Musical - Ein Teil meines Lebens

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Ophelia
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Re: Musical - Ein Teil meines Lebens

Beitragvon Ophelia » 01.11.2014, 17:27:15

Ach, in deinem letzten Teil hab ich irgendwas durcheinander geworfen :oops: Sorry. Schön in diesem Teil, wie Nora über alles nachdenkt. Bin gespannt, ob Nora Leon wirklich fragt und vor allem, was er von einer gemeinsamen, kleinen Reise hält.
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armandine
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Re: Musical - Ein Teil meines Lebens

Beitragvon armandine » 03.11.2014, 17:01:44

Das ist wirklich eine gute Idee, aber vielleicht hätte sie sich das überlegen sollen oder mit ihrer Freundin darüber sprechen, bevor sie Leon abgesagt hätte. Dann wäre der Streit vielleicht nicht so groß geworden, denn ein bisschen verständlich ist seine Enttäuschung natürlich auch. Du schreibst echt spannend und nachvollziehbar, das macht wirklich Spaß!

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Gaefa
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Re: Musical - Ein Teil meines Lebens

Beitragvon Gaefa » 06.11.2014, 11:40:18

Danke euch beiden für die Kommentare! Hier kommt auch schon der nächste Teil! Viel Spaß :)


Die Entscheidung für den Workshop war eindeutig das richtige und ich bereute es keineswegs.
Ich fuhr mit einem etwas besseren Gefühl hin, als ich die Woche zuvor gedacht hätte, da ich nochmals mit Leon gesprochen hatte. Svenjas Idee hatte ich aufgegriffen und wir hatten geplant in den Herbstferien ein paar Tage zusammen und ungestört zu verbringen. Was das sein würde, stand allerdings noch in den Sternen.
Unerwartet bekam ich sogar eine SMS am Samstagmorgen, in der mir mein Freund viel Spaß wünschte. Adrian brachte mich freundlicherweise zur Folkwang Uni und ich fand mich zwischen gespannt wartenden Teilnehmern des Workshops wieder. Ich kam mir so ähnlich vor wie beim Casting zu Jesus Christ, nur dass ich nicht auf Leon traf um ihn nach dem Weg zu fragen.
Es dauerte nicht lange, bis Joe kam. „Oh Nora, es freut mich, dass du gekommen bist. Ich lass euch jetzt erstmal alle rein.“, begrüßte er mich mit einem freundlichen Lächeln auf dem Gesicht. Er schloss den Saal auf, in dem wir uns heute bewegen würden.
„Ich bin ja so aufgeregt.“ – „Mir geht’s genauso.“ – „Ob wir wohl schon vorsingen müssen?“ – „Oder was tanzen? Davor hab ich am meisten Angst.“ So drangen viele Stimmen an mein Ohr. Auch ich war ziemlich gespannt, was auf mich wartete.
Joe begrüßte uns herzlich und lud uns dazu ein als kleine Aufwärmung einen Tanz mit ihm zu tanzen. „Freiwillige vor. Keiner kennt die Choereo und es achtet auch keiner auf jegliche Fehler, also nur ran.“, machte er den Teilnehmenden Mut. Mir fiel auf, dass der größte Teil der Anwesenden weiblichen Geschlechts war.
Nach dem ziemlich lustigen Tanz, kam noch ein gemeinsames Lied, das von allen gesungen wurde. Ein netter Einstieg, dachte ich mir.

Danach setzte er eine kleine Pause an, in der er eine Namensliste herumgeben ließ. Wir waren eine recht beschauliche Zahl von etwa einer Schulklasse.
Während dieser Zeit bemerkte ich, wie zwei Mädchen neben mir tuschelten: „Hast du auch davon gehört, dass sie uns jemanden vorstellen wollen, die neben der Schule schon Musicals spielt?“ – „Ja. Ich bin echt mal gespannt auf die. Wird sicherlich ziemlich abgehoben sein. Aber wenn ich mich hier so umgucke… Mal sehen wann sie kommt.“, antwortete die zweite, die genauso blondgefärbte Haare hatte wie ihre Mitstreiterin.
Na, wenn die wüssten, wer neben ihnen sitzt, dachte ich mir und grinste.

