Was war das?

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Re: Was war das?

Beitragvon Elphaba » 20.10.2008, 04:39:35

Hach, was soll ich da bloß schreiben? Wieder wunderschön tragisch! Ich tut mir so leid! :(

Was wohl nach diesem Kuss passiert? Oh ha, ich bin schon wieder ganz hibbelig auf den nächsten Teil!

Weiter so Sisi! Du hast mich (und bestimmt auch andere hier) fest im Griff! :D
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Re: Was war das?

Beitragvon Kitti » 20.10.2008, 20:00:06

Das ist doch nicht etwa der letzte Teil? Du hast ja irgendwann angedeutet, dass du auf das Ende hinarbeitest... Jedenfalls war es wieder einmal schön, mir gefallen deine Metaphern sehr. Ich kann mir gerade bei der Sache mit dem Sand ein sehr schönes Bild dazu vorstellen. :)
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Re: Was war das?

Beitragvon Sisi Silberträne » 26.10.2008, 22:20:02

Kitti> nein, das war noch nicht der Letzte ;) Nach diesem hier kommt noch ein Prolog, danach ist die Geschichte dann abgeschlossen.

Elphaba> das freut mich =)

Ich bin dann hinterm Mond gleich links, falls mich jemand sucht ;)



Für einen Augenblick erwiderte sie meine Geste, doch dann entzog sie sich mir, sah mich verblüfft, beinahe schockiert an.
„Ich… entschuldige…“, stammelte ich, ehe sie etwas zu sagen vermochte. „Ich muss gehen. Leb wohl, mein Herz! Pass gut auf deine Familie auf, hüte sie wie den kostbarsten Schatz.“
„Warte, du kannst doch nicht… du kannst mich jetzt nicht einfach so stehen lassen!“, rief sie mir hinterher. Ihre Stimme brannte sich in meinen Geist, aber ich setzte meinen Weg dennoch fort, ohne auch nur ein einziges Mal über die Schulter zurück zu blicken. Ich wusste was ich zu tun hatte.

Nach einer guten halben Stunde tappte ich über die Holzplanken bis zum Rand unserer Schilfinsel. Vor mir erstreckte sich das pechschwarz anmutende Wasser der Alten Donau. Es war an manchen Stellen gerade so weit gefroren, dass das Eis Enten und Möwen tragen konnte, die sich tagsüber hier herum trieben. Wir hatten einige schöne Sommertage an diesem Ort verbracht, als es noch unmöglich schien, dass sie mich eines Tages nicht mehr lieben würde.
Fröstelnd ließ ich mich auf den kalten Untergrund sinken, um meine Nagelfeile und das Handy aus der Tasche zu nehmen. „In ihrem Lichte ist es, daß ich wohne. Doch wenn sie mir je schwindet, muss ich sterben“, schrieb ich mit klammen Fingern und suchte anschließend ihre Nummer. Sie würde es verstehen.

Als auf dem Display die Meldung erschien, dass meine Nachricht versandt worden war, legte ich das Mobiltelefon neben mich und ergriff erneut die Feile. Welch Ironie, dass ausgerechnet dieses Werkzeug mich von allem befreien würde. Für eine schier endlose Weile verharrte ich reglos, ehe ich langsam das Metall an die bloße Haut setzte, unter der sich meine Pulsader abzeichnete. Es gab keinen anderen Weg. Ich liebte sie zu sehr, deshalb waren meine späteren Beziehungen alle unrühmlich gescheitert. Mein Herz sehnte sich nach ihr, aber ich konnte nicht mit ihr zusammen sein. Ihre Familie bedeutete die Welt für sie, in ihrem Leben war kein Platz mehr für mich.

Warme Flüssigkeit, deren hellrote Farbe ich in der Dunkelheit nur erahnen konnte, quoll aus dem Schnitt an meinem Handgelenk, während ich die Feile an die andere Hand führte. Ich spürte weder den Schmerz noch die Kälte um mich herum. Mit jedem weiteren aus meinem Körper fließenden Tropfen Blut trübte sich mein Blick mehr und mehr. Bald würde das dumme Herz in meiner Brust stillstehen, befreit und nicht länger von Sehnsucht niedergedrückt.

