Mich trägt mein Traum

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Ophelia
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Mich trägt mein Traum

Beitragvon Ophelia » 18.04.2014, 17:34:53

Hier eine neue FF, eine frei erfundene Geschichte von einem Mädchen, deren geheimer Traum es ist, Musicaldarstellerin zu werden. Finanzielle Probleme und ein geringes Selbstbewusstsein stehen ihr schon lange im Weg, bis sie einen Anlauf wagt und Gesangsstunden nimmt...
(Ich komme mit der TdV-FF nicht wirklich weiter, ich merke dass es mir wirklich schwer fällt, nach Vorlagen zu schreiben... Hoffe, diese Geschichte kommt an, Fortsetzungen folgen stückweise, ich habe schon einige unstrukturierte Ideen. Falls jemand liest und Wünsche/Vorschläge hat, was mit Anouk passieren soll - nur zu, ich bin sehr dankbar für "Fremde" Einfälle ;))
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Ich starrte auf die Blätter und versuchte verzweifelt zu verstehen, was die Noten mir sagen wollten. Aber was für andere wie Musik klang, war für mich einfach nur eines: schwarze Tinte auf Papier. Wie kleine Käfer wuselten die Noten durch die Zeilen, und obwohl ich sie sah, verstand ich sie nicht. Wütend zerknüllte ich das Papier und schleuderte es in den Papierkorb. Es war zum Verzweifeln. Wie viele Internetseiten und Onlineklaviere hatte ich schon durchgekaut, ohne Erfolg zu haben? „Wir sind die unmusikalischste Familie Deutschlands“, sagte meine Mutter immer. „Und ich bin so froh, dass ich euch nie auf eine Musikschule geschickt habe. All das Üben und Geklimper… Und von Noten verstehe ich sowieso nichts.“
Ich malte einen langen, schwarzen Strich auf die Schreibtischunterlage. Ich redete mir gern ein, dass es ihre Schuld war. Dass mir die Noten ihretwegen vorkamen wie Buchstaben einem Analphabeten. Und dass ihr Verhalten ausschlaggebend dafür war, dass ich meine größte Leidenschaft seit nunmehr zwei Jahren ganz für mich allein behielt.
Natürlich hatten es schon einige bemerkt, meine Schwester, meine Nachbarn (na ja, unfreiwillig). Sogar meiner Mutter konnte es gar nicht entgehen, dass ich gerne sang. Schließlich tat ich den lieben langen Tag kaum etwas anderes.
Aber ich wollte mehr. Ich wollte Gesangsunterricht haben, ich wollte Theater spielen, ich wollte tanzen… Anfangs hatte ich versucht, mir diese Wünsche auszureden. Wie viele junge Menschen bewarben sich jährlich an renommierten Schulen – und wie viele wurden genommen? Ich hatte nicht die geringste Chance.
Einmal hatte ich eine Probestunde Gesangsunterricht nehmen können. Und hätten wir Geld, hätte ich sofort damit weitergemacht.
Aber so… Du musst sie fragen, sagte ich mir. Diese Geheimnistuerei muss ein Ende haben! Diese verdammte Ausbildung zur Krankenpflegerin war längst nicht mehr das, was ich wollte. Und meine Noten sagten das nur zu deutlich!
Im Flur hörte ich das Klirren des Schlüssels im Schloss. Kurz darauf das Rascheln und Klirren von vollen Einkaufstüten. Mein Herz machte einen Salto und schlug doppelt so schnell, wie noch gesund war. Jetzt!, dachte ich. Mit weichen Knien stand ich auf und öffnete die Türe. Meine Mutter stand mit dem Rücken zu mir und schälte sich aus ihrer Jacke. Auf dem Kragen schmolzen winzige Schneekristalle.
„Hallo“, sagte ich.
„Hallo“, erwiderte sie steif. Kein guter Tag. Ich half ihr, die Einkäufe in die Küche zu bringen und auszuräumen.
„Ich muss dir etwas sagen“, begann ich. Sie drehte sich um und sah mich an. Rote Augen. Sie hatte geweint. Meine Fragen verflüchtigten sich in den hintersten Winkel meines Gehirns.
„Ist etwas passiert?“ Ich hörte, wie meine Stimme zitterte. (Mama schlug mir einmal vor, ich solle zum Radio gehen. Sie sagte, ich habe eine schöne Stimme…)
„Nichts wichtiges.“ Ihr Ton strafte sie Lügen. Ich nahm ihr die Konservendosen aus der Hand, mit denen sie spielte.
„Was ist passiert?“, wiederholte ich. Sie ließ sich auf den Küchenstuhl sinken und kämpfte mit den Tränen. „Ich bin gefeuert“, sagte sie kläglich.
„Scheiße“, murmelte ich. Sie schniefte leise und nahm meine Hände. „Mach dir keine Gedanken, Anouk. Die Zeitung ist voll von Annoncen. Ich werde in Null Koma Nichts etwas neues finden.“ Sie bemühte sich wirklich, die Sache klein zu reden. Ich war wie erstarrt. „Also? Was wolltest du mir sagen?“
Ich starrte sie kurz sprachlos an. Ja, was? Dann fiel es mir wieder ein. Mir wurde heiß.
„Nichts“, sagte ich. „Hab’s schon wieder vergessen.“
Sie lächelte. „Dann kann’s nicht so wichtig gewesen sein.“
Ich rang mir ein Grinsen ab. „Stimmt.“

***

Etwa zwei Wochen später trat ich erneut eine Probestunde Gesangsunterricht an. In meinem Dilemma hatte ich Höhen und Tiefen, und während ich in den Tiefen heimlich heulte und Flyer von angesehenen Schulen zerriss, gab ich mich in meinen Höhen Tagträumen hin und informierte mich über Kosten verschiedener Unterrichtsangebote.
Die städtische Musikschule hatte Werbung in unserem Briefkasten hinterlassen. Ich steckte ihn ein, als ich die Post holte, und machte einen Termin aus. Meiner Mutter erzählte ich, ich müsse für eine Projektarbeit länger in der Schule bleiben.
Ich war sehr aufgeregt. Ich trug meinen besten Pullover, meinem abwegigen Zwang nachgehend, selbst bei der kleinsten Kleinigkeit gut auszusehen. Auf dem Weg zur Musikschule hörte ich ein Dutzend Mal die beiden Lieder, die ich vorbereitet hatte, und als ich die Frau am Tresen sah und ihr mitteilte, ich habe einen Termin, hatte ich ein unangenehmes Engegefühl in der Kehle.
„Herr Bertelin erwartet Sie in Raum A3. Hier links den Gang runter, zweite Tür rechts.“
Es gefiel mir nicht, wie sie „Herr Bertelin“ sagte. Manche französische Namen verdienen es, auch in Deutschland mit Monsieur angesprochen zu werden, und dieser war so einer. Ich folgte ihrer Wegbeschreibung und fand die Tür zu Raum A3 offen. Schüchtern trat ich ein. Es war ein leerer, großer Raum. Grauer Teppichboden, weiße Wände. In der Mitte stand ein abgewetztes Klavier, und dieser Bertelin saß dahinter und bemerkte mich nicht. Ich stand ein paar Sekunden schweigend da, zu aufgeregt, um irgend etwas zu sagen. Schließlich holte ich tief Luft. „Hallo?“, sagte ich kläglich. Er sah auf.
Ich werde sein Gesicht wohl nie vergessen können. Hätte mir damals jemand gesagt, dass dieser Mann meinen Weg für mich ebnen, mein Leben in Ordnung bringen und meine kühnsten Wünsche erfüllen würde – ich hätte ihm nicht geglaubt.
Aber als Bertelin – wie ich ihn später immer nennen würde – mich ansah und lächelte, wusste ich es noch nicht. Er war vielleicht fünfzig, hatte schwarzgraues Haar und trug einen dunklen Pullover. Sein Gesicht war freundlich und auf eine seltsame Art gütig.
„Hallo, Anouk. Ich bin Claus Bertelin.“
„Ich weiß.“ Claus. Ich hätte gedacht, er hieße Auguste oder irgend einer von diesen altmodischen, edlen Herrennamen. Das hätte besser gepasst als das alberne Claus.
„Wärst du so freundlich, die Türe zu schließen“, sagte er. „Und deine Sachen kannst du hier ablegen.“ Er zog einen Stuhl vor das Klavier, auf dem eine Menge Papierkram lag, den er mit einer ungeduldigen Handbewegung auf den Boden wischte. Ich starrte kurz verdutzt auf das Chaos, dann legte ich meine Jacke und Tasche auf den Stuhl und blieb unschlüssig stehen.
„Und dann kannst du dich dort vor das Klavier stellen… Genau.“ Er sah mich gespannt an. „Was führt dich zu mir?“
„Hm. Ich möchte singen“, sagte ich. In diesem Augenblick kam ich mir ziemlich dämlich vor. Erst später sollte ich erfahren, dass ich Bertelin an jenem Tag sehr gerührt hatte.
„So, tatsächlich.“
„Ja.“ Ich fand, dass er zu belustigt klang, und wollte mich und meinen Wunsch verteidigen. „Ich singe sehr gerne“, sagte ich, mit dem Mut der Verzweifelten, „aber ich habe kein Geld, um mir Stunden leisten zu können. Ich bin nur hier, weil ich wissen will, ob ich weitermachen soll. Ich will Ihre Meinung hören.“
Er stützte das Gesicht in die Hände. „Sing mir etwas vor“, sagte er. Ich wurde wieder nervös.
„Und was?“
„Irgendwas. Was dir am besten gefällt.“
„Okay.“ Ich starrte vor mir auf den Boden. Ich versuchte, mich an alle Tipps zu erinnern, die ich je gelesen hatte. Ich schob die Zweifel beiseite. Das Nur für mich ging mir ganz flüssig über die Lippen, ganz ohne Stolperer. Ich sang es ganz durch, ohne einmal zu stocken, und meine Stimme verriet nichts von dem Durcheinander in meinem Innern. Es war wie ein Rausch, aus dem man nie wieder erwachen wollte.
Als ich geendet hatte, brach die Realität über mich herein. Ich war wieder unsicher und schüchtern und wollte mich irgendwo verkriechen. Ich hab’s versaut, dachte ich panisch, ich habe mich lächerlich gemacht. Bertelin sah mich an, mit nachdenklich geschürzten Lippen, und sagte nichts.
Was ich rette, geht zu Grund
Was ich segne muss verderben
Nur mein Gift macht dich gesund
um zu leben musst du sterben