„So, nun würde ich gerne eine Namensrunde machen. Jeder sagt seinen Namen, Herkunft, Hobbys und natürlich warum ihr Musicaldarsteller werden wollt.“, erklärte Joe.
Er fing direkt mit den beiden Lästerschwestern an. Danach bedeutete er in die andere Richtung weiterzugehen. Scheinbar wollte er, dass ich mich als letztes vorstelle.
So kam es dann auch. „Ich heiße Norina Bauer, aber ich werd immer Nora genannt.“, begann ich. „Ich werde nächste Woche 19 Jahre alt und gehe in die 13. Klasse. Ich möchte Musicaldarstellerin werden, weil es mir viel Spaß macht auf der Bühne zu stehen und ich weiß, dass es für mich der richtige Weg sein wird.“ Warum ich nun eigentlich auf die Bühne wollte, war mir gar nicht so bewusst. Es fühlte sich einfach richtig an.
„Und Nora weiß wie es sich anfühlt auf der Bühne zu stehen, nicht wahr?“, begann Joe und wollte mich damit dazu auffordern von meinem Engagement bei Mozart zu erzählen.
„Das stimmt. Ich war bis vor kurzem als Walk-in Cover der Constanze beim Musical Mozart!“, erklärte ich den umstehenden. Die beiden Blondinen neben mir schauten sich fassungslos an. Ich berichtete ein wenig von meiner Zeit bei Mozart! und wie ich überhaupt dazu gekommen war. Dass diese Tatsache natürlich dazu führte, dass die beiden neben mir die Augen verdrehten, war wohl vorprogrammiert.
„Nora, möchtest du denn dann auch den Gesangsblock eröffnen?“, fragte mich Joe. Ich nickte. Er stimmte praktischer Weise Constanzes Solo an und ich konnte zeigen, was ich auf der Bühne gelernt hatte. Als ich geendet hatte, gab es einen höflichen Applaus, bevor die anderen auch ran mussten.
Einige hatten kein Lied, den nächsten zitterte die Stimme. Zu meinem Vergnügen konnten die beiden Blondchen nicht wirklich gut die Töne halten. Sie hatten scheinbar noch keine Gesangslehrer zu Gesicht bekommen.
Am Nachmittag gab es noch einen Tanzblock und ein paar Dialoge wurden über die Mittagspause eingeübt und erst als letztes aufgeführt. Joe wollte wissen wie lange wir uns die Sachen merken konnten. Es war ziemlich lustig. Ich hatte zwei Jungs abbekommen und durfte mit ihnen eine Szene aus Aida spielen, im Militärhauptquartier von Zoser. Es war recht lustig und die beiden machten das auch gut, obwohl der Radames recht schüchtern war und ich ihm einmal zeigen musste, wie man Zoser richtig anbrüllt.

Am Ende gab es noch den zu erwartenden Vortrag von Joe, mit Vor- und Nachteilen. Jetzt wo alle mal gesehen hatten wie das Training abläuft, sollten sie sich auch mit den restlichen Bedingungen und Einschränkungen beschäftigen.
Hier kam ich dann auch zur Sprache und durfte noch mal darlegen wie mir die Zeit ergangen ist. Ich berichtete wie schwer es war und doch wie viel Spaß es mir machte. Bei der offenen Fragerunde zum Schluss, fragte jemand, ob ich nicht mal daran dachte, dass ich alles das nicht schaffe. Ich schwieg einen Augenblick und berichtete dann von der zweiten Show, die mich an allem zweifeln ließ.
„Das hat mir gezeigt, dass man es allein nicht schaffen kann. Man braucht gute Freunde, die einem helfen. Und auch den Willen das durchzuziehen. Wenn man einfach auf die Bühne geworfen wird nach ein paar Proben, ist das ein ziemlich hartes Geschäft. Aber für mich persönlich ist es das absolut richtige. Das habe ich in dieser Zeit festgestellt.“ Auch als der Workshop offiziell zu Ende war, unterhielt ich mich noch etwas mit ein paar Leuten.
„Danke, dass du da warst, Nora. Es war eine Bereicherung für meinen Workshop.“, bedankte sich Joe am Abend. „Ich muss mich bedanken. Es hat sehr viel Spaß gemacht und für mich war es eine neue Erfahrung mit so vielen Gleichaltrigen zusammen zu sein, die auch auf die Bühne wollen. Die Konkurrenz schläft nicht.“, antwortete ich ihm.
„Da hast du recht. Deshalb möchte ich dir hier mal unser Programm geben. Ich mache noch ein paar weitere Workshops. Zwar sind die für die unteren Semester, aber da du ja schon Erfahrung hast, würde ich dich gern einladen an dem einen oder anderen schon teilzunehmen. Es hilft, einen kleinen Schritt voraus zu sein.“
Dankend nahm ich das Prospekt entgegen und blickte es strahlend an. Ja – es half eindeutig gute Connections zu haben
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Re: Musical - Ein Teil meines Lebens