Wie durch einen dichten Nebelschleier nahm ich plötzlich Arme wahr, die mich umschlossen. Weit entfernt rief eine Stimme meinen Namen. Ihre Stimme. Es war nicht mehr als ein ersticktes Flüstern in meinen fast tauben Ohren. Als ich mühsam den Kopf hob, sah ich in ihr entsetztes Gesicht.
„Bist du vollkommen verrückt geworden??“ schrie sie mich an. „Ich werde nicht zulassen, dass du gehst… rede mit mir, verdammt!“
Ich öffnete den Mund, doch aus meiner Kehle drang kein Laut. Es war bereits fast alle Lebenskraft aus mir gewichen. Ich klammerte mich an sie, unendlich dankbar dafür, dass sie das Letzte war, das ich sehen würde.
„Bleib bei mir… bitte…“ schluchzte sie verzweifelt. „Ich brauch dich doch…“

Es begann zu schneien. Die Flocken vermischten sich auf ihren nassen Wangen mit ihren Tränen. Dann sah ich nichts mehr, es wurde dunkel und eine wohlige verlockende Wärme hüllte mich ein. Ohne jede Furcht glitt ich tiefer in die stille Finsternis, spürte wie sich die Welt um mich herum immer weiter entfernte, und schließlich ganz aufhörte zu sein. Dann fand ich erneut das Licht.
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Re: Was war das?

Beitragvon Elphaba » 27.10.2008, 03:57:50

Ein schreckliches, aber doch irgendwie wunderschön poetisches Ende! :( :)

Ich wage ja kaum zu hoffen, dass der Epilog (oder meintest du wirklich einen Prolog? :oops: ) noch eine Wendung zu einem Happy-End bringt!
Aber eine gute Geschichte muss ja auch nicht immer ein positives Ende haben!
Ich bin jedenfalls so oder so begeistert!!!
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Re: Was war das?

Beitragvon Gaefa » 27.10.2008, 12:05:09

Ein schön trauriger Teil mit einem nicht ganz erwarteten Ende.
Wiedermal ist alles toll beschrieben, ich kann nur sagen, wirklich klasse!
Ich bin gespannt, was der letzte Teil mit sich bringen wird. Auf jeden Fall jetzt schonmal ein großes Lob für diese tolle Story!!
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Re: Was war das?

Beitragvon Kitti » 27.10.2008, 16:59:47

Oh, das ist wirklich ein düsteres Ende, aber der Stil gefällt mir wieder einmal sehr gut.
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Re: Was war das?

Beitragvon Nörri » 28.10.2008, 18:39:26

oh man, das geht tief ... und schmerzt sehr. Welch tragisches Ende wird es vermutlich sein.
Sie tut mir so leid, die unerfüllte Liebe, die sie in den Selbstmord treibt, wie sehr muss sie gelitten haben, dass sie keinen Sinn mehr im Leben sieht. Schecklich, einfach nur schrecklich, aber hervorragend geschrieben.
vielen lieben Dank dafür und ich bin jetzt erst Recht gespannt, was noch kommen wird.
Gruß Nörri

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Re: Was war das?

Beitragvon Sisi Silberträne » 01.11.2008, 00:58:00

Ich meinte natürlich Epilog :kopfwand: Und der kommt hier...


Epilog


Langsam schritt ich über den kleinen Friedhof zwischen den Gräberreihen hindurch, ich hatte mir weiß Gott einen erfreulicheren Grund für die Rückkehr in mein Heimatland gewünscht. Kühler Wind blies durch mein dunkelbraunes Haar, trotz meiner dicken Winterjacke fror ich erbärmlich. Ich war erschöpft, emotional beinahe ausgelaugt. Die vergangenen Tage hatte ich viel geweint und die Nächte war ich ruhelos im Bett gelegen, denn sobald ich einschlief, sah ich erneut ihren leblosen blutüberströmten Körper vor mir, der jetzt in einem dieser Gräber lag.

Ich trug die Schuld an ihrem Tod. Ich war zu blind gewesen, um zu erkennen wie sehr sie mich immer noch liebte. Oder vielleicht wollte ich es auch einfach nicht bemerken, weil ich nur mein eigenes Glück vor Augen hatte. Wie sehr musste ich sie über die Jahre immer wieder verletzt haben, und es war mir nicht einmal aufgefallen. Sie hatte mich gebraucht und ich ließ sie im Stich.
Wenn ich nur schneller bei ihr gewesen wäre. Als der Notarzt endlich eintraf, war sie bereits in meinen Armen gestorben. Die Sanitäter mussten mich von ihr wegziehen, ich hielt sie an mich gepresst, wollte sie nicht gehen lassen. Alles was jetzt noch für mich noch zu tun blieb, war ihrer Familie die Wahrheit zu erklären. Ihre Eltern verdienten es zu erfahren, weshalb ihre einzige Tochter nicht mehr leben wollte.

Schließlich war ich vor dem schlichten Grabstein angelangt, auf dem in feinen geschwungenen Buchstaben ihr Name zu lesen war. Kraftlos sank ich auf den Kiesweg, legte meine Hand für einen Moment auf den kalten Granit.
„Du dumme Kuh, warum hast du mir nie gesagt was du fühlst?“ murmelte ich mit tränenerstickter Stimme. „Wie könnte ich jemals aufhören dich zu lieben? Nur die Art und Weise hat sich ein wenig verändert…“
Ich hoffte, dass sie jetzt an diesem besseren Ort war, von dem so viele Geschichten erzählten. Bei ihrem Kind. Mit zitternden Händen legte ich eine weiße Rose auf ihr Grab. Eine einzelne Träne fiel auf die zarte Blüte.

Als ich eine Gestalt in meiner Nähe bemerkte, erhob ich mich rasch. Ihr bester Freund war hinter mich getreten. Er war am vergangenen Nachmittag auch auf der Beerdigung gewesen, und jetzt stand er mit dem gleichen wehmütigen Ausdruck in den Augen da. Wir sprachen nicht, es brauchte keine Worte. Unendlich dankbar für seine Gegenwart lehnte ich den Kopf an seine Brust, weinte leise in seine Daunenjacke. Seine Wangen glänzten ebenfalls tränenfeucht. Bei ihm fand ich das stumme Verständnis, das mir mein Mann nicht zu geben vermochte. Wir teilten denselben Schmerz.
Schneeflocken tanzten durch die kalte Luft. Zwischen den dichten Wolken zeigte sich vereinzelt ein helles Graublau, das fast genau der Farbe ihrer Augen glich. Sie hatte den Himmel in den Augen. Meinen Himmel.


~ Ende ~



Abschließend möchte ich mich bei euch allen für eure Kommentare bedanken, ich hoffe die Geschichte hat euch trotz dieses Endes gefallen!
Und die nächste Story kommt bestimmt, ich hab immer viele Ideen ;)
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Re: Was war das?

Beitragvon Nörri » 01.11.2008, 05:41:13

phantastisch, ein fabelhafter Epilog,
sehr gefühlvoll und liebevoll geschrieben, einfach nur klasse, einen tolles Ende, auch wenn es ein trauriges Ende ist. Der letzte Absatz sagt alles:
Schneeflocken tanzten durch die kalte Luft. Zwischen den dichten Wolken zeigte sich vereinzelt ein helles Graublau, das fast genau der Farbe ihrer Augen glich. Sie hatte den Himmel in den Augen. Meinen Himmel.

vielen lieben Dank für diese traumhafte, wenn auch tragische Geschichte, es war jedes Mal aufs Neue ein Genuß die Teilstücke zu lesen.
Liebe Grüße und ich freue mich schon auf die nächste Geschichte
Gruß Nörri

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Re: Was war das?

Beitragvon Elphaba » 01.11.2008, 06:48:54

Ja, was soll ich da noch hinzufügen?

Genau das hätte ich auch geschrieben!

Zu dieser Geschichte in ihrer ganzen Einheit kann ich trotz, oder vielleicht sogar gerade wegen dieses Abschlusses nur eines sagen: Wunderschön! *schnief*


Vielen Dank!
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Re: Was war das?

Beitragvon Gaefa » 01.11.2008, 11:06:41

Ein wirklich trauriges Ende, aber wie immer wundervoll geschrieben.

Wirklich eine tolle und sehr emotionale Geschichte, die mir gut gefallen hat!
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Re: Was war das?

Beitragvon Christine » 17.01.2012, 17:46:42

Eine wirklich wunderschöne Geschichte, wenn auch sooo traurig... Hatte am Schluss wirklich ein oder zwei Tränen in den Augen.
Du hast so einen schönen, fesselnden Schreibstil - großes Kompliment!
Macht wirklich Spaß, deine Geschichten zu lesen - obwohl es so traurig ist.


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