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Re: Mich trägt mein Traum

Beitragvon Gaefa » 19.04.2014, 13:44:05

Eine sehr schöne Geschichte hast du da angefangen. Mir gefällt dein Schreibstil und man fiebert mit deiner Protagonistin mit! Ein bisschen erinnert sie mich an die Protagonistin in meiner Geschichte, die eine ähnliche Situation am Anfang auch meistern musste.
Die Anspielungen zwischendurch gefallen mir gut und du hälst damit den Leser bei der Stange - wie geht es weiter? Was sagt er, wie ermöglicht er ihr es, ihren Weg zu gehen? Ich bin gespannt und würde mich auf eine Fortsetzung sehr freuen!
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Re: Mich trägt mein Traum

Beitragvon Ophelia » 19.04.2014, 16:17:42

Danke für die liebe Kritik :handgestures-thumbupright:
Gaefa hat geschrieben: Ein bisschen erinnert sie mich an die Protagonistin in meiner Geschichte, die eine ähnliche Situation am Anfang auch meistern musste.

Ohne Absicht - ich gestehe, dass ich von deiner Geschichte kaum was gelesen hab :oops:

Gaefa hat geschrieben: Ich bin gespannt und würde mich auf eine Fortsetzung sehr freuen!

Hier ist sie auch schon.

Zeitsprung: Drei Tage später
Ich spielte Mariokart und überholte gerade auf Platz eins, als mein Handy klingelte. Erst wollte ich es klingeln lassen (Yoshi war mir gefährlich nah auf den Fersen), aber ein kurzer Blick auf das Display stimmte mich um. Fahrig drückte ich den Pausenknopf und nahm das Handy ans Ohr.
„Ja?“, sagte ich atemlos.
„Spreche ich mit Anouk?“, fragte eine vertraute Frauenstimme – die Dame am Tresen.
„Ja.“
„Sie haben vor drei Tagen eine Probestunde absolviert; haben Sie Interesse an einer Weiterführung des Gesangsunterrichts?“
Ich starrte gegen die Decke. Das hatte ich schon einmal durchmachen müssen.
„Tut mir leid, ich würde sehr gerne. Aber ich habe es durchgerechnet“ – eine glatte Lüge–„und es haut im Moment einfach nicht hin.“ Um das zu wissen, musste ich nicht mal rechnen können. „Vielleicht werde ich in ein paar Monaten noch mal anrufen, wenn ich mehr Geld habe.“ Die übliche Ausrede. Ich würde vermutlich nie wieder dort anrufen.
„Oh, in Ordnung. Soll ich einen Termin für Sie frei halten?“
„Nein, danke. Ich… melde mich. Auf wiedersehen.“ Ich hielt das ganze Theater nicht mehr aus und legte auf. Um mich abzulenken, griff ich nach dem Nintendo, aber ich hatte wohl nicht richtig auf den Pausenknopf gedrückt – alle waren schon im Ziel und ich stand tatenlos auf der Fahrbahn. Wütend schaltete ich das Ding aus und schloss die Augen. Tränen stiegen auf und drohten überzulaufen, als plötzlich wieder mein Handy klingelte. Gereizt sah ich auf die Nummer. Musikschule. Ich runzelte die Stirn. Hatte ich irgendetwas falsches gesagt? War sie sauer, weil ich so plötzlich aufgelegt hatte? Ich seufzte und nahm ab.
„Ich bin dran“, sagte ich resigniert.
„Hallo, Anouk, ich bin es wieder.“ Die Dame am Tresen. „Tut mir leid, wenn ich Sie noch einmal störe, aber Sie haben so schnell aufgelegt…“ Sie klang ein wenig erstaunt. „Ich weiß, Sie haben sich gegen unseren Unterricht entschieden, und natürlich akzeptieren wir das, aber es besteht die Möglichkeit für Sie, ein Angebot zu - “ Es rauschte und knackte, als ob sich jemand am Telefonhörer zu schaffen machte. Ich hörte die Dame laut protestieren und eine tiefe Stimme ungeduldig erwidern. „Bis Sie auf den Punkt kommen, bin ich eingeschlafen!“ Erneutes Rauschen, ein Klacken.
„Anouk, was Fräulein Lieblich dir sagen möchte, ist folgendes.“ Es war Bertelin. „Da es deine Finanzen offenbar gar nicht zulassen, unseren Unterricht zu bezahlen, sehe ich mich gezwungen, dir kostenlose Stunden zu geben. Einmal die Woche eine dreiviertel Stunde. Passt es dir donnerstags?“
Ich war völlig perplex. „Soll das ein Scherz sein?“, fragte ich.
„Keineswegs. Ich habe heute einen schlechten Tag.“
„Oh. Hm. Also… Donnerstag ist immer gut. Aber - “
„Sehr schön. Dann sehen wir uns also heute in einer Woche.“
„Ja, aber - “
„Bereite bitte noch ein Lied vor, irgendwas, was dich gut charakterisiert. Die Stunde beginnt um halb fünf.“ Er legte auf, ohne sich zu verabschieden, was irgendwie typisch für ihn war. Ich drückte mechanisch den roten Hörer und ließ das Handy in meinen Schoß sinken. Er hatte mir gar nicht zugehört. Warum sollte er ausgerechnet mir Gratisstunden geben? Aus Mitleid? Das war sehr seltsam, aber die einzig denkbare Antwort. Es machte mich fast wütend, dass er so ein Mensch war. Dass er Träume aus Mitleid erfüllte. Ich hatte ihn ganz anders eingeschätzt. Je mehr ich darüber nachdachte, desto wahrscheinlicher erschien mir meine Vermutung. Schließlich hatte er nach meinem Nur für mich lediglich mit dem Kopf genickt und "Danke" gesagt. - Danke! Hieß das in der Fachsprache so etwas wie "Schön, dass du's wenigstens versucht hast"? Aufgebracht ging ich in mein Zimmer und schlug die Türe zu. Die Entscheidung war gefallen, ehe ich richtig darüber nachgedacht hatte: ich würde zu der vereinbarten Stunde gehen. Aber nicht, um zu üben. Ich werde ihm sagen, dass ich nicht aus Mitleid Unterricht will, dachte ich trotzig.
Aber ein Lied werde ich trotzdem vorbereiten. Vorsichtshalber…
Was ich rette, geht zu Grund
Was ich segne muss verderben
Nur mein Gift macht dich gesund
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Re: Mich trägt mein Traum

Beitragvon Eponine Thénardier » 19.04.2014, 23:18:29

Mir gefällt deine Geschichte auch sehr gut, besonders, weil man sich durch deinen Stil und deine Schilderungen gut in Anouk hineinversetzten kann und automatisch mitfühlt. Besonders mag ich, dass - obwohl es viel darum geht, dass sie sich nicht traut - es Momente gibt, in denen ich als Leser einfach schmunzeln musste, z.B., als sie über den Namen ihres Gesangslehrers nachdenkt (Claus ist wirklich ein lustiger Name :)) oder sie erzählt, dass ihr bei Mariokart Yoshi auf den fersen ist. :)
Der Ton, in dem du die Geschichte erzählst, macht einfach Lust auf mehr, also ... mehr!! :clap:
"IF LIFE WERE MORE LIKE THEATRE, LIFE WOULDN'T SUCK SO MUCH!" (Opening der Tony Awards 2012)