Beitragvon Ophelia » 06.11.2014, 18:16:36

Schön, dass Nora sich beim Workshop wohlfühlt und gute Connections aufbaut - die sind ja immer Gold wert! Nun bin ich echt gespannt auf den nächsten Teil - ob sie Leon dann vorschlägt, mal gemeinsam wegzufahren?
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Re: Musical - Ein Teil meines Lebens

Beitragvon Gaefa » 06.11.2014, 19:22:58

Gaefa hat geschrieben:Ich fuhr mit einem etwas besseren Gefühl hin, als ich die Woche zuvor gedacht hätte, da ich nochmals mit Leon gesprochen hatte. Svenjas Idee hatte ich aufgegriffen und wir hatten geplant in den Herbstferien ein paar Tage zusammen und ungestört zu verbringen. Was das sein würde, stand allerdings noch in den Sternen.


Die beiden haben sich schon für einen Urlaub entschieden ;)
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Re: Musical - Ein Teil meines Lebens

Beitragvon Dori » 06.11.2014, 20:08:19

Gut, dass Nora wirklich den Workshop gemacht hat und sich durchsetzt. Ich hoffe nur, dass bei dem geplanten Urlaub nicht wieder irgendetwas zwischen kommt!

Finde es toll, wie du den Workshop beschrieben hast, sehr lebhaft!

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Re: Musical - Ein Teil meines Lebens

Beitragvon armandine » 07.11.2014, 16:57:51

Das hat mir auch gut gefallen! Kurze Frage nebenbei: In der letzten Zeile - bei uns sagt man der Prospekt, nicht das. Ist das ein regionaler Unterschied oder so?

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Re: Musical - Ein Teil meines Lebens

Beitragvon Gaefa » 14.11.2014, 12:36:55

Am nächsten Tag schaute ich mir die Nachmittagsvorstellung an und war wieder einmal begeistert von dem mysteriösen, manchmal auch etwas furchteinflößenden Stück.
Direkt danach hieß es, ab zum Bahnhof und wieder nach Hause. Auf der Zugfahrt betrachtete ich die Broschüre mit den Workshops genauer. Ich nahm mir fest vor, einige davon zu besuchen. Als erstes kamen mir natürlich die Gesangsworkshops in den Sinn, als ich genauer nachdachte, wurde mir klar, dass ich am besten die für Schauspiel gebrauchen konnte.

Meinen Geburtstag verbrachte ich mit ein paar Freundinnen vom Ballett. Wir hatten einen gemütlichen Abend und ich freute mich, dort gut aufgenommen worden zu sein. Die Mädels waren echt nett und eine von ihnen wollte später sogar damit ihr Geld verdienen.
„Vielleicht lande ich ja im Ensemble im Musical.“, scherzte sie. „Mit ein bisschen Gesangsnachhilfe könnte das sicherlich klappen. Mein Traum wäre ja das Phantom der Oper.“
So hatten wir sogar ähnliche Träume, auch wenn es in diesem Stück für mich keine Traumrolle gegeben hätte.
Diese ungetrübte Stimmung, die noch am Dienstag vorherrschte, hielt nicht sonderlich lange. Schon am Mittwoch morgen bekam ich einen Anruf von Leon. Irritiert nahm ich das Gespräch an, er wusste doch, dass mein Unterricht gleich anfing und warum um alles in der Welt war er so früh wach?
„Hallo Leon, was gibt’s?“, wollte ich wissen. „Ich spiel den Tod!“, brachte er jubelnd hervor. „Ich weiß, du probst die ganze Zeit dafür.“, antwortete ich ihm, noch nicht ganz im Klaren darüber, was seine Aussage bedeutete.
„Nein, Nora, du verstehst nicht. Ich spiele den Tod! Heute Abend! Zum ersten Mal!“, schrie er beinahe in den Hörer. „Heute ist deine Premiere? Ich freu mich für dich!“ - „Ich hab ganz schön Bammel. Kannst du es vielleicht irgendwie einrichten, zu kommen? Ich würde dich so gerne dabei haben.“, sagte er überraschend.
Mir verschlug es einen Moment lang die Sprache. Was dachte er sich schon wieder dabei? Es war mitten in der Woche, ich hatte Schule, wie stellte er sich das vor? Er hatte nicht die Zeit gefunden am Vortag zu meinem Geburtstag zu kommen und jetzt das?
„Ähm, ich hab Schule, Leon“, begann ich. „Der Unterricht heute geht bis 15 Uhr. Ich würde es bis zum Beginn der Show niemals nach Berlin schaffen.“ - „Deshalb rufe ich ja jetzt an! Ich hab es eben erst erfahren, deshalb dieser spontane Überfall. Kannst du nicht einfach früher gehen? Mir zu liebe und nur dieses eine Mal!“, bat er mich. Und morgen später kommen, ergänzte ich in Gedanken.
„Ich...“, ich wusste nicht, was ich sagen sollte. Klar wollte ich gern bei seiner Premiere dabei sein und wenn das vorher festgestanden hätte, hätte ich das auch planen können, aber so?
„Ich denke..:“, der Schulgong unterbrach mich. „Es hat geklingelt. Die Stunde fängt an. Ich kann jetzt nicht weiter telefonieren. Ich melde mich später bei dir.“, umging ich die direkte Antwort.
„Dann viel Spaß in der Schule“, lautete Leons Antwort und nur noch ein Tuten war zu hören.
Der gesamte Unterrichtstag war dahin. Ich konnte mich keine Stunde auch nur ansatzweise konzentrieren.
Was würde er später am Telefon sagen? Würde er es mir sehr übel nehmen, dass ich nicht gekommen war? Und warum war ich eigentlich nicht spontan genug, einfach alles stehen und liegen zu lassen, um nach Berlin zu fahren? Fragen über Fragen und keine Antwort, den ganzen Schultag lang nicht.
In der letzten Stunde kam mir dann wieder das altbekannte Lied in den Kopf: Jeder irrt durch das Dunkel der Welt, blind vor Ehrgeiz, stumm vor Schmerz, hofft auf ein Licht, das die Nacht erhellt, folgt der Pflicht, verrät das Herz.
Ja, daran gab es keinen Zweifel. Wieder einmal traf diese Strophe nur allzu genau auf mein Leben zu und ich wusste wenigstens die Antwort auf die letzte Frage: Ich war zu pflichtbewusst, um alles über den Haufen zu werfen, auch wenn mir die Liebe wichtig war.

Auf dem Heimweg von der Schule versuchte ich meinen Freund zu erreichen, doch vergeblich. Er schien sein Handy ausgestellt zu haben, auf jeden Fall konnte ich ihn nicht erreichen. Er wollte das wohl auch gar nicht.
War das seine Art mir zu zeigen, dass er wütend auf mich war? Ich schrieb ihm enttäuscht über dieses Verhalten eine möglichst positive Sms, in der ich ihm alles erdenklich Gute für seine Premiere wünschte. Ob er sie vorher jedoch noch gelesen hat?

Auch am nächsten Tag blieben meine Versuche, Leon anzurufen vorerst vergeblich. Deshalb griff ich auch hier wieder auf das Textmedium zurück und verfasste eine lange Sms, in der ich mich ausdrücklich dafür entschuldigte, nicht gekommen zu sein und fragte, ob er mich am Wochenende in Berlin in Empfang nehmen würde.
Tatsächlich bekam ich am späten Abend eine ebenfalls schriftliche Antwort: „Hey. Ja, ich hol dich Freitag Abend nach der Show vom Bahnhof ab. Am Sonntag spiele ich nachmittags den Tod. In Liebe, Leon.“
Es war nicht viel, aber ein Lebenszeichen. Doch wie sollte das alles weitergehen mit uns? Ich fühlte mich schon seit einigen Wochen nicht mehr richtig wohl in meiner Beziehung. Irgendwie schränkte mich diese Situation ein. Ich konnte meine Wochenenden nicht frei verplanen, konnte die Ballettauftritte nicht wahrnehmen und an die Workshops, die in den Herbstferien zu besuchen wären, wollte ich gar nicht denken.
Ich grübelte noch eine Weile darüber nach, beschloss dann aber mich noch ein wenig an meine Hausaufgaben zu setzen. „Schließlich sollte ich die am Wochenende fertig haben, um keinen Streit zu riskieren.“, sagte ich mir und seufzte.
So machte das eindeutig keinen Spaß das Wochenende zu planen, Hauptsache alle möglichen Ursachen für neuen Streit auf dem Weg schaffen, schließlich war ja noch genug Diskussionsstoff vorhanden.

Meine Hausaufgaben beschränkten sich auf Deutsch, eine Analyse zu Fontanes Irrungen und Wirrungen. Ich begann zu schreiben. Kurz darauf hielt ich schon wieder inne. Mir war ein Satz im Buch aufgefallen, der mich ganz in seinen Bann zog:
„Es geht zu End und rasch, ich weiß es.“, las ich mir laut vor.
Wie recht Lene doch hatte, dachte ich mir und empfand diese Aussage in meinem tiefsten Inneren als volle Wahrheit.
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Re: Musical - Ein Teil meines Lebens

Beitragvon armandine » 14.11.2014, 18:06:52

Oh oh . Das klingt jetzt aber wirklich nicht gut...

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Re: Musical - Ein Teil meines Lebens

Beitragvon Ophelia » 15.11.2014, 18:43:19

Gaefa hat geschrieben:
Gaefa hat geschrieben:Ich fuhr mit einem etwas besseren Gefühl hin, als ich die Woche zuvor gedacht hätte, da ich nochmals mit Leon gesprochen hatte. Svenjas Idee hatte ich aufgegriffen und wir hatten geplant in den Herbstferien ein paar Tage zusammen und ungestört zu verbringen. Was das sein würde, stand allerdings noch in den Sternen.


Die beiden haben sich schon für einen Urlaub entschieden ;)

:oops: :oops: Hab mal widder zu unaufmerksam gelesen, sorry!
Aber der neue Teil gefällt mir total gut, besonders der letzte Abschnitt hat Gänsehaut-Potenzial. Bin schon sehr gespannt auf den nächsten Teil!!
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Re: Musical - Ein Teil meines Lebens

Beitragvon Gaefa » 21.11.2014, 13:56:16

Weiter gehts! Ich freu mich wie immer über möglichst viele Kommentare :)

Das folgende Wochenende habe ich in keiner sonderlich guten Erinnerung.
Leon holte mich am Freitag Abend vom Bahnhof ab, aber er war alles andere als liebevoll und freundlich. Ich bekam keinen Kuss zur Begrüßung, nur eine kurze Umarmung – er schien mir meine Entscheidung noch immer übel zu nehmen. In seiner Wohnung angekommen, wollte er direkt ins Bett, die Woche sei sehr anstrengend gewesen. Ich seufzte und lag noch gefühlt stundenlang wach neben ihm im Bett und konnte seinen ruhigen Atem hören.
Nach einer recht kurzen Nacht stand ich am nächsten Morgen früh auf und ging in die kleine Küche, in der ich mich nicht sonderlich gut auskannte. Trotzdem schaffte ich es, ein recht ordentliches Frühstück zuzubereiten.
Demnach duftete es schon nach Kaffee, als Leon verschlafen in den Flur trat. „Danke, Nora.“, war sein müder Kommentar zum Frühstück.
„Wie war die Show am Mittwoch?“, wollte ich vorsichtig von ihm wissen. „Gut.“, lautete seine einsilbige Antwort. „Und deine Geburtstagsfeier?“, fragte er kauend zurück. „Es war ganz nett. Ein paar Freundinnen vom Ballett waren da.“, begann ich. „Mh.“, brachte mein Freund hervor. „Achso, bevor ich das vergesse, ich hab auch noch was für dich.“, sagte er und deutete auf ein kleines Päckchen, das hinter mir im Regal lag.
Ich drehte mich um. „Nimm es dir ruhig.“, sagte er beinahe beiläufig. Gesagt getan. Ich packte also vorsichtig das Geschenk aus und zum Vorschein kamen: „Neue Ballettschuhe! Danke.“, rief ich aus und freute mich wirklich. Ich fiel Leon um den Hals und er nahm mich sanft in den Arm. „Ich dachte, die könntest du gebrauchen.“, murmelte er. „Ja, das ist echt ein tolles Geschenk.“ Scheinbar machte er sich doch mehr Gedanken um mich, als es in diesem Moment den Anschein hatte.
Dennoch verlief der restliche Tag recht ruhig, da sich keiner von uns so richtig traute, etwas zu sagen. Die letzten Streitigkeiten hingen noch immer in der Luft.
Am Mittag fuhren wir in die Stadt und schlenderten ein wenig durchs KdW, wobei wir abermals kaum ein Wort wechselten. Immerhin durfte ich mir dann beide Shows an diesem Tag ansehen, in denen Leon als Rudolph auf der Bühne stand.

„Wie sieht es eigentlich mit unserem Urlaub in meinen Herbstferien aus?“, wollte ich am Sonntagvormittag nun doch von Leon wissen. Lang war es nicht mehr hin und ich wollte wissen, woran ich bin.
„Ähm ja.“, stammelte Leon. Ich schaute ihn durchdringend an. „Was, ähm?“, fragte ich nach. „Naja, ich hab noch keinen Spielplan für die Zeit und da die Erstbesetