibt – Ihr fehlt mir und ich vermisse Euch wirklich. Ich muss jeden Tag an Euch denken…

Ich hoffe nur, dass Ihr mich auch nicht vergessen habt…

Deshalb habe ich auch das Geschenk für Euch ausgesucht – es mag Euch vielleicht auch an die Schrecken der Vergangenheit erinnern und damit habt Ihr natürlich auch Recht… aber gleichzeitig hat auch dieses Symbol wie so vieles im Leben auch eine andere Seite. Es steht für das, was Ihr für mich seid, was Ihr mir bedeutet.

Nun zu etwas anderem. Als wir am 11. September getrennte Wege gegangen sind, habt Ihr mich noch darum gebeten, die Umstände des Attentats noch einmal zu untersuchen. Vermutlich wisst Ihr bereits, dass sich die Wahrheit aufgeklärt hat – ich habe Eurem „Ein und Alles“ tatsächlich Unrecht getan. Er hat die Tat nicht begangen, sondern ausgerechnet einer meiner Wachen… was ich nun wirklich niemals vermutet hatte… vermutlich hat nicht einmal Rochefort damit gerechnet, dass der Attentäter doch in unseren eigenen Reihen zu suchen ist…

Wie auch immer; Athos wurde kaum dass ich den Brief des Leibgardisten Sébastien Marinaux erhalten habe, freigelassen. Der Arrestbefehl wurde meinerseits aufgehoben und eine Schadensersatzzahlung für die zu Unrecht erlittene Verlieshaft ausbezahlt. Außerdem habe ich mich bei ihm entschuldigt.

Es geht ihm wieder gut – die Folterungen und Verhöre waren nach dem 09. September bekanntlich ausgesetzt worden und inzwischen ist er mir schon einige Male im Louvre wieder begegnet.

Ich weiß, Ihr lasst Euch von mir keine Vorschriften machen – aber vielleicht wäre die Vorweihnachtszeit eine gute Zeit für Euch, um erneut zurückzukehren? Rochefort wäre am Tag nach dem ersten Advent ohnehin in Calais, er könnte Euch dann mit zurück nach Paris nehmen und wir könnten gemeinsam Weihnachten feiern.

((Außerdem nehme ich schwer an, dass Ihr inzwischen etwas herausgefunden habt, was unserer gemeinsamen Sache weiterhilft. Aber das ist nur nebensächlich… ich würde Euch wirklich gerne bald wiedersehen. Selbst wenn Ihr keine Neuigkeiten aus England für mich hättet wäre ich trotzdem froh, wenn Ihr zurückkommt..))

Und keine Sorge – ich habe Rochefort inzwischen klar gemacht, dass er Euch endgültig in Ruhe lassen soll. Julien de Chagny, Euer ehemaliger Verlobter, wurde nach dem Anschlag auf Euch aus der Kardinalsgarde entlassen und Rochefort wird es sich wohl zwei oder drei Mal überlegen, bevor er Euch noch einmal Schaden zufügt. So etwas kann und werde ich nicht mehr akzeptieren. Ich kann es nicht zulassen, dass Euch, der Lilie meines Herzens, etwas zustößt. Ihr habt wegen mir schon genug Leid ertragen müssen.

Einstweilen gibt es nichts mehr zu berichten, deshalb schließe ich für heute mit der Hoffnung, Euch Anfang Dezember wiederzusehen…““


„Seine Eminenz Kardinal Armand Jean Duplessis de Richelieu… und so weiter und so fort.“ Milady faltete den Brief wieder zusammen. Sie kannte ihn schon auswendig, aber trotzdem hatte sie Rocheforts Verhalten wieder leicht durcheinander gebracht, ob sie vielleicht doch irgendetwas falsch in Erinnerung hatte. Nein, sie hatte sie sich nicht falsch erinnert - Richelieu hatte gemeint, dass Rochefort sie mit nach Paris nehmen sollte.
Warum nur hatte sich denn der unmögliche Hauptmann so verhalten, als wäre sie noch verbannt? Das war doch unglaublich… Aber sie würde auch so nach Paris kommen. Sie würde den Kardinal wiedersehen, wie er es wollte… aber auch Athos.
Alles würde wieder gut werden… ein für alle Mal. Das nächste Weihnachtsfest würde sie nicht mehr mit Richelieu feiern müssen… sondern mit ihrem Ein und Alles.
Im gleichen Moment wurde sie von Stimmen auf dem Gang aus ihren Überlegungen gerissen.
Eigentlich wäre das nichts Besonderes gewesen, da es in einer Herberge wie dieser ja noch mehrere Zimmer gab, aber Milady fiel auf, dass sie sich auf Englisch unterhielten. Und das war doch sehr auffällig…
„Was für eine grässliche Absteige, hätten wir nicht gleich weiterfahren können?“ fragte eine erste Stimme und klang ziemlich genervt.
„Ich setze doch mein Leben nicht aufs Spiel“, erwiderte eine zweite Stimme. „Nicht einmal für sie… Wir fahren erst nach Paris weiter, wenn sich das Wetter beruhigt hat.“
„Ihr müsst diesem Frauenzimmer auch noch hierher nachlaufen“, bemerkte die erste Stimme noch eine Spur genervter, „dabei war es nur eine Sandkastenaffäre. Und man weiß ja, die Jugendliebe ist wie ein Fisch. Schillernd, aber nicht lange frisch.“
„Eine Sandkastenaffäre???… Also du hast doch keine Ahnung, James“, versetzte die zweite Stimme aufgebracht.
Gleich darauf schlug eine Tür mit Nachdruck zu und eine zweite wurde Augenblicke später etwas sanfter geschlossen.
Milady erschrak. Ihr waren die zwei Stimmen gleich bekannt vorgekommen, aber jetzt fiel ihr auch ein, woher. Das waren der Premierminister von England, der Herzog George Buckingham, und sein unmöglicher Kammerdiener James. Sie war beiden am englischen Hofe sehr oft begegnet. James folgte seinem Herren fast genauso auf Schritt und Tritt wie hier in Frankreich Rochefort dem Kardinal.
Aber was hatten Buckingham und Anhang denn nur in Frankreich zu suchen?!
Die dürfen mich hier nicht sehen, dachte Milady bei sich. Buckingham war ein alter Freund ihres verstorbenen Ehemannes und hatte ihr von Anfang an misstraut, als sie erfahren hatten, dass sie gebürtig aus Frankreich kam. Denn das hatte sie nicht verheimlichen können.
Ach, sie ist eine Madame aus Frankreich… oh là, là…“ glaubte sie eine Stimme aus der Vergangenheit zu hören. „Wohl eher eine Mademoiselle, George“, hatte Lord de Winter dem Premierminister entgegnet. „Und nicht nur das… sie ist wohl so etwas wie ein Schützling des Kardinals von Paris gewesen… diesem Richelieu…“
Und gegen ihren Willen musste sie wieder an die Vergangenheit denken…

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Beitragvon Sisi Silberträne » 14.01.2008, 21:13:20

Eine Madame aus Frankreich o la la... herrlich! Ich höre Giles :lol:

Das Kapitel ist wieder mal toll... also Richelieu sollte mal aufpassen, dass er auf seiner Schleimspur nicht ausrutscht :roll: Ich hoffe mal Anne traut ihm keine Sekunde...

Auf den Vergangenheitsteil freu ich mich besonders! Also bald weiter :mrgreen:

Ich hoffe du kommentierst mein letztes Kap auch noch *blink*
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Beitragvon ChristineDaae » 15.01.2008, 16:15:04

Ich finde den neuen Teil auch toll so :D Schreib bald weiter! :)
Freue dich, wenn es regnet – wenn du dich nicht freust, regnet es auch.
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Beitragvon MiladydeWinter » 15.01.2008, 19:42:43

Sehr interessant wie die "Begegnung" zwischen Buckingham und Milady hätte aussehen können..
Aber diesem Wiederling von Kardinal soll sie blos kein Wort glauben...
Wieder sehr schön geschrieben.. Bitte bald weiter :wink:

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Beitragvon Marie Antoinette » 22.01.2008, 18:06:06

Danke, ihr drei... :D

So, Teil eins für die Woche... der zweite dann übermorgen...

@Sisi: Mit der Schleimspur hast mich auf eine Idee gebracht... da ausrutschen kann der Kardinal zwar nicht aber vielleicht woanders... :lol:

-------------------------------------------------------------------------------------

- - Zehn Jahre früher- -



Die Überfahrt über den Ärmelkanal war mir alles andere als gut bekommen. Ich würde die wahrscheinlich auch nie vergessen, denn bereits am selben Abend, als die Küste von Frankreich langsam am Horizont verschwand, gerieten wir in einen heftigen Sturm. Hatte ich mich in Calais noch gefreut, endlich aus Frankreich – und vor allem von Seiner Eminenz – wegzukommen, bereute ich dies in jenem Moment, als das Schiff anfing zu schlingern und zu schwanken und es mir fürchterlich schlecht ging.
„Was muss man eigentlich dieses Kind nach England schicken?“ Die zwei Schwarzroten, die mich begleiten mussten, hatten sich lautstark unterhalten. Die hatten wohl gedacht, ich würde es nicht mitbekommen. Da hatten sie falsch gedacht… „Die hat doch außer der Stadt noch nie was gesehen und noch nie was durchgemacht, ist doch klar, dass es ihr jetzt so schlecht geht…“
Der andere Leibgardist Richelieus hatte bei dieser Äußerung nur hämisch gelacht. Wäre es mir gerade etwas besser gegangen, dann wäre ich bestimmt hingegangen und hätte ihnen ein Glas Wasser über den Kopf gekippt…
„Hat nie was durchgemacht“… wenn die nur wüssten… Ich fragte mich nur, was der Kardinal ihnen über mich erzählt hatte, warum sie mich nach England begleiten mussten, hatte aber in dem Moment eigentlich ganz andere Sorgen.
Der Sturm dauerte ein paar Tage, aber wie gesagt, mir ging es auch noch den Rest der Überfahrt schlecht. Vielleicht hatte sich zu meiner Seekrankheit noch irgend etwas anderes gesellt, jedenfalls konnte ich das Schiff nur gestützt von den Schwarzroten verlassen.
„Was machen wir jetzt eigentlich mit ihr?“ fragte einer den anderen. Ich wusste ihre Namen nicht und eigentlich waren sie mir auch gleichgültig.
„Ich hätte da ne Idee“, erwiderte der zweite. „Das ist doch hier so eine nette Hafenstadt, da gibt’s sicher eine Aufgabe für die Mademoiselle… da könnte sie sich die Überfahrt abarbeiten…“
Bei der Bemerkung erschrak ich beinahe zu Tode. Ich ahnte schon, was er meinte, vor allem, weil die beiden daraufhin schallend anfingen zu lachen. Die waren doch genauso wie der Kardinal…
„Sieht aus, als hätte sie was dagegen“, bemerkte der erste, dem mein entsetzter Gesichtsausdruck wohl aufgefallen war. „Aber jetzt mal im Ernst… das können wir nicht bringen. Wir haben doch was sie angeht, ne ausdrückliche Anweisung des Kardinals. Und an die müssen wir uns halten. Sonst gibt’s Schwierigkeiten.“ – „Aber woher will denn Seine Eminenz wissen, ob wir den Auftrag so ausgeführt haben wie er es befohlen hat?“ – „Weil er das ganze im Auge behalten wird. Ich traue ihm zu, dass der irgendwann mal hier auftaucht und sie besuchen wird… Was weiß ich denn. Irgendwie scheint die ihm besonders wichtig zu sein…“ – „Warum eigentlich? Ist doch ne Verbannte… und gebrandmarkt ist sie soweit ich weiß auch…“ – „Aber gesehen hast du das Brandmal nicht, oder?“ – „Selbstverständlich nicht… leider…“
Sie lachten schon wieder beide. Mir war aber klar, dass sie nur versuchten, mich zu ärgern. Die würden es nicht wagen, mir was anzutun… da würden sie einiges aufs Spiel setzen… denn wie sie sagten, wer wusste, ob der Kardinal sich nicht irgendwann vergewissern würde, dass alles so gelaufen war wie er es wollte….
Ich hoffte, dass sie jetzt endlich mal aussprechen würden, was mir genau bevorstand, was Richelieu in Bezug auf mich angeordnet hatte, aber auf einmal sprachen sie wieder über etwas ganz anderes.
Während sich die Schwarzroten weiter unterhielten, gingen sie weiter, schleppten sie meine Koffer durch den Hafen und sahen sich immer wieder suchend um. Ich versuchte, mit ihnen Schritt zu halten. Im Moment hatte ich jeden Widerstand aufgegeben, ich wollte nicht mehr zurück nach Frankreich. Wie leicht wäre es gewesen, mich irgendwo zu verstecken und mich auf ein Schiff zu schleichen… aber ich wollte das gar nicht. Ich war neugierig auf mein neues Leben hier. Nichts würde mich so schnell nach Paris zurückbringen.
„Mademoiselle?“
Einer der beiden Uniformierten war stehengeblieben. „Ihr denkt aber nicht an Flucht, oder?“
„Keineswegs“, erwiderte ich. Am liebsten hätte ich gelacht. Was dachten denn die Wachen von mir? „Ihr seid nur so schnell gelaufen, und ich konnte nicht mit Euch Schritt halten…“ Außerdem fiel mir jetzt etwas anderes ein.
„Warum nennt Ihr mich denn die ganze Zeit Mademoiselle? Nur weil ich so jung bin? Das hat gar nichts zu sagen… ich bin eigentlich die Gräfin de la Fère. Also Madame de la Fère..“
„Ach tatsächlich?“ Der Leibgardist der mich gefragt hatte ob ich fliehen wollte, sah mich vernichtend an. „Das sieht Seine Eminenz aber anders. Ihr habt ohne offizielle Genehmigung und somit ungerechtfertigt geheiratet, also ist die Ehe ungültig. Wenn überhaupt, dann nennen wir Euch hier Mademoiselle de Richelieu.“
„WAS?!“
Mir war es auf einmal wieder gewaltig schlecht. Wieso denn jetzt… das…?!
Vielleicht wäre Flucht doch besser gewesen…

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Beitragvon Sisi Silberträne » 22.01.2008, 18:17:18

Weiter weiter weiter!!!

Ich bin mal gespannt auf was für eine Idee ich dich gebracht hab :mrgreen:
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Beitragvon ChristineDaae » 23.01.2008, 21:01:26

Ich finde den neuen Teil auch spitze :D Schnell weiter! :)
Freue dich, wenn es regnet – wenn du dich nicht freust, regnet es auch.
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Beitragvon Marie Antoinette » 24.01.2008, 20:43:09

Danke, ihr zwei! :)

@Sisi: Hab grad ne fiese Schreibblockade, aber irgendwann kommt die Umsetzung der Idee auf jeden Fall... :)

Ich geh nach Stuttgart zur "richtigen" (aber nicht besten) Milady, und ihr bekommt noch ne lange Fortsetzung...


-----------------------------------------------------------------------------

- - Gegenwart - -



Ein neuer Tag brach an über Paris. Es hatte endlich aufgehört zu schneien, die Wolken hatten sich verflüchtigt und die Sonne ließ das Weiß auf Straßen und Dächern glitzern.
Constance Bonacieux war zu dieser frühen Stunde schon unterwegs, um für die Königin ein paar Einkäufe auf dem Markt zu machen. Sie war froh, endlich wieder einmal aus dem Palast herauszukommen. Fürchterliche Wochen lagen hinter ihr und sie hatte erst einmal jeden Glauben an die Menschheit und vor allem an das Gerede von der wahren Liebe verloren.
Nur der Königin und der Herzogin Cathérine hatte sie es zu verdanken, dass sie jetzt hier war… und jemandem, von dem sie eigentlich zuletzt Hilfe erwartet hatte: Juliette hatte sich doch nicht mehr als so gemein herausgestellt wie an jenem bestimmten Morgen kurz nach der Abreise von Milady de Winter.
Nach alledem, dachte Constance bei sich, werde ich mich so schnell ganz bestimmt nicht mehr verlieben… ich muss mir einfach weiter einreden, dass das alles nur ein Alptraum gewesen ist… Es ist Morgen, die Sonne scheint, ich spüre den Schnee unter meinen Füßen, die Straßen füllen sich mit Menschen… jetzt bin ich wach und lebendig…
Sie begann vor sich hinzusingen, ein Lied auf die Stadt, das ihr Onkel auch immer gerne sang.
„Die Sonne geht auf über Greisen und Kindern, Bettlern und Kaufleuten, Heiligen, Sündern, Seelsorgern und über Unheilverkündern…“ Sie hielt kurz inne. Die letzten Worte hatten sie an etwas erinnert.
Nein, das war nicht so, das hast du geträumt… versuchte sie den Gedanken zu verscheuchen und fuhr fort: „… über Liebe und Leid, Paris… So ist das Leben in Paris, trostlos und wundervoll zugleich, mal bitter und mal zuckersüß, Heimat für Arm und für Reich…“
Als Constance den Marktplatz erreicht hatte, fiel ihr plötzlich ein ungewöhnlich aussehendes Pferd auf, das an einen Pfahl gebunden war. Ein junger Mann stand neben ihm und fütterte es mit einem Apfel.
„Das ist aber ein…“ Constance suchte nach Worten. Wirklich schön war das Tier nicht. „…netter Kerl.“
- „Findet Ihr?“
„Ja, ganz ehrlich. Ein hübsches Pferd… Wie heißt es denn?“ – „Pomme de Terre“, erwiderte der junge Mann, ließ den Apfelbutzen in den Schnee fallen und ging ein paar Schritte auf sie zu. Es war derjenige, der am Vorabend auf Milady und Rochefort getroffen war.
„Pomme de Terre?“ wiederholte Constance und verkniff sich ein Lachen. Wer kam denn dazu, ein Pferd nach einem Gemüse zu benennen. Kartoffel. Also wirklich. „Ein … schöner Name…“
„In seinen Adern fließt zu einem Zehntel Araberblut, deshalb ist er so feurig. Die anderen neun Zehntel sind aber westfälisches Kaltblut“, erklärte er mit unverhohlenem Stolz über sein Pferd. „Übrigens, mein Name ist D’Artagnan. Wie lautet Eurer?“
„Ich bin…“
Constance wollte gerade antworten, besann sich aber dann eines Besseren und sagte lieber nichts mehr. Warum sollte sie auch einem Wildfremden ihren Namen verraten? Wer wusste schon, was dieser D’Artagnan für ein Mensch war. Nachher war er eigens nach Paris gekommen um den Leibgardisten Seiner Eminenz des Kardinals beizutreten… und dann würde sie ganz bestimmt nichts mit ihm zu tun haben wollen. Nicht um alles in der Welt. Sie hatte genug von den Schwarzroten und ihrem Arbeitgeber.
D’Artagnan entging nicht, dass sie blass geworden war. Was war denn nur mit ihr los? Er musste schnell irgend etwas nettes zu ihr sagen…
„Nun sagt schon! Ihr seid bestimmt eine Prinzessin oder so etwas, so seht Ihr jedenfalls aus.“
- „Na Ihr seid mir ja ein netter Draufgänger“, murmelte Constance verlegen. „So etwas hat noch niemand zu mir gesagt.“ - „Dann sind die Leute hier mit Blindheit geschlagen.“
D’Artagnan schüttelte fassungslos den Kopf.
Constance suchte nach einer guten Erwiderung. Dieser D’Artagnan war unmöglich. Wie kam er denn dazu, so etwas zu sagen? Er kannte sie doch gar nicht, weder ihre guten noch ihre schlechten Seiten…
Im gleichen Moment fiel ihr auf, dass sich ein Mann angeschlichen und Pomme de Terre losgebunden hatte. Er hatte einen Apfel in der Hand und versuchte, das Pferd fortzulocken.
„Gebt Acht!“ warnte Constance. „Euer Pferd!“
- „Was?!“ D’Artagnan wirbelte alarmiert herum. „He, mein Gaul! Haltet den Dieb!“ Er rannte los um den Pferdedieb aufzuhalten, stieß aber dabei mit einem Mann in einem dunkelbraunen Mantel zusammen.
„AUA!“ Der Mann hielt sich die Schulter. Durch ein Duell hatte er eine Verletzung davongetragen und der Bursche hatte ihn genau an dieser Stelle erwischt. „Sieh dich gefälligst vor… Hast du denn keine Augen im Kopf?“ fragte er ungehalten.
„Oh, Verzeihung… ich war in Eile, Monsieur. Aber ihr habt Recht. Ist noch lange kein Grund, ein altes Väterchen wie Euch über den Haufen zu rennen.“ erwiderte D’Artagnan etwas schludbewusst. „Wie nennt Ihr mich? Ein altes Väterchen?!“ - „Ja. Ich bin aus der Gascogne. Und Ihr seid?“ – „Auf keinen Fall so alt, dass die Anrede gerechtfertigt wäre.“ erwiderte Athos beleidigt. „Außerdem bin ich stocksauer. Du beleidigst einen Mann von Stand. Ich verlange Genugtuung!“
„Wenn’s beliebt! Wohlan!“ D’Artagnan zog das, was von seinem Degen nach der gestrigen Auseinandersetzung mit Rochefort übrig war, aber im gleichen Moment ging Athos dicht auf ihn zu und raunte ihm zu:
„Nicht hier! Das ist verboten!“
Im gleichen Moment kamen zwei schwarzrot Uniformierte angelaufen. Einer führte Pomme de Terre am Zügel, der andere hatte den Pferdedieb festgenommen. Misstrauisch sahen sie D’Artagnan und den anderen an. Sollte das etwa ein Duell werden?
„Ich erwarte dich morgen früh um sechs Uhr“, fuhr Athos leise fort. Die Kardinalswachen sollten das nicht mitbekommen. Duelle waren seitens des Königs bei Strafe verboten, aber an diesem Gesetz war auch Kardinal Richelieu nicht ganz unschuldig. Seine Wachen erfüllten nämlich gleichzeitig noch die Aufgabe einer Polizei in der Hauptstadt und waren überall auf der Suche nach Verbrechern.
„Und zwar hinterm Karmeliterkloster im Luxemburg. Dann klären wir das ganze… Ohne lästige Zeugen“, bemerkte er mit einem Blick in Richtung der Schwarzroten. Die hatten Pomme de Terre inzwischen wieder angebunden.
„Um sechs im Luxemburg“, wiederholte D’Artagnan. „Jawohl.“ Athos nickte grüßend und ging dann seines Weges. „Aber… wie komm ich denn da überhaupt hin?“ überlegte D’Artagnan laut.
„Wohin?“ fragte der erste schwarzrot Uniformierte. D’Artagnan suchte nach einer Antwort, aber der Uniformierte wechselte schon das Thema. „Ist das Euer Pferd, Monsieur?“ – „Ja, vielen Dank, dass Ihr den Dieb so schnell gefasst habt. Das war ja wirklich prompt. Was passiert jetzt mit ihm?“ „Wir werden auf unsere Ablösung warten und ihn dann in den Palais de Cardinal bringen.“
Die Schwarzroten entdeckten Constance, die leichenblass geworden war.
„Mit Euch alles in Ordnung, Mademoiselle? Wollte Euch der junge Mann belästigen?“
- „Nein, wo denkt Ihr hin, Monsieur… Wir haben uns nur unterhalten…“ erwiderte Constance. Warum stellte ihr denn der Unifomierte so eine Frage… Im gleichen Augenblick durchfuhr es sie wie ein Blitzschlag. Schwarzrot Uniformierte… Leibgardisten des Kardinals… nur ein paar Schritte von ihr entfernt…
Der Anblick der beiden genügte, um sie erneut an etwas zu erinnern. Der Wachposten sagte etwas zu ihr, aber sie hörte nicht seine Worte und seine Stimme, sondern eine andere.
„Ich vermisse sie… und nachdem Ihr ihr in gewisser Weise ähnlich seid… müsst Ihr sie ersetzen…“
„Ich bin ihr nicht ähnlich!“ rief Constance aus. „Wie auch?! Was habt Ihr vor?!“
Sie trat ein paar Schritte zurück.
„Das wagt Ihr nicht…“
Für sie hatte sich in dem Moment die Umgebung verändert. Sie sah sich nicht mehr auf dem Marktplatz gegenüber von schwarzroten und einem jungen Mann aus der Gascogne…
„Mademoiselle?! Ist wirklich alles in Ordnung?“ rief D’Artagnan besorgt. „Mademoiselle?!“
- „Was?... Was ist?!“ Constance blinzelte ein paar Mal. Vor ihrem Auge nahm wieder der Marktplatz von Paris Gestalt an, ihr Gegenüber wurde wieder zu dem schwarzrot Uniformierten und neben ihm stand D’Artagnan, der sie besorgt ansah.
„Oh… ja, natürlich. Ich habe nur gerade an etwas denken müssen.“ beeilte sie sich zu antworten.
„Ihr habt gerade gar nicht gut ausgesehen… kann ich Euch alleine weitergehen lassen?“
Diese Frage stellte einer der Kardinalswachen.
„Ähm, ja. Kümmert Ihr Euch doch besser um den Herrn, der Pomme de Terre stehlen wollte, ich komm’ schon alleine zu Recht“, beeilte sich Constance zu antworten. „Adieu, Messieurs.“
Sie hob ihren Korb auf, der auf den Boden gefallen war und stürmte regelrecht davon. Das war wieder so ein schrecklicher Anfall von Realitätsverlust gewesen… aber jetzt war alles wieder gut. Sie würde ihre Einkäufe machen und dann in den Louvre zurückkehren. Ihr Leben ging weiter, egal was geschehen war. Und irgendwann würde sie darüber hinweg kommen…



- - Zehn Jahre früher- -




Schließlich fand ich mich in einer Kutsche wieder, zusammen mit den Schwarzroten. Sie htten mir inzwischen erklärt, dass wir nach London fahren würden.
Und den Namen sollte ich eigentlich aus dem Grund tragen, da ich es eigentlich Seiner Eminenz zu verdanken hatte, dass ich nicht einfach nur aus dem Land gejagt wurde wie andere Verbannte, sondern es war ja etwas in Bezug auf mich organisiert worden.
„Und was passiert jetzt mit mir, wenn wir in London sind?“ wollte ich wissen. Ich wollte endlich ein paar Antworten haben.
„Erste Überlegungen gingen dahin, Euch bis zur Volljährigkeit in ein Internat oder Kloster zu stecken, aber da England ein protestantisches Land ist, hat der Kardinal das nicht für besonders angebracht befunden.
Ihr werdet statt dessen dort in einer Familie untergebracht, die ursprünglich ebenfalls verbannt wurde. Sie hat es aber inzwischen geschafft, hier in England Rang und Namen zu erhalten und verkehrt auch am englischen Hofe. Es hätte Euch also wirklich schlechter treffen können,… Madame de la Fère.“
Jetzt hatten sie mich zwar mit meinem eigentlichen Namen angesprochen, aber natürlich klang das ebenso verächtlich wie als Richelieu ihn ausgesprochen hatte.
„Und wie kommt das?“ fragte ich neugierig.
Eine Familie, die verbannt worden war und es in England so weit geschafft hatte.
„Was denn? Dass sie es so weit geschafft haben? Die hatten viel Glück… die richtigen Freunde gefunden und von ihrer Vergangenheit haben sie auch nicht so viel gesprochen, … was ich Euch übrigens auch nicht unbedingt empfehlen würde.“
Ich konnte nur den Kopf schütteln.
„Als ob ich jedem meine Lebensgeschichte erzählen würde. Die interessiert ohnehin niemanden…“
„Stimmt. Wen interessiert es schon, dass Ihr den Kardinal verführt habt“, versetzte der eine Uniformierte und der andere lachte schon wieder. Der fand das ganze wahrscheinlich unheimlich komisch.
„Das habe ich nicht!“ widersprach ich.
- „Vielleicht hat sie das wirklich nicht“, erwiderte der zweite Wachposten scheinbar ernst. „Vielleicht war es ja auch umgekehrt und sie war das Opfer in dem Verfahren…“ fuhr er dann fort und jetzt war es der andere, der lachte. „Das glaubst du nicht wirklich, oder?“ – „Natürlich nicht…“
Ich hoffte nur, dass die Fahrt nicht mehr allzulang dauern würde. Ich hasste diese beiden Wachposten einfach. Warum war es mir nicht so gegangen wie anderen Verbannten? Warum nur hatten mich die Wachen im Hafen nicht einfach mit meinem Gepäck stehen- und meinem Schicksal überlassen?
Fast wünschte ich mir, ich wäre gezwungen worden, mich selbst durchzuschlagen. So stand ich wohl für alle Ewigkeit in der Schuld des Kardinals. Wenn ich vielleicht irgendwann nach Ablauf der Frist zurückkehrte, würde ich mir sicherlich irgend etwas anhören müssen…
„Es hätte Euch viel schlimmer treffen können, Madame… Ihr solltet mir dankbar sein…“
So oder so ähnlich würde er es bestimmt sagen. Und vielleicht würde ich sogar gezwungen werden, ihm meine scheinbare Dankbarkeit zu beweisen… dann würde das ganze wieder von vorne beginnen…
Oder auch nicht. Zwanzig Jahre sind eine lange Zeit. Wer weiß schon, ob Richelieu überhaupt so lange leben wird? Und warum soll er sich denn nach so langer Zeit noch an eine sechzehnjährige Verbannte interessieren? Ich war sicherlich nicht der einzige Fall…
Mir fiel etwas anderes ein. Seine letzten Worte an mich:
„Das werde ich Euch erklären, wenn Ihr zurückkehrt. Eines noch - wenn Ihr einmal nicht weiter wisst… ich bin schuld an dem ganzen Durcheinander, deshalb werde ich Euch unterstützen, so gut es geht, wenn Ihr mir Bescheid gebt... Ihr seid nicht irgendeine Verbannte, glaubt mir.“
Ich bin nicht irgend eine Verbannte… was sollte das nur heißen?
Eigentlich wollte ich gar nicht mehr darüber nachdenken. In zwanzig Jahren wusste er doch bestimmt nicht mehr, was er gesagt hatte Ich schaute nach draußen, erste Eindrücke meiner neuen Heimat. Und als ich so nach draußen sah, fasste ich einen Entschluss. So gut es ging, würde ich meine Unabhängigkeit bewahren.
Ich wusste nicht, wie weit es nach London war, aber mit jedem Kilometer, den wir zurücklegten, steigerte sich meine Unruhe ins Unermessliche. Die Wachen die mich begleiten mussten, waren dazu übergegangen, mich zu ignorieren und etwas später schliefen sie sogar nacheinander ein. Ich hing weiterhin meinen Gedanken nach, dachte abwechselnd an die Vergangenheit, meine momentane Lage und die Zukunft.
Irgendwann musste ich aber auch eingeschlafen sein – das nächste an das ich mich erinnerte, war, dass wir vor einem vornehmen Haus angehalten hatten und die zwei Schwarzroten wieder deutlich wacher als vorher noch auf der Fahrt mein Gepäck eine breite Auffahrt hinaufschleppten. Wir waren wohl in meinem neuen Zuhause angekommen.
Es regnete gerade wieder einmal, das „typische englische Wetter“, wie es die Schwarzroten während der Fahrt einmal ausgedrückt hatten, und meine Laune sank wieder rapide. Ankunft bei Regen brachte immer Unglück…
Nachdenklich stieg ich aus und ging die Auffahrt hinauf zu den Uniformierten..
„Ach, da hat die Madame sich woh endlich ausgeschlafen“, bemerkte der eine Schwarzrote.
- „Als ob Ihr die ganze Zeit wach gewesen wärt“, erwiderte ich ungehalten. Jetzt waren wir wohl am Ziel, da hatte ich auf einmal wieder Mut, mich gegen irgendwelche dummen Sprüche zu wehren. „Und jetzt verlange ich zu wissen, wo wir genau sind.“ fügte ich hinzu.
Im gleichen Moment trat eine ältere Frau auf mich zu.
„Das kann ich dir auch beantworten, mein Kind“, antwortete sie an Stelle der Leibwache und in einem so freundlichen und familiären Ton als würde sie mich schon ewig kennen. Sie erinnerte mich sofort an Grandmère. In ihrem Französisch schwang zwar ein Akzent mit, aber das wunderte mich nicht.
Immerhin lebte sie wohl schon mehrere Jahre in England, wenn das zutraf, was die Schwarzroten mir erzählt hatten, und sicherlich kam es nur noch sehr selten vor, dass sie Französisch sprach.
„Du bist doch Anne de Breuil, nicht wahr ?“ erkundigte sie sich dann noch bei mir.
Wer soll ich denn sonst sein? Wen habt Ihr schon erwartet? ging es mir durch den Kopf. Anne de la Fère oder Anne de Richelieu?! Was war dieser freundlichen Person eigentlich über mich erzählt worden, weshalb ich verbannt war und bei ihr leben musste?
„Ähm… in gewisser Weise stimmt das“, gab ich ihr Recht. Meiner Meinung nach trug ich trotzdem immer noch Athos’ Familiennamen und den Titel der Gräfin de la Fère – immerhin hatte ich ihn geheiratet und obwohl er mich verstoßen hatte… eine offizielle Trennung oder Scheidung hatte es noch nicht gegeben…
„In gewisser Weise?“ wiederholte die Frau.
Die Schwarzroten, die mein Gepäck inzwischen über die Türschwelle ins Haus geschleppt hatten, sahen mich warnend an. Ich erinnerte mich an ihren Rat, nicht zu viel über mich zu erzählen. Für den Moment würde ich mich daran halten. Noch kannte ich die Frau zu wenig um ihr alles anzuvertrauen. Ich würde überhaupt vorsichtiger sein… ich hatte geglaubt, damals Nathalie alles erzählen zu können, aber ich hatte diesen Entschluss bitter bereut…
„Ja… für den Fall, dass einer Verbannten überhaupt erlaubt ist, ihren alten Namen zu behalten“, fand ich nach ein paar Sekunden bangen Schweigens noch eine gute Ausrede.
„Das ist es zwar“, gab mir die Frau Recht, „aber vielleicht willst du irgendwann gar nicht mehr an dein Heimatland erinnert werden. Wir haben alle englische Namen angenommen… Ich bin Beatrice Murdoch, früher Jeanne de La Rochelle. Du wirst die nächsten Jahre bei uns wohnen. Herzlich willkommen in England… genauer gesagt in London!“
Jeanne de La Rochelle… Ich dachte angestrengt nach. Sagte mir dieser Familienname etwas? Nein, mir fiel nichts zu dem Schicksal dieser Familie ein. Ich wusste nur, dass La Rochelle eine Festungsstadt etwa hundert Kilometer von Paris entfernt war. Wahrscheinlich waren die Ereignisse, die die Familie aus dem Land vertrieben hatten, schon sehr, sehr lange her…
Beatrice wandte sich an die Schwarzroten.
„Vielen Dank, dass Ihr sie hergebracht habt.“ – „Wir müssen uns bei Euch im Namen des Kardinals bedanken, dass Ihr Euch um sie kümmert“, bemerkte der erste der beiden Uniformierten. „Ab jetzt übernehmt Ihr, nicht wahr, Mylady? Unsere Mission ist erfüllt.“
„Ja, ist sie“, stimmte Beatrice ihnen zu. „Gute und sichere Rückreise. Und grüßt Seine Scheinheiligkeit recht herzlich von den La Rochelles…“
Die Schwarzroten machten ein Gesicht, als hätten sie sauere Milch getrunken. Hatte ich vorher noch gedacht, dass die Familienmitglieder inzwischen auf der Seite des Kardinals waren, merkte ich jetzt, dass das wohl nicht zutraf. Scheinheiligkeit. Wie passend. Dieser Ausdruck war mir auch eingefallen…
„Adieu, Mylady“, grüßten die beiden und wandten sich zum Gehen um.
Beatrice ignorierte sie und mir fiel ein, dass mir der Ausdruck, mit dem sie sie angesprochen hatte, sehr gut gefiel. Das klang nach etwas besonderem. Und wenn ich jetzt schon nicht mehr wirklich die Comtesse de la Fère war… vielleicht würde ich irgendwann eine englische Milady sein…
„Willkommen in deinem neuen Zuhause, Anne“, fuhr Beatrice fort und trat mit mir in die Eingangshalle des Hauses. „Ich führe dich etwas herum und dann zeige ich dir dein Zimmer, wenn du nich von der langen Fahrt müde bist… Und wenn die anderen wieder da sind, wirst du an der ersten englischen Teestunde deines Lebens teilnehmen.“
Mir fehlten die Worte. Wie nett sie war… ich würde mich bestimmt sehr wohl fühlen… Meinen Vorsatz, meine Unabhängigkeit zu bewahren, verwarf ich im nächsten Moment. Es war doch schön hier. Warum also kämpfen? Und dem Kardinal würde ich zu Recht dankbar sein. Dachte ich, er wollte wieder mein Leben zerstören, hatte ich mich geirrt. Die Verbannung war keine Strafe… sondern ein neuer Anfang von etwas…




- - Gegenwart - -





Genau einen Tag, nachdem Constance das erste Mal D’Artagnan begegnet war, war Milady de Winter an der Promenade Royale angekommen, der Straße, in der sich sowohl der Louvre als auch einige hundert Meter die Straße hinunter auch der Palais de Cardinal befand. Um dort vorbeizusehen, dafür war es soweit sie annahm, schon etwas zu spät, deshalb war sie gleich zum Louvre gegangen.
Ihr Herz schlug etwas schneller. Bis jetzt war sie immer mit dem Kardinal und Rochefort hergekommen und hatte immer durchgehen können, aber heute war sie auf sich allein gestellt. Würden die Musketiere am Eingang sie erkennen und durchlassen? Vorsorglich hatte sie die Aufhebung des Verbannungsbeschlusses mitgebracht, aber das half auch nicht wirklich weiter.
Dieser fürchterliche Rochefort… alles war nur seine Schuld… hätte er sie mit nach Paris genommen wie es sich der Kardinal gedacht hatte, hätte sie nicht diese Schwierigkeiten gehabt. Langsam ging sie die Stufen zum Hauptportal hinauf und überlegte. Wenn sie nicht passieren durfte, würde sie eben zum Kardinalspalast zurückgehen und dort warten.
Wenigstens hatte sie bis jetzt niemand aufgehalten, vielleicht würde sie es ja schaffen…
Sie hatte die oberste Treppenstufe erreicht und schon passierte doch das, was sie befürchtet hatte.
„Wo soll es hingehen, Madame?“ fragte ein blaugolden Uniformierter und trat in ihren Weg.
- „Ich bin Milady de… Madame de Rochefort“, erwiderte Milady schnell. Sicherheitshalber wählte sie ihre Tarnidentität.
„Ach, Ihr seid das? Milady de Winter?“ Der Musketier klang überrascht.
Milady verstand die Welt nicht mehr. Woher wusste der denn…?! War das einer der beiden Musketiere, die immer mit Athos unterwegs gewesen waren? … Nein, er sah keinem der beiden ähnlich. Aber irgendwie kam er ihr bekannt vor... woher denn nur… ihr fiel es nicht ein.
„Ja… Woher wisst Ihr…“
- „Ich war mal bei den Kardinalswachen, wurde aber auf Anordnung Seiner Majestät zu den Musketieren versetzt.“ erklärte der Musketier. „Es hat in letzter Zeit einige Auseinandersetzungen zwischen Seiner Eminenz und Seiner Majestät gegeben, deshalb. Aber ich kenne Euch noch aus meiner Zeit im Kardinalspalast… Ist schon eine Weile her, nicht wahr?“
„Ungefähr drei Monate, richtig“, erwiderte Milady. Jetzt wusste sie auch, wer ihr Gegenüber war – die Kardinalswache, die meistens mit Sébastien Marineaux zusammen gleichzeitig Dienst gehabt hatte und ihr auch immer freundlich gesinnt war.
„Schön, dass Ihr wieder zurück seid, Milady“, bemerkte der Uniformierte jetzt, „dann wird vielleicht endlich wieder alles normal…“ - „Was soll das denn bedeuten?“ Milady war irritiert.
„Ihr werdet es denke ich bestimmt bald herausfinden.“ Ihr Gegenüber trat zur Seite. „Ihr könnt durchgehen. Ich nehme an, Ihr wollt zu Seiner Eminenz?“
Milady nickte.
„Dann lasst Euch nicht aufhalten. Aber einen guten Rat noch. Wundert Euch über nichts.“
- „Was soll das denn schon wieder heißen?“ fragte Milady. Waren denn hier alle übergeschnappt geworden? Sie nickte dem Musketier und ehemaliger Kardinalswache grüßend zu und setzte dann ihren Weg zum Arbeitszimmer des Kardinals fort. Ein Lied ging ihr durch den Kopf:
Die alten Wege geh ich neu, stolzer als zuvor… ich bin zurück – für alle Zeit…

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Beitragvon ChristineDaae » 25.01.2008, 16:51:46

Der neue Teil ist wirklich toll geworden! :D Gefällt mir sehr gut. :)
Und die Schreibblockade geht bestimmt bald vorbei. :)
Freue dich, wenn es regnet – wenn du dich nicht freust, regnet es auch.
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Beitragvon Sisi Silberträne » 26.01.2008, 15:43:22

Whoa, so ein langer Teil *staun* wobei der interessanteste natürlich der aus Annes Sicht ist :) Davon bitte mehr mehr mehr :D

Nette Idee die Paris-Szene auch unterzubringen. Bei meiner Story fällt das ja alles im Vorhinein weg...
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Beitragvon MiladydeWinter » 02.02.2008, 00:29:59

So jetzt komm ich auch endlich mal wieder dazu weiter zu lesen.. (sorry das ich so lang gebraucht hab :oops: )

Beide Teile gefallen mir wieder sehr gut.. Aber wie immer natürlich der Gegenwartsteil etwas besser...

Die arme Constance. Ich ahne schreckliches. Was hat der Fießling ihr blos angetan...

Jedenfalls sehr schöne Idee die Paris Szene so zu beschreiben.

Bin auch gespannt wies weiter geht und warum der Musketier meint dass Milady sich wegen nichts wundern soll..

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Beitragvon Marie Antoinette » 06.02.2008, 21:21:09

Danke ihr drei... :D *knuffel*

@Milady und Sisi: Was ist denn jetzt besser? Gegenwart oder Vergangenheit? :wink:

@Christine: Hatte die letzten paar Tage ein paar Ideen, mal sehen was aus denen wird...

So, und jetzt gehts doch schon weiter...

---------------------------------------------------------------------------

19: „Männer….“


Nachdenklich warf Kardinal Richelieu einen Blick in die Papiere vor sich auf dem Schreibtisch. Das konnte doch alles nicht wahr sein. Erst brachte Rochefort so schlechte Nachrichten von seinem Abstecher nach Calais mit zurück in die Hauptstadt, und jetzt auch noch so etwas, kurz vor Weihnachten… Was ärgere ich mich eigentlich? Ich habe mir das selbst zuzuschreiben…
Im gleichen Moment wurde die Tür aufgerissen, aber der Kardinal sah kaum auf. Das waren bestimmt wieder nur irgendwelche Schwarzroten oder Rochefort, der ihn wegen irgend einer Nichtigkeit stören musste, vielleicht wieder wegen einem Duell mit den Musketieren… würde das überhaupt mal ein Ende nehmen?
„Werdet Ihr mich wohl auf der Stelle loslassen?! Was soll das denn, um Himmels willen?“ hörte er eine ihm nur zu bekannte Stimme. Aber Rochefort hatte doch gesagt, sie wäre nicht… „Eure Eminenz?“
Er legte das Schriftstück auf die Seite und sah doch auf. Er hatte Recht gehabt. Sie war es. Ihre roten Haare schienen im Sonnenlicht, das durch die Fensterfront hinter dem Schreibtisch fiel, zu schimmern, sie trug ein dunkelblaues Kleid und um den Hals die Kette mit dem Anhänger, den er ihr geschenkt hatte.
„Milady de Winter!“ rief er verwundert aus. „Ihr hier?“
- „Welch liebenswürdiger Empfang, Eure Eminenz…“ erwiderte Milady spöttisch. „Da habe ich gedacht, Ihr erwartet meine Rückkehr und jetzt muss ich mich schon wieder mit diesen unmöglichen Schwarzroten herumärgern…“
„Lasst sie auf der Stelle los und verschwindet! Alle beide!“ befahl Richelieu den Wachen.
Jetzt hatte er wenigstens eine gute Gelegenheit, seine schlechte Laune an jemandem auszulassen.
„Zu… zu Befehl…“ stotterte der eine eingeschüchtert. Er war zwar schon eine Weile bei den Leibwachen des Kardinals, aber an diese plötzlichen Wutanfälle hatte er sich immer noch nicht gewöhnt. Der andere folgte dem Befehl und verbeugte sich. „Entschuldigt, Eure Eminenz… wir wussten nicht, dass sie…“ – „… dass Ihr sie erwartet…“ schloss sich der erste an.
„Wagt es noch einmal, sie so zu behandeln! Dann gibt es gewaltige Schwierigkeiten!“ fuhr der Kardinal fort. „Und jetzt… verschwindet endlich! Und sorgt dafür, dass wir nicht gestört werden.“
Die Uniformierten verbeugten sich jetzt beide und hatten es dann ganz offensichtlich eilig, wegzukommen.
Milady hatte das ganze amüsiert beobachtet. Es hatte sich gar nichts geändert. Es war ihr zwar seltsam vorgekommen, dass auf dem Gang vor dem Arbeitszimmer nur die zwei Wachen direkt vor der Tür gestanden waren und sonst keine, aber sonst war ihr noch nichts aufgefallen, was der Musketier und ehemaliger Leibgardist des Kardinals vor dem Haupteingang gemeint haben konnte von wegen, sie sollte sich über nichts wundern.
„Man merkt, dass bald Weihnachten ist“, bemerkte sie, als die Wachen die Tür regelrecht zuschlugen mit einem deutlichen Anfall von Ironie in der Stimme, „es ist auf einmal so viel friedlicher als zu der Zeit, als ich weggefahren bin…“
Richelieu antwortete nicht auf Anhieb. Er stand erst auf und ging auf sie zu.
„Es freut mich, Euch zu sehen, Lilie meines Herzens“, bemerkte er, nahm ihre Hand und küßte sie. Milady dachte sich ihren Teil. Eigentlich wäre es doch umgekehrt richtig… aber warum sollte sie sich auch darüber wundern… das war doch alles nur zu verständlich. „Welch erfreuliches, weil unverhofftes Wiedersehen…“
Unverhofft?!“ wiederholte Milady verwundert. „Aber Ihr habt doch gemeint, ich sollte…“
- „Rochefort hat gemeint, Ihr wärt nicht dagewesen, als er in Calais angekommen ist“, erklärte Richelieu, „deshalb habe ich nicht mehr damit gerechnet, dass Ihr meinem Vorschlag Folge leistet und rechtzeitig vor Weihnachten nach Paris zurückkehrt…“
„Stehenlassen hat er mich doch!“ Milady wurde wütend, als sie nur daran dachte. „Er hat mich in der Herberge getroffen, dort mich aller Ruhe meine Neuigkeiten berichten lassen, dann hat er gemeint ich sei nach wie vor verbannt und er würde selbst nach Paris fahren, um Euch von den Geschehnissen auf der Insel in Kenntnis zu setzen…“
Der Kardinal klang überrascht, als er fragte:
Ihr habt das alles herausgefunden?“
- „Ja, wer denn sonst? Das war meine Aufgabe… Woher sollte Rochefort denn davon wissen? Der kann doch immer nur ein Auge offen halten, um was Interessantes in Erfahrung zu bringen…“ konnte sie sich einen Seitenhieb auf den Hauptmann der Leibgardisten nicht verkneifen. Dann fiel ihr etwas anderes ein. „Ach bevor ich es vergesse, Eure Eminenz… vielen Dank dafür, dass Ihr Euch in meiner Sache doch bei Seiner Majestät dem König eingesetzt habt. Ich war sehr erleichtert, als ich die Nachricht bekommen habe, dass die Verbannung aufgehoben wird.“
Sie sagte immer noch die vollständige förmliche Anredeformel. Immerhin ging um eine für sie ziemlich ernste Angelegenheit. Da wollte sie unbedingt die Distanz wahren, ob sie jetzt inzwischen alleine waren oder nicht. Wer wusste schon, ob vielleicht gleich jemand auftauchen würde.
„Das war eine Selbstverständlichkeit, Milady de Winter“, erwiderte der Kardinal ebenso förmlich.
„Ich weiß“, erwiderte sie selbstsicher. „Nachdem Ihr schon von Rochefort wisst, dass Krieg mit England droht, habe ich Euch übrigens noch etwas anderes mitzuteilen, das zweifelsohne von Belang für Euch sein dürfte…“
„Und das wäre?“
Zu Miladys Verwunderung ging Richelieu wieder an den Schreibtisch zurück und setzte sich.
Ich weiß ich sollte mich über nichts wundern, dachte Milady bei sich an die Worte des ehemaligen Schwarzroten der jetzt Musketier war, aber das ist doch seltsam. Er verhält sich fast so, als wäre nie etwas gewesen… abgesehen davon dass er mich einmal so genannt hat wie nur er es macht… Da muss ich mir was einfallen lassen.
Sie überlegte kurz, dann ging sie auf den Schreibtisch zu und blieb hinter dem Kardinal stehen. Richelieu sah sie verwundert an.
„Wirklich ein erfreuliches Wiedersehen, ich habe mir das alles irgendwie etwas anders vorgestellt…“ murmelte sie enttäuscht, „… da frage ich mich wirklich, ob alles in Ordnung ist…“ – „Natürlich. Und jetzt sagt mir, was habt Ihr denn sonst noch so wichtiges herausgefunden?“ Er ließ sich nicht aus der Ruhe bringen. Im Gegenteil. Er hatte den Blick wieder von ihr abgewendet und sah erneut konzentriert in eines der Dokumente.
„Dass sich der Herzog von Buckingham in Frankreich befindet“, erwiderte Milady jetzt doch schon früher als geplant. Wegen irgendetwas schien er schlecht gelaunt zu sein, da waren vielleicht ein paar gute Nachrichten angebracht.
Sie hatte nämlich am Morgen bevor sie nach Paris weitergefahren war, in der Wirtsstube des Monsieur Chagall für einen kurzen Moment den Herzog von Buckingham und seinen komischen Diener James gesehen. Er war offensichtlich auch im Aufbruch gewesen und sie war schnell wieder die Treppe in ihr Zimmer heraufgelaufen, bevor er sie entdecken konnte.
Richelieu reagierte nicht auf Anhieb, dann sah er jedoch wieder von den Dokumenten auf und fragte überrascht:
„Der Herzog von Buckingham? Seid Ihr Euch dessen gewiss?“
- „Natürlich“, erwiderte Milady unbeirrt, „ich habe ihn mit eigenen Augen gesehen…“
„Er Euch auch?“ stellte der Kardinal eine Gegenfrage.
- „Selbstredend nicht!“ Milady hoffte dies zumindest. Sie war sicher schnell genug gewesen.
„Das habt Ihr gut gemacht, Milady de Winter. Gott wird es Euch lohnen.“
Was soll das denn jetzt schon wieder?! So eine merkwürdige Antwort zu geben…
„Gut möglich“, erwiderte sie scheinbar eingeschnappt. „Aber ich kann doch davon ausgehen, dass auch Ihr mich nicht vergessen habt?“ Sie sah ihn vielsagend an. „Ihr wisst, worum es mir geht…“
„Ach stimmt… da war ja noch etwas…“ Richelieu hörte sich so an, als hätte er das für einen Moment gar nicht bedacht. „Eine ungerechtfertigte Verurteilung und ein ebensolches Brandmal…“ Er sah sie nachdenklich an und sprach dann weiter. Mit dem, was er sagte, hatte sie allerdings nicht gerechnet.
„Ich dachte, wir werden uns diese Möglichkeit besser noch eine Weile offen halten… Euer Auftrag ist nämlich noch lange nicht beendet.“
„Was?!“ Milady verstand die Welt nicht mehr. „Aber ich habe nicht vor… Ihr habt doch gesagt… und nach allem was gewesen ist, da habe ich gedacht.. Mein Auftrag ist noch nicht erfüllt? Und wann denn?!“
„Dass der Premier von England hier ist, ist mein Verdienst. Ich hatte die Königin veranlasst, ihn einzuladen… Wer hätte gedacht, dass das so einfach wird… jetzt müssen wir nur noch abwarten, bis er in Paris eintrifft…. Ihr werdet Buckingham dann festnehmen lassen. Ich gebe Euch Rochefort und sechs meiner Männer mit. Ihr lauert ihm auf und bringt ihn in den Kardinalspalast.“
„Und dann bekomme ich endlich den Brief, der mich von meinem Makel reinwäscht?!“
Milady war verärgert. Über ihn, aber auch über sich selbst. Sie hatte keinen Grund mehr, sich zu wundern. Sie glaubte, den Kardinal durchschaut zu haben. Er hatte ihr doch etwas vorgespielt. Die ganze Zeit schon. Kein einziges Wort hatte er ernst gemeint – und sie war wieder so bescheuert gewesen und war darauf hereingefallen.
Ich bin so eine dumme Gans, schalt sie sich selbst, ich habe mich gar nicht verändert… und er auch nicht… er weiß wirklich nicht, was Liebe ist… aber eines muss ich ihm lassen: Er hat sich wieder einmal gut verstellt. Ich habe ihm das alles abgenommen…
War das wirklich die Erklärung? Das konnte doch nicht sein.
„Es reicht mir!“ Richelieu schlug so kräftig auf den Tisch, dass sie zusammenfuhr. „Ich habe genug von den ständigen Anmaßungen einer…“
„… einer Frau?“ unterbrach ihn Milady mit einem Anflug von Sarkasmus. „Auch Ihr verdankt Euer Leben einer Frau. Aber das scheint Ihr wieder einmal zu vergessen. Genauso wie die Tatsache, dass wir .. alle… Menschen sind!“
Sie wartete eine Antwort des Kardinals gar nicht mehr ab, sondern hatte es jetzt ziemlich eilig, wegzukommen. Schnell verließ sie das Zimmer und rannte den Gang wieder hinunter. Die beiden Wachposten, die sie vorhin aufgehalten hatten, sahen ihr verwundert nach, sagten jedoch nichts.
In ihrer Aufregung achtete sie gar nicht darauf, wohin sie lief. Als sie um eine Ecke bog, stieß sie plötzlich mit jemandem zusammen.
„Entschuldigt vielmals“, murmelte Milady, „ich habe nicht aufgepasst…“
Derjenige, den sie übersehen hatte, trat einen Schritt zurück und erwiderte für ein paar Sekunden gar nichts. Sie hob den Blick. Ihr Gegenüber sah sie verwundert an.


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