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Ophelia
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Re: Mich trägt mein Traum

Beitragvon Ophelia » 20.04.2014, 11:12:35

Hier gibt es mehr. Und weil Ostern ist, hab ich sogar ein paar EIer versteckt. Ein paar sind bunt, viele aber nicht - wer findet alle? ;)


Fräulein Lieblich war sehr kurz angebunden, als ich mich schüchtern bei ihr meldete. Sie sagte nur, „Raum A3, wie letztes Mal. Und wie jedes Mal, übrigens.“ Ich schätze, sie war sauer wegen Bertelins ruppiger Art, und weil sie als Sekretärin Professionalität walten lassen musste, war sie stattdessen auf eine verdrehte Art sauer auf mich.
Ich ging also zu Raum A3. Die Türe stand offen, aber es war niemand da. Zögernd stellte ich meine Tasche neben dem Klavier ab. Das Papierchaos war immer noch da; es schien, als habe sich niemand die Mühe gemacht, die Blätter einzusammeln. Ich durchquerte den Raum und sah aus der Fensterfront, die die ganze Querseite des Zimmers einnahm. Von hier aus konnte man auf einen kleinen, modernen Innenhof sehen; ein paar Bänke, wenige Bäume, viel Bodenbeleuchtung. Ich stellte mir vor, wie es wäre, nachts hier Klavier zu spielen, während von unten das Licht heraufstrahlte. Es gab bestimmt ein schönes Bild ab.
Die Uhr an der kahlen Wand tickte leise. Ich schob mich auf den Klaviertasten und drückte ein bisschen auf den Tasten herum, nur aus Langeweile.
„Du solltest dich ans Singen halten, das klingt besser.“ Bertelin schubste die Türe zu; mit einem lauten Rumpeln schloss sie sich. Ich stand auf. Er sah mich an.
„Warum so unglücklich? Ich dachte, du freust dich, endlich Unterricht zu haben?“ Er klang unbefangen, als mache er nur einen Scherz. Ich holte tief Luft.
„Ich will diese Stunden nicht“, sagte ich. Er ließ seine Tasche, die er bis dahin wie ein Baby auf den Armen getragen hatte, auf den Boden sinken und sah mich perplex an.
„Ich bin nicht hergekommen, um mir ein paar Gratisstunden zu… erbetteln. Ich weiß, wann ich gefördert werde, weil ich Talent habe, und wann ich den Mitleidbonus bekomme.“ Atemlos hielt ich inne. Bertelin hatte mit unbewegtem Gesicht zugehört; jetzt setzte er sich langsam auf den Klavierhocker und verschränkte die Arme vor der Brust. Die Stille im Raum war unerträglich. Ich war mir unerträglich.
„Du denkst, ich unterrichte dich, weil du mir leid tust? Da irrst du dich. Weißt du, wie viele Schüler es gibt, die auf den Wartelisten stehen? Die darauf warten, endlich diesen freien Platz zu bekommen?“ Er sah mich fragend an. Ich schüttelte den Kopf. „Sehr viele. Aber ich habe mich für dich entschieden. Nicht wie du mir leid tust. Weiß Gott“, er schnaubte, „ich habe schon schlimmere Geschichten gehört.
Ich will dir jetzt etwas sagen, und ich möchte, dass du mir gut zuhörst. Du hast zwei Möglichkeiten: entweder, du versteckst dich weiter und redest dir ein, dass du zu schlecht bist für diese Welt. Dann solltest du deine Tasche nehmen und verschwinden, denn diese Papiere dort auf dem Boden sind Anmeldeformulare, die bestätigt werden wollen. Oder aber du bleibst hier, stellst dich vor dieses Klavier und trägst mir das Lied vor, das du aussuchen solltest.“ Er sah mich an. „Also?“
Es war ihm ernst. Sehr ernst. Eine Weile starrte ich vor mich hin, ohne zu wissen, was ich wollte. Tausend Gedanken drängten sich in meinen Kopf. Heute kann ich nur noch erahnen, was damals in mir vorgegangen sein mochte. Ich erinnere mich nicht mehr. Dann drehte ich mich langsam um und stellte mich vor das Klavier.
„Sehr schön. Also“, er lächelte wieder dieses lustige Herren-im-mittleren-Alter-Lächeln, „was darf ich diesmal hören?“
Mich trägt mein Traum. Aus Mamma Mia.
„Singst du gern Musicals?“
„Ja.“ Noch war nicht die Zeit, um ihm meine Wünsche zu verraten. So weit konnte ich ihm noch nicht trauen…
„Soll ich dich auf dem Klavier begleiten?“ Er kannte das Lied. Bestimmt war er Abba-Fan. Kurz stellte ich ihn mir mit langen Haaren und knalligen Schlaghosen vor. Aber weil ich beinahe lachen musste, konzentrierte ich mich auf seine Frage.
„Äh, nein, Lieber nicht. Aber bekomme ich diesmal eine richtige Kritik?“ In meinem Magen begann es zu kribbeln. Echte Gesangsstunden! Ich hatte echte Gesangsstunden, und zwar nicht aus Mitleid!
Er lachte. „Ja, diesmal schon. Und wenn du willst, dass sie gut wird, solltest du dich anstrengen.“
„Okay.“ Ich atmete ein paar Mal tief durch. Versuchte wieder, mich ganz und gar auf die Melodie und besonders den Sinn dieses Liedes einzulassen. Er hatte gesagt, ein Lied, das meinem Charakter entsprach… Dieses Lied war so eines. Es handelte von einem Traum, davon, dass man Vertrauen haben musste. Und auch, wenn dieses Vertrauen bisher nur ein winziger Samen gewesen war: Bertelins Einwilligung in kostenlose Stunden hatte ihm Wärme und Wasser gegeben, und nun brach er plötzlich auf und trieb Früchte, kleine, grüne Keimlinge, aber es war nicht mehr bloß ein nackter, einsamer Samen, eingesperrt und begraben.
Das Lied erfüllte mich mit dieser Wärme, die er mir gegeben hatte, und als ich geendet hatte, öffnete ich die Augen und sah ihn zufrieden Lächeln. Mein Herz machte einen gewaltigen, erwartungsvollen Sprung.
„Und?“, fragte ich, etwas atemlos.
„Ich bin überrascht“, erwiderte er. „Anouk, bitte setz dich.“
Dankbar ging ich zu dem Hocker, auf den er zeigte, und setzte mich. Meine Knie waren immer noch butterweich vor Freude und Aufregung.
„Ich mache es kurz“, begann er, diesmal ernst und sachlich, aber auf eine positive Weise. „Deine Stimme hat großes Potential. Ich fürchte nur, darüber bist du dir gar nicht im Klaren. Wenn ich dich singen höre, dann habe ich das Gefühl, dass du nicht bloß singst, was leider viel zu oft geschieht, sondern dass du es auch denkst und verstehst. Du singst nicht mit dem Mund, sondern mit dem Herzen.“
„Und… hört es sich dabei auch gut an?“, fragte ich. Er lachte.
„Sehr. Deine Stimme hat einen hohen Wiedererkennungswert, und wenn wir an ihr arbeiten, wenn wir an deiner Technik arbeiten, dann kann ich mir gut vorstellen – nein, ich weiß es – dass du eine tolle Sängerin sein wirst.“
Ich starrte verlegen auf meine Hände und lächelte. Das musste ein Traum sein. Ja, ein Traum – wie sonst konnte es möglich sein, dass mein best behütetes Geheimnis so gelobt wurde?
„Eines möchte ich wissen, Anouk“, fuhr er fort. Ich sah auf. „Warum machst du diese Gesangsstunden?“
Ich sah ihn an. Ich wusste, es war verrückt, aber ich traute mich einfach immer noch nicht, ihm meinen Wunsch zu gestehen. Ich will Musical-Darstellerin werden, dachte ich. Aber ich sprach es nicht aus. Auch, wenn seine Augen das Versprechen gaben, mich zu verstehen und zu unterstützen.Aber ich hatte das Gefühl, meinen Wunsch auszusprechen wäre, wie eine schützende Mauer einzureißen – zwar gewann man einen Blick nach vorn, aber auch Unsicherheit, Schwierigkeiten und vielleicht Enttäuschungen.
„Ich mag es, zu singen“, antwortete ich nach einer langen Pause. „Ich arbeite gern an meiner Stimme und würde es gern besser können.“
„Nun, dann wollen wir doch direkt damit anfangen“, erwiderte Bertelin. Aber sein Gesicht sagte mir, dass er mich durchschaut hatte.
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Re: Mich trägt mein Traum

Beitragvon Gaefa » 20.04.2014, 12:50:12

Hui du bist ja richtig produktiv, das ging schnell mit den Fortsetzungen. Ich freu mich für Anouk! Ich hoffe, sie kommt ihrem Traum dadurch ein gutes Stück näher. Kurze Frage: Wie alt ist sie? Wenn sie schon ne Ausbildung macht, ist sie ja schon etwas älter oder? Also keine 15 mehr. Sind dann ihre Befürchtungen vielleicht auch (oder die von iwem, dem sie es später mal erzählt), dass sie "viel zu spät" angefangen hat?
Ich freu mich auf Fortsetzungen!
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Re: Mich trägt mein Traum

Beitragvon Ophelia » 20.04.2014, 14:58:40

Naja, irgendwie muss man sich ja vorm Lernen drücken :oops: Aber das waren die Teile, bei denen ich nur bestehende Ideenfetzen zusammensetzen musste. Jetzt muss ich mir wirklich was neues einfallen lassen ;)
zur Altersfrage: sie ist 17. Sie traut sich nur nicht jemandem von ihrem Berufswunsch zu erzählen, weil sie denkt, dass der Gedanke direkt "runtergemacht" wird. Sie behält es für sich, weil sie ja nie eine Chance hat. Denkt sie... Fortsetzung folgt bald ;)
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Re: Mich trägt mein Traum

Beitragvon Ophelia » 21.04.2014, 19:35:48

So, schon das nächste. Im Moment geht's wirklich schnell. Am liebsten würde ich direkt alles posten, aber dann ist ja die Spannung weg... ;) Aber soviel sei gesagt: Anouk ist nun auf Erfolgskurs!


„Wann hast du vor, deiner Mutter von den Stunden zu erzählen?“
Ich hörte auf, meine Notenblätter zu sortieren, und sah Bertelin erschrocken an. Er stützte sich auf den Klavierdeckel.
„Wirklich, Anouk. Ich kenne deine Mutter zwar nicht, aber ich glaube kaum, dass sie dir den Kopf abreißen will. Warum sollte sie auch? Jede Mutter wäre stolz darauf, eine Tochter mit einem so wundervollen Hobby zu haben.“ Er sah mich wieder so forschend an, als er Hobby sagte. Ich schätze, er hatte mich damals schon in unseren ersten gemeinsamen Stunden durchschaut.
„Ich weiß.“ Ich fuhr fort, meine Notenblätter und Liedtexte einzuräumen, als er mir plötzlich einen Flyer zuschob.
„Unsere Schule tritt einmal im Monat im Weinberg auf.“ Das Weinberg war ein Restaurant ganz in der Nähe. „Falls du es ihr nicht so sagen möchtest, lade sie einfach ein. Das ist zwar fast schon filmreif, aber ich verspreche dir, dass sie so überrascht und stolz sein wird, dass sie dir gar nicht böse sein kann. Kennst du den Film Fame? Da ist es genau so.“
Ich nahm den Flyer und sah ihn mir an. „Sie meinen, ich soll da auftreten?“
„Allerdings. In der letzten Gruppenstunde warst du wunderbar. Wenn du möchtest, trage ich dich ein. Wir studieren einen Song ein, und du wirst alle beeindrucken.“
Ich dachte kurz nach. Sein Vorschlag hatte tatsächlich seinen Reiz. „In Ordnung.“
„Und du lädst deine Mutter ein. Sonst tue ich es.“
Ich musste grinsen. „Okay. Ich mach’s“, versprach ich.

Auf dem Weg nach Hause wurde mir mulmig zumute. Ich hatte bisher noch nie vor Publikum gesungen. Was, wenn meine Stimme vor Aufregung versagte? Wenn ihnen meine Stimme gar nicht gefiel oder ich den Text vergaß? Ich blätterte gedankenverloren durch meine Mappe. Wenigstens waren Noten keine leblosen Käfer mehr für mich. Als Bertelin herausgefunden hatte, dass ich keine einzige Note lesen konnte, hatten wir mehrere Wochen damit verbracht, sie mir mühselig beizubringen. Ich hatte immer noch Schwierigkeiten, aber es klappte immer besser. Ich dachte daran, was er mir gesagt hatte. Er hatte Recht – ich musste dringend mit meiner Mutter reden. Und sie einfach ins kalte Wasser zu schubsen, ersparte mir ein möglicherweise kritisches Gespräch mit ihr.
Schon fast zwei Monate hatte ich nun Gesangsunterricht. Mama arbeitete den ganzen Tag – sie hatte einen Job in irgendeinem Discounter. Wenn sie nach Hause kam, war sie müde und gestresst von den Kunden und legte sich sofort ins Bett. Sie bekam so nicht mit, wie ich für mich übte. Aber sie konnte auch kaum mit mir reden. Ich lade sie ein, beschloss ich. Ich sage einfach, es ist mir wichtig, dass sie kommt. Musste nur noch ein passendes Lied her…
Zuhause ging ich meinen Walkman durch. Es gab viele Titel, die ich gerne singen würde, aber viele kamen mir zu klassisch oder zu schwierig vor. Schließlich stieß ich auf ein Lied, dass ich vor langer Zeit sehr gerne gesungen hatte – What I did for love aus A chorus line. Ich mochte den Song. Manchmal stellte ich mir vor, wie ich ihn auf einer Aufnahmeprüfung für eine Schule sang; es war sehr melodramatisch, denn der Song erzählt davon, dass man, auch wenn man nicht weiterkommt, nichts bereut von dem, was man für seinen Wunsch getan hat. Ich beschloss, Bertelin eine Nachricht zu schreiben, damit er Bescheid wusste.
Und dann hieß es wohl üben und warten.

Der Tag des Auftritts kam schneller, als mir lieb war. Ich hatte meiner Mutter den Flyer gegeben und ihr gesagt, dass es dringend sei. Sie versprach zu kommen, wenn auch sehr verwundert und misstrauisch.
Eine Stunde vor Auftritt kam ich im Weinberg an. Es war gut besucht. Die Bühne lag gähnend leer und ein wenig verloren im Raum, und ich bekam ganz weiche Knie vor Aufregung. Die Gäste schenkten mir keine Beachtung, als ich mich zwischen den Tischen hindurchschob. Ich fragte mich, was sie getan hätten, wenn sie wüssten, wer ich war. Vielleicht hätten sie mich erwartungsvoll beobachtet oder mir viel Glück gewünscht. Oder die Köpfe zusammengesteckt und getuschelt und geraten, welches Lied ich wohl singen würde und ob ich auch gut war.
Hinter der Bühne war eine winzige Garderobe. Ich kam als letzte an; alle anderen waren schon da. Zwei Mädchen und einen Jungen kannte ich, aber die beiden anderen Jungen waren mir fremd. Heute weiß ich schon nicht mehr, wie sie hießen.
Wir begrüßten uns, alle mehr oder weniger nervös, und sangen uns ein. Ich fühlte mich etwas verloren, auch wenn wir gelegentlich miteinander sprachen. Kurz vor dem ersten Auftritt kam Bertelin. „Ich habe deine Mutter erkannt“, sagte er, zu mir gewandt. „Sie hat die gleichen Haare und dieselbe Nase.“
„Wo sitzt sie?“
„Ziemlich weit hinten. Du wirst sie im Licht gar nicht sehen können.“
„Oh, okay. Das ist auch besser so.“ Ich hüpfte ein wenig auf der Stelle, um das unangenehme Kribbeln in meinen Beinen nicht zu spüren. Bertelin wünschte uns viel Erfolg. Dann begann der Auftritt. Er sagte uns kurz ein, eine einstudierte Rede, die er wohl immer hielt, machte ein wenig Werbung für die Schule. Ich fragte mich, ob meine Mutter schon etwas ahnte.
Der erste betrat die Bühne. Er sang irgendeinen Popsong. Das Publikum klatschte und lachte, einige pfiffen.
Ich erinnere mich kaum mehr an meinen ersten Auftritt. Alles ist sehr verschwommen, denn die Aufregung an diesem Abend war übermächtig. Ich weiß nur noch, wie es sich anfühlte, dort oben zu stehen und zu singen, alle Blicke auf mir, das Gefühl, alles vergessen zu können, wenn ich nur tief genug im Lied versank… Und ich erinnere mich, wie meine Mutter nach dem Auftritt auf mich wartete, vor dem Restaurant. Sie sagte nichts, nahm mich einfach in den Arm. Irgendwann sagte sie: „Ich bin sehr stolz auf dich. Warum hast du mir nur nichts gesagt?“ Und ich beichtete ihr meine Zweifel und meine heimlichen Stunden, und dass sie kostenlos waren. Nur davon, dass ich zum Musical wollte, sagte ich nichts. Das wäre wohl eine Nummer zu viel für sie geworden.
Was ich rette, geht zu Grund
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Re: Mich trägt mein Traum

Beitragvon Gaefa » 22.04.2014, 09:30:53

Schöner Teil! Nun ists endlich raus. Ich freu mich für sie, dass ihre Mutter so gut reagiert hat und bin gespannt, wie sie zum Musical kommt ;)
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Re: Mich trägt mein Traum

Beitragvon Ophelia » 22.04.2014, 13:32:46

Schön, dass du weiterliest :) Hier der nächste Teil.

Einige Tage später, es war an einem Samstag, las ich das erste Mal von den städtischen Musicalwochen. Ich hatte bisher noch nie davon gehört und wunderte mich darüber, denn laut dem Artikel gab es sie schon seit einiger Zeit, und das sehr erfolgreich. Ich überflog den Artikel, dann las ich ihn noch einmal genauer, um ganz sicher zu gehen.
Gemeinsam mit der städtischen Musikschule wird auch dieses Jahr das erfolgreiche Projekt der Musicalwochen fortgesetzt. Hierfür werden ab dem 02.Mai (Dienstag) Darsteller zwischen 15 und 25 Jahren gesucht. Bewerben kann sich jeder, Erfahrungen in der Musikbranche sind nicht zwingend vorausgesetzt. Minderjährige sollten allerdings das Einverständnis ihrer Eltern mitbringen.
Auf Nachfragen der Redaktion, um welches Musical es sich dieses Jahr handele, konnte der Organisator der Veranstaltung, Oliver Pohl, bereits Auskunft geben: „Wir freuen uns sehr, auch dieses Jahr diese seit bereits 11 Jahren bestehende Tradition fortsetzen zu können. Besonders im letzten Jahr erzielten wir mit unserer Jugendproduktion von Chicago einen großen Erfolg. An den wollen wir anknüpfen. Daher fiel unsere Wahl auf das bekannte Broadway-Musical Wicked – Die Hexen von Oz. Es stellt uns vor eine große Herausforderung (…), der wir uns aber gemeinsam mit unseren Sängerinnen und Sängern stellen können.“

Ich warf einen Blick auf den Kalender. Der zweite Mai war bereits übernächste Woche. Ein wenig kopflos rief ich den Link auf, den die Zeitung neben dem Artikel abgedruckt hatte, und landete auf einer schlichten, aber ansprechend gestalteten Seite. Musicalwochen, stand da in großen, geschwungenen Buchstaben. Ich überflog die Texte. Für das Casting wurden zwei Songs gefordert, laut der Seite würde eine Entscheidung bereits direkt nach dem Vorsingen getroffen werden. Wer es durch alle drei Durchgänge – das Casting, eine zweite engere Auswahl und ein Vorsingen ausgewählter Songs des Musicals – schaffte, war dabei. Ich druckte das Anmeldeformular aus und schickte Bertelin eine Mail mit dem Seitenlink.
Wir müssen dringend proben, schrieb ich.

Bertelin freute sich sehr über meine Entscheidung, bei dem Musical mitzumachen. Er setzte bereits für die nächste Woche vier zusätzliche Probestunden an, um mich auf das Casting vorzubereiten.
„Auf welche Rolle hast du es denn abgesehen?“, fragte er.
„Ich weiß nicht genau“, erwiderte ich. „Natürlich wäre Elphaba toll, aber… Ich freue mich, wenn ich es ins Ensemble schaffen sollte.“
Er schüttelte den Kopf. „Anouk, wann wirst du endlich anfangen, an dich zu glauben?“, fragte er, und es klang fast schon resigniert. Dann raffte er sich wieder auf. „Also, hast du schon Songs ausgesucht? Wenn nicht, ich habe hier einen ganzen Stapel, der sich eignen würde…“
Die Proben waren anstrengend. Ich setzte mich furchtbar unter Druck. Auch, weil meine Mutter dem ganzen sehr kritisch gegenüberstand.
„Was ist mit der Schule?“, fragte sie. „Für das Musical wird doch sicher viel geprobt?“
„Ja, aber das klappt schon“, versicherte ich ihr. „Es ist ja nicht mal gesagt, dass ich es überhaupt schaffe.“
Schließlich unterschrieb sie die Einverständniserklärung, aber man konnte ihr deutlich anmerken, dass sie meine Zuversicht nicht teilte. Ich hatte also einen doppelten Ansporn, ins Ensemble aufgenommen zu werden.
Der Tag des Castings kam schneller, als mir lieb war. Meine furchtbaren Zweifel meldeten sich wieder, auch wenn meine ausgewählten Songs – Irgendwo wird immer getanzt aus Mozart und mein sicherstes Lied, Nur für mich – bombensicher saßen.
Das Casting fand in einem kleinen, etwas abgelegenen Theater statt. Am Kartenstand musste ich meinen Namen nennen, bekam einen kleinen Zettel in die Hand gedrückt und ein aufgesagtes „Viel Erfolg“ mit auf den Weg. Das Foyer, das direkt dahinter lag, war winzig klein und sehr voll. Und sehr laut. Jugendliche und junge Erwachsene aller Art tummelten sich zwischen abgestellten Taschen, zerknitterten Notenblättern, mitgebrachten Instrumenten. Viele saßen nur herum, mit gesenktem Kopf und gefalteten Händen, andere gingen mit hektisch hin und her zuckenden Augen ihre Texte durch. Von überall her drangen Liedfetzen zu mir, am Fensterplatz rollten bereits Tränen. Die Luft war drückend und stickig. Aber das schlimmste war wohl das Mädchen, das sich neben der Garderobe einsang. Sie hatte eine Opernarie gewählt, ich erkannte sie wieder, und sie konnte so hoch singen, dass es beinahe schon unglaublich war. In jeder anderen Situation hätte ich ihr mit offenem Mund gelauscht, aber jetzt wollte ich sie einfach nur anschreien, endlich leise zu sein. Und damit war ich wohl nicht die einzige. Der Junge, neben dem noch ein paar Millimeter Bank frei waren, hatte Kopfhörer auf, aus denen irgendein schneller Beat drang. Um irgendetwas zu tun, steckte ich mir die Stöpsel meines Walkmans in die Ohren und hörte mir die letzten Aufnahmen von mir an, während ich gleichzeitig die Noten durchging. Es machte mich etwas ruhiger, auf meine Fehler zu lauschen und in die Texte zu kritzeln, wo ich auf was achten musste. Währenddessen ging die Tür zum Castingraum auf und zu, und eine gelangweilte Frau rief eine Nummer nach der anderen auf. Es gab viele, die weinten oder enttäuscht aussahen, aber auch beängstigend viele, die ihren Freunden oder Verwandten glücklich um den Hals fielen.
Irgendwann, als meine Nummer immer näher rückte, saß ich einfach nur noch da, starrte vor mich hin und dachte Oje, oje, oje. Und versuchte, ruhig zu bleiben.
„Hey. Für wen singst du vor?“ Der Junge neben mir beugte sich vor. Er sah ganz nett aus. Und bewundernswert gelassen.
„Elphaba“, erwiderte ich. „Und du?“
„Fiyero.“ Er grinste. „Ich hoffe, ich werde genommen.“
„Ja, ich auch.“
„Nummer 137!“, rief die Frau. Ich sprang auf.
„Das bin ich.“ Oje, oje, oje…
„Viel Glück. Ich drück’ dir die Daumen.“
„Danke.“ Ich schulterte meine Tasche und betrat den Castingraum. Es war ein sehr kleiner Theatersaal. Auf der ebenerdigen Bühne war ein Tisch aufgebaut, an dem fünf Menschen saßen, zwei Frauen und drei Männer. Einer war sehr rund, ein anderer ziemlich dünn und lang. Eine der Frauen guckte furchtbar streng.
„Hallo, Anouk“, sagte der runde Mann. Auf seinem Namensschild stand Walter, das passte. Und ganz rechts konnte ich Oliver Pohl erkennen, den Organisator von allem.
„Hallo“, sagte ich und stellte meine Tasche ab.
„Bist du sehr aufgeregt?“, fragte Walter. Ich zog es kurz in Erwägung, zu lügen, aber man sah mir die Nervosität wahrscheinlich zu deutlich an.
„Ja, sehr.“
„Völlig grundlos.“ Er lächelte. „Such dir einfach aus, welches Lied du vortragen möchtest, und wir werden dir eine Kritik geben.“
„Und zwar nicht so eine, wie Dieter Bohlen“, ergänzte die streng aussehende Frau. Ich musste grinsen. „Okay. Okay…“ Ich schüttelte meine Arme aus. „Ich singe Irgendwo wird immer getanzt.“ Bertelin hatte gesagt, man sollte Risiken eingehen. Auch mal etwas singen, bei dem man vielleicht teilweise unsicher ist.
„Gut. Unser Pianist hat die Noten.“ Erst jetzt fiel mir der Mann auf, der etwas abseits an einem winzigen Klavier saß. „Sag Bescheid, wenn du so wie bist.“
„Bin ich.“
„Gut.“ Er nickte dem Pianisten zu, und er fing an zu spielen. Ich verpasste meinen Einsatz und stolperte über die ersten Zeilen.
„Oh nein, tut mir leid! So ein Mist.“ Ich merkte, dass ich knallrot wurde. „Darf ich noch mal anfangen?“
„Aber sicher. Keine Panik, Anouk.“
Der Pianist spielte wieder, und diesmal passte ich besser auf. Ich hatte trotzdem ein paar Holperer, einen kleinen Textfehler, der ihnen aber gar nicht entgehen konnte. Es war schwerer als sonst, sich auf das Lied einzulassen, vor allem, weil die Rolle, die es sang, so ganz anders war als ich. Aber nach dem Song konnte ich wieder jenes eigenartige Gefühl feststellen, dieses hineinstolpern in die Wirklichkeit. Als hätte ich geträumt. Oder wäre betrunken gewesen. Die Männer und Frauen vor mir tauschten Blicke, Gesten und stumme Wörter, dann nickten sie unisono.
„Wir würden gerne auch noch das andere Lied hören.“
Ich nickte. Der Pianist blätterte umständlich um und begann zu spielen. Ich fragte mich, ob er es eilig hatte. Er könnte mir ruhig ein Zeichen geben, wenn er anfing. Ich verhaspelte mich wieder direkt am Anfang, aber diesmal sang ich das Lied durch. Zwischen Eponines Zeilen fühlte ich mich wie immer sehr sicher, ich konnte ihre Gefühle spüren, ihre Verzweiflung. Ein Glück, dass ich dieses Lied ausgewählt hatte!
„Vielen Dank, Anouk.“ Diesmal war es Oliver Pohl, der sprach. „Ich kann nur für mich sprechen, aber ich schätze, meine Kollegen sehen es ähnlich: mir haben beide Lieder sehr gut gefallen. Es ist dir ziemlich gut gelungen, die Emotionen einzufangen.“
„Und auszudrücken“, ergänzte die Frau ganz links. „Deine Stimme ist sehr weich, aber ausdrucksstark, das gefällt mir.“ Sie sah die anderen an. „Ich würde gern mehr davon sehen.“
Die anderen nickten bekräftigend.
„Schön, Anouk, dann sehen wir uns morgen in zwei Wochen wieder.“ Er reichte mir einen neuen Zettel. „Wir hätten gerne noch ein neues Lied von dir, bitte keines von denen, die du heute vorgetragen hast.“
„Gut. Danke.“ Ich nahm meine Tasche und drückte das Blatt an mich. „Tschüss.“
„Wiedersehen, Anouk.“
Die Dame an der Tür rief bereits den nächsten auf, als ich an ihr vorbei ging. Der Junge von eben hielt mich zurück.
„Und?“
„Ich bin weiter.“
„Oh, toll! Wie sind die Leute da drin?“ Er sah besorgt aus.
„Ach, ganz nett.“ Ich war völlig durch den Wind. „Bis auf den Pianisten. Der ist schrecklich.“
„Mit so was hab’ ich Erfahrung“, entgegnete er grinsend. Ich hob die Hand zum Abschied, dann verließ ich das Theater. Draußen schien die Sonne, und meine Zukunft lag plötzlich vielversprechend vor mir.
Was ich rette, geht zu Grund
Was ich segne muss verderben
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Re: Mich trägt mein Traum

Beitragvon Gaefa » 22.04.2014, 14:33:35

Schöne Casting! Mir ist Anouk sehr sympatisch und ich freu mich, dass sie weiter ist! Interessant, dass sie da jemanden kennenlernt. Na, der kommt doch sicherlich auch weiter? *g* So haben sich die Protagonisten meiner Story auch kennengelernt :D
Die Liedauswahl gefällt mir übrigens sehr gut, ich mag beide Lieder total gern. Bitte bald weiter!
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Re: Mich trägt mein Traum

Beitragvon Ophelia » 22.04.2014, 18:22:16

Gaefa hat geschrieben:Schöne Casting! Mir ist Anouk sehr sympatisch und ich freu mich, dass sie weiter ist! Interessant, dass sie da jemanden kennenlernt. Na, der kommt doch sicherlich auch weiter?

Wer weiß... ;)
So, für heute noch ein kleiner Teil. Castingrunde 2:

In den nächsten Stunden konnte Bertelin mich kaum davon abhalten, jeden Wicked-Song nach und nach durchzuproben.
„Ich freue mich wirklich, dass du so zuversichtlich sein kannst“, sagte er trocken, als ich ihm die Noten unter die Nase hielt. „Aber bevor du diese Lieder singen kannst, musst du erst mal ins Ensemble aufgenommen werden.“ Er nahm mir die Blätter aus der Hand. „Also, was hältst du davon, das nächste Lied zu proben, und zwar so lange, bis zu es nie wieder hören kannst?“
Und so probten wir. Sehr lange. Jeden Tag. Aber es war nicht so, wie er sagte: das Lied, das wir gemeinsam ausgewählt hatten, ging mir zwar nicht aus dem Kopf, aber auch nicht auf die Nerven. Und so konnte ich mehr als gut vorbereitet eine Woche später die nächste Audition antreten.
Die Atmosphäre war diesmal eine völlig andere. Es war bedeutend leerer im Vorraum, aber auch bedeutend angespannter. Diesmal sang sich niemand ein. Die Opernsängerin war auch da, aber sie saß stumm auf der äußersten Stuhlkante und trippelte mit den Fingern auf der Tischplatte herum. Es war so still, dass man hören konnte, wie im Theaterraum vorgesungen wurde.
„Hallo, Elphaba.“ Der Junge von letzter Woche war wieder da und winkte mich zu sich. Als er Elphaba sagte, drehten sich alle Köpfe zu mir und glotzten mich an. Mit hochrotem Kopf ging ich zu ihm.
„Warum bist du am Dienstag so schnell verschwunden?“, fragte er.
„Warum nennst du mich Elphaba?“, entgegnete ich. Er grinste.
„Keine Ahnung. Vielleicht, weil ich gerne mit dir spielen würde?“
„Bist du so sicher, dass du ins Ensemble kommst?“
„Ich bin mir sicher, ich werde Fiyero sein“, entgegnete er etwas großspurig und hielt einen silbernen Streifen hoch. „Ich wette auf dieses letzte Kaugummi, dass es so sein wird.“
„Welche Rollen durftest du schon spielen, wenn dir Fiyero nur einen Kaugummi wert ist?“
Er blieb mir die Antwort schuldig, denn sein Name wurde aufgerufen. Er hieß Daniel.
„Wünsch mir Glück“, sagte er.
„Ich dachte, du kriegst die Rolle sowieso?“ Ich sah zu, wie er im Theaterraum verschwand, dann stützte ich den Kopf in die Hände. Nach einer Weile konnte ich ihn singen hören, Kein Kommen ohne Geh’n aus Elisabeth. Was bei mir ankam, klang tatsächlich sehr erfahren.
Als er aus dem Raum kam, kam ich nicht umhin, ihn zu fragen. „Und?“
Er zuckte mit den Schultern. „Sie schreiben eine Mail, wenn sie sich entschieden haben.“
„Oh.“ Ich war ein wenig enttäuscht. Wie lange würde es dauern, bis ich eine Antwort bekäme?
Daniel blieb bei mir sitzen, bis ich an der Reihe war, was ich sehr nett fand. Sein „Viel Glück“ klang diesmal aufrichtig und echt, und ich dachte, dass es tatsächlich schön wäre, mit ihm auf der Bühne zu stehen.
Die Männer und Frauen von letzter Woche waren wieder da. Wir begrüßten uns kurz, ich stellte meine Sachen ab und trank einen Schluck Wasser. Ich war wieder sehr aufgeregt.
„Was hast du uns heute mitgebracht?“, fragte die strenge Frau, die eigentlich gar nicht streng war.
Wenn es weiterregnet. Aus Rocky.
„Gut, sehr schön. Fang bitte an.“
Ich warf dem Pianisten einen kurzen Blick zu, und er begann zu spielen.
Bertelin hatte das Lied vorgeschlagen, ohne zu wissen, wie schwer es mir fiel, es zu singen. Ich hatte den Text durchgelesen, mit unbewegter Miene, und er hatte es einmal vorgespielt. Beinahe hätte ich gesagt, ich wolle ein anderes. Zu viele schlechte Erinnerungen kamen dabei hoch. Aber es war ein sehr schöner Song, und ich dachte, dass ein paar echte Emotionen gar nicht verkehrt sein konnten. Also sang ich das Lied. Gefangen in einem Strudel verschwommener Erinnerungen, Erinnerungen an ein wild klopfendes Kinderherz, Bilder im Schatten, an laute Stimmen und an Scherben. Führt mich weit zurück in eine and’re Zeit; Papas Wutausbrüche, Mamas stummes Leid…
Nach dem Lied war es einige Sekunden lang still. Das einzige Geräusch war das Rascheln meines Taschentuches, in dem verzweifelten Versuch, meine Tränen endlich zu trocknen. Ich bringe Bertelin um, dachte ich. Warum musste es ausgerechnet so ein doofes Lied sein? Ich hatte es verbockt. Ich hätte das Ganze lieber abbrechen sollen, statt es mit brüchiger Stimme zu Ende zu leiern.
„Tut mir leid, ich weiß auch nicht, was los ist“, sagte ich. Dabei wusste ich es genau.
„Du musst dich nicht für deine Gefühle entschuldigen.“ Das war Walter.
Das Ganze war mir furchtbar peinlich. Stumm griff ich nach meiner Tasche.
„Vielen Dank, Anouk. Wir werden dir eine Mail schreiben, wenn wir uns für oder gegen dich entschieden haben.“
„Ja. Wiedersehn.“ Geknickt verließ ich den Theatersaal. Daniel wartete auf mich, gut gelautn wie eigentlich immer. Als er mich sah, verging ihm das Grinsen.
„War es so schlecht?“
„Nein.“ Ich hatte keine Lust, mit ihm zu reden, aber er lief einfach neben mir her.
„Was ist passiert?“
„Ich hatte einfach ein doofes Lied“, entgegnete ich.
„Aber… du hast es dir doch selbst ausgesucht, oder?“, erwiderte er perplex. Genervt blieb ich stehen. „Ja, aber ich will nicht darüber reden, okay?“ Ich drehte mich um und verließ das Theater, und schon beim Hinausgehen hatte ich ein schlechtes Gewissen.
Was ich rette, geht zu Grund
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Re: Mich trägt mein Traum

Beitragvon Gaefa » 22.04.2014, 19:30:22

Oha, da kommen ja ganz neue Seiten zum Vorschein. Ich bin gespannt, was das noch gibt und hoffe, dass sie nach wie vor genommen wird. Leider kenne ich das Lied nicht, so dass mir einiges wohl nicht ganz so klar ist.
Ich hoffe, Daniel lässt sich nicht so schnell abwimmeln!
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Re: Mich trägt mein Traum

Beitragvon Ophelia » 23.04.2014, 15:33:00

Heute nur ein kleiner neuer Teil, dafür das nächste Mal mehr.

Sehr geehrte Frau Steger,
wir freuen uns, Ihnen mitteilen zu können, dass sie in das Wicked-Ensemble für die Musicalwochen 2014 aufgenommen sind. Ein Vorsingen für die endgültige Rollenvergabe ist für den 17.05. angesetzt. Bitte erscheinen Sie pünktlich um 17:15 Uhr im Probenraum des Jugendchores Tonleiter (Adresse beiliegend). Wir möchten Sie außerdem bitten, sich mit den mitgeschickten Liedern vertraut zu machen. Sollten Sie diese nicht mit dieser Nachricht erhalten, bitten wir um direkte Rückmeldung.
Mit freundlichen Grüßen,
Oliver Pohl
Leiter der Musicalwochen


***
Der Probenraum der Tonleiter war ein großer, leerer Saal neben einem Kindergarten. Aber heute, an einem Samstag, lag der Spielplatz langweilig und ohne Leben da. Ich betrat das niedrige, graue Gebäude. An Wände und Türen geklebte Zettel mit der Aufschrift Wicked und wegweisenden Pfeilen führten mich direkt in diesen Saal. Zwei Mädchen standen vor der geöffneten Türe, ohne einzutreten, und da es schon fast 17:15 Uhr war, ging ich an ihnen vorbei.
„Hallo, Anouk, schön, dass du da bist.“ Die Frau mit den braunen Haaren, die im Theater immer ganz links saß, kam auf mich zu und reichte mir die Hand.
„Ich bin Julia Braun, die Gesangsleiterin. Ich werde mir die Lieder, die du einstudieren solltest, anhören, und ein wenig mit dir daran feilen. Anschließend entscheide ich gemeinsam mit meinen Kollegen, welche Rolle dir zugeteilt wird.“ Sie dirigierte mich in die Mitte des Sales und schloss die Türe.
Während ich sang, stand sie die ganze Zeit neben mir oder ging um mich herum. Ab und zu drückte sie meinen Rücken etwas durch oder zog mich an den Schultern nach oben.
„Bei welchem dieser Lieder fühlst du dich wohler?“, fragte sie.
„Hm.“ Man hatte mir Heißgeliebt und Ich bin es nicht zugeteilt, zwei völlig unterschiedliche Songs. Und obwohl ich viel lieber die Elphaba spielen wollte, gefiel mir Heißgeliebt ausnahmsweise viel besser. So beantwortete ich auch Julias Frage.
„Dass du den Song jetzt singst, heißt ja nicht, dass du Glinda spielen musst“, erwiderte sie beruhigend. „Ich möchte nur ein wenig an deiner Technik und deiner Stimme arbeiten, um zu sehen, wie viel wir dir abverlangen können und wie lernbereit du bist.“
Wir arbeiteten etwa vierzig weitere Minuten an dem Lied, dann tauchte die nächste Kandidatin auf. Es war die Opernsängerin. Ich hatte angenommen, sie sei eingebildet und überheblich, aber an der Tür plauderten wir noch ein bisschen miteinander. Sie wollte wissen, was wir gemacht haben, und freute sich, dass wir ein gleiches Lied hatten. Ich fand sie sehr nett und dachte, dass sie eine tolle Glinda abgeben würde. Wobei ich nicht wusste, ob mich das freuen oder traurig machen würde.

Es dauerte ganze zwei Wochen, bis ich eine Rückmeldung von den Musicalwochen bekam.
In dieser Zeit sang ich zu Hause pausenlos Defying Gravity, übte das perfekte Wusch-Wusch vor dem Spiegel und machte Pro- und Contralisten für die Rollen von Elphie und Glinda. Resultat: Glinda hatte die schöneren Kleider, Elphie die besseren Songs. Ich war ziemlich froh, dass es nicht an mir lag, die Rollen zuzuteilen. Gleichzeitig versuchte ich, mir nicht allzu viele Hoffnungen zu machen. Gar nicht dabei zu sein, wäre eine gewaltige Enttäuschung für mich. „Nur“ als Ensemblemitglied mitzuwirken, wäre in etwa so wie den Heiligen Gral zu finden: es würde mich sehr stolz machen.
Wie gesagt, es dauerte zwei Wochen. Und die zogen sich. Meine Klassenkameraden, denen mein neues Hobby natürlich nicht entgangen war, waren mindestens so nervös wie ich und lagen mir jeden Tag mit tausend Fragen auf den Ohren. An Lernen war natürlich gar nicht zu denken.
Aber nach zwei Wochen war es soweit; diesmal kam der Bescheid per Post. In einem großen, braunen Umschlag. Mama brachte ihn mit, als sie von der Arbeit kam. Gemeinsam standen wir in der Küche und starrten stumm den Umschlag an, der vor uns auf dem Tisch lag. Es war ein bisschen wie in der Kirche – sehr andächtig.
„Mach ihn schon auf“, sagte sie und hielt mir einen Brieföffner hin. Mit zitternden Fingern schnitt ich den Umschlag auf. Es lag ein kleiner Packen Blätter darin, ganz zu oberst ein Brief.
Sehr geehrte Frau Steger,
hiermit bestätigen wir Ihr Mitwirken an der Jugendproduktion des Musicals Wicked – Die Hexen von Oz. Sie bekleiden die Rolle der:


... Tja, morgen geht's weiter ;) würde mich über Kommentare freuen
Was ich rette, geht zu Grund
Was ich segne muss verderben
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Re: Mich trägt mein Traum

Beitragvon Gaefa » 23.04.2014, 15:47:35

Oh wie fies :D Ich mags ja auch gerne an gemeinen Stellen abzubrechen, aber mitten im Brief ist extrem gemein. Ich hätte wohl mit "lag ein Brief" geendet. Aber so - ich bin echt gespannt! Aber toll, dass du so schnell vorankommst.

Übrigens freut es mich sehr, dass du meine Story gelesen hast :) Vielleicht sind die ein paar Ähnlichkeiten der beiden ja auch aufgefallen?

Ich bin gespannt, wen sie spielen wird. hehe, am Ende wird sie noch Nessa oder Mdm. Akaber^^ Ich kanns kaum abwarten, bis morgen die Erlösung kommt.
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Re: Mich trägt mein Traum

Beitragvon Eponine Thénardier » 23.04.2014, 22:06:52

Gemein!! :mrgreen:
Hoffentlich bekommt sie Elphaba - vielleicht aber nur in der Zweitbesetzung, könnte ich mir vorstellen? ;) das würde ihr auf jeden Fall Selbstvertrauen geben und das würde mich ziemlich für sie freuen.
Und ich hoffe, wir lernen Daniel und die Opernsängerin noch näher kennen. :)
"IF LIFE WERE MORE LIKE THEATRE, LIFE WOULDN'T SUCK SO MUCH!" (Opening der Tony Awards 2012)

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Re: Mich trägt mein Traum

Beitragvon Ophelia » 24.04.2014, 14:39:32

Gaefa hat geschrieben: Übrigens freut es mich sehr, dass du meine Story gelesen hast :) Vielleicht sind die ein paar Ähnlichkeiten der beiden ja auch aufgefallen?

Allerdings, besonders am Anfang musste ich einige Male staunen.
Und jetzt erlöse ich euch - danke für die lieben Kommentare :)

Sehr geehrte Frau Steger,
hiermit bestätigen wir Ihr Mitwirken an der Jugendproduktion des Musicals Wicked – Die Hexen von Oz. Sie bekleiden die Rolle der:
Elphaba

Hier musste ich kurz innehalten. Der Name war mit blauem Kugelschreiber auf eine vorgedruckte Linie geschrieben, in schöner, geschwungener Handschrift.
Die Proben beginnen am 01.06. und finden zunächst zwei Mal wöchentlich statt (immer freitags und samstags). Hauptprobenzeit ist in den Sommerferien. Falls Sie bereits Urlaub gebucht haben, bitten wir Sie, dies im beiliegenden Formular auszufüllen; ebenso sollten Sie Tage eintragen, an denen Ihnen das Proben unmöglich ist.
Im Sinne einer erfolgreichen Zusammenarbeit erwarten wir Zuverlässigkeit, Sorgfalt und Arbeitsbereitschaft – nur so kann ein kreatives Projekt gelingen!
Mit freundlichen Grüßen,
O. Pohl

Wortlos reichte ich meiner Mutter den Brief. Ich konnte es gar nicht richtig fassen, und als sie mich umarmte und beglückwünschte, stiegen mir tatsächlich Freudentränen in die Augen.

Der erste Probentag war endlich da. Ich hatte in der Zeit bis dahin – die mir wie eine Ewigkeit vorkam – alle nötigen Vorbereitungen getroffen: die gewünschten Sportsachen waren gekauft. Die Texte fingen an, sich in meinem Gedächtnis zu verankern. Die Lieder konnte ich sowieso schon alle. Mama und ich hatten unser weniges Geld zusammengeworfen, um mir ordentliche Sport- und Turnsachen zu kaufen. Auch, wenn es völlig absurd klang – es machte mich stolz, Trainingshosen zu besitzen, die meinen Hintern betonten statt ihn zu verstecken. Die meine Beine zur Geltung brachten. Die bequem und schick waren, und nicht einfach nur ausgeleiert und langweilig.
Wir trafen uns in dem Chorsaal der Tonleiter. Es war ziemlich voll und laut, alle redeten durcheinander. Viele schienen sich schon zu kennen, und ich bekam schon Angst, eine Außenseiterin zu werden, da tauchte Daniel neben mir auf, triumphierend einen Kaugummi in den Fingern haltend.
„Guck ihn dir genau an“, sagte er. „Es sind seine letzten Sekunden in dieser Folie.“
„Du bist tatsächlich Fiyero?“ Ich freute mich, das zu hören, und gleichzeitig wurde mir etwas mulmig zumute. Denn diese eine Szene, dieses eine Lied…
Daniel warf sich in die Brust. „Der bin ich, allerdings.“ Er hielt mir feierlich die Hand hin. „Werden wir Freunde sein?“
„Wenn du auf Grün stehst“, entgegnete ich. Das brachte ihn kurz aus dem Konzept. Dann grinste er, packte den Kaugummi aus und brach ihn in der Mitte durch.
„Ich finde, da wir sowieso bald ein Paar sind, müssen wir anfangen, zu teilen. Auch wenn du mich in eine Vogelscheuche verwandeln wirst“, er fasste sich melodramatisch ans Herz, „werde ich hinter dir stehen.“
Ich musste lachen. Ich war noch nie so glücklich, aufgeregt und gespannt gewesen wie in diesem Augenblick. Es gefiel mir, eine tolle Rolle zu spielen. Es gefiel mir, dass ich grün sein würde. Und es gefiel mir, dass Daniel mich einfach nicht in Ruhe lassen wollte. Da fiel mir plötzlich etwas ein.
„Tut mir leid, dass ich letztens einfach abgehauen bin“, sagte ich zerknirscht. „Ich war ziemlich schlecht drauf.“
„Schon vergessen.“ Er drehte mich an den Schultern nach rechts, wo Julia, die Gesangsleiterin, gemeinsam mit Oliver Pohl auf eine kleine, improvisierte Bühne stieg. Sie begannen, eine Menge zu reden, wie glücklich sie seien und dass wir Verantwortung zeigen sollen; lauter Vorträge und Lobeshymnen, an die ich mich verständlicherweise nicht mehr erinnern kann. Aber ich weiß noch genau, dass ich die ganze Zeit albern grinsen musste, als sie jede Rolle mit Namen aufriefen und zu sich auf die Bühne holten, wo wir dann dicht gedrängt standen und uns freuten. Die Opernsängerin war total aufgeregt; sie hüpfte auf und ab und redete nach rechts und links, ohne Punkt und Komma. Sie spielte Galinda.
„Ich kann gar nicht fassen, dass das hier real ist“, sagte ich begeistert. „Das ich das wirklich tue!“
Genieß und versäume nichts, was dir gefällt“, erwiderte er, „und tanz durch die Welt.“

Die Probenzeit war eine sehr aufregende Zeit für mich. Die Vorstellungen, die Ende September Premiere feiern sollten, lagen noch in weiter Ferne, aber sie rückten langsam näher. In den Sommerferien verbrachte ich fast jeden Tag in Theatern, Probesälen und sogar Tonstudios. Es würde zu lange dauern, alle Einzelheiten aufzuschreiben; es sei nur gesagt, dass ich eine sehr glückliche Zeit verbrachte. Ich fand viele neue Freunde – Daniel und Mara, die Opernsängerin, zum Beispiel – und lernte viel über mich. Das Schauspielern und Singen, ja sogar das Tanzen, vor dem ich mich wegen meiner zwei linken Füße immer etwas gegruselt hatte, vielen mir leicht und machten mir großen Spaß. Es war gut, böse sein zu können, meine Grenzen auszutesten und zu überschreiten, immer wieder, jede Woche neu. Unterstützung zu bekommen, nicht nur von einem Gesangslehrer, sondern von mehreren Profitänzern, ausgebildeten Musicaldarstellern, Regisseuren und Schauspielern.
Und es war gut, mit Daniel zusammen zu arbeiten. Denn seine unbefangene, offene Art nahmen mir die Scheu, die ich bei Solang ich dich hab’ hatte. Er machte Witze darüber und redete mir gut zu, so geschickt, dass ich alle Zweifel vergaß. Denn Es waren Fiyero und Elphaba, die sich küssen mussten. Manchmal fragte ich mich, ob Anouk und Daniel sich irgendwann auch einmal küssen würden. Aber ich wusste nicht, ob ich es wollte, und deswegen verscheuchte ich den Gedanken immer wieder. Denn so war es mit meinem Herzen, seit ich ein Kind war: mit zu vielen Gefühlen war es heillos überfordert.
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Re: Mich trägt mein Traum

Beitragvon Gaefa » 24.04.2014, 18:54:31

Ooooh ein toller Teil! Ich freu mich so für Anouk. Für meinen Geschmack hättest du die Probenzeit ruhig ein wenig detaillierter beschreiben können ;) Aber das liegt wohl daran, dass ich mich selbst nie kurzfassen kann. So kommst du natürlich auch schneller weiter, was sicherlich ein Vorteil für deine Story ist. Ich bin gespannt, ob aus Anouk und Daniel was wird. Und den Namen Mara mag ich übrigens auch sehr gern, auch wenn er mich an eine reale Musicaldarstellerin erinnert.
Freu mich auf die Fortsetzungen!
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Re: Mich trägt mein Traum

Beitragvon Ophelia » 24.04.2014, 19:26:10

Gaefa hat geschrieben:Ooooh ein toller Teil! Ich freu mich so für Anouk. Für meinen Geschmack hättest du die Probenzeit ruhig ein wenig detaillierter beschreiben können ;) Aber das liegt wohl daran, dass ich mich selbst nie kurzfassen kann.

Dafür wird die Premiere sehr ausführlich und seeeehr ereignisreich (ein kleines Appetithäppchen ;)). Schön, dass es dir gefällt und du fleißig weiterliest, dann lohnt es sich, mit dem Posten zu warten - ich kann es manchmal auch kaum erwarten :lol:
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Re: Mich trägt mein Traum

Beitragvon Eponine Thénardier » 24.04.2014, 19:31:29

Jaa, ich freue mich für Anouk - :mrgreen:
Ich hätte mich auch über eine etwas ausführlichere Beschreibung der Probenzeit gefreut, aber andererseits bringst du damit gut das Gefühl rüber, dass die Zeit vorbeizufliegen scheint, was mir auch gefällt, also ist das halb so wild ;)
du musst übrigens nicht unbedingt mit dem posten warten... :mrgreen:
"IF LIFE WERE MORE LIKE THEATRE, LIFE WOULDN'T SUCK SO MUCH!" (Opening der Tony Awards 2012)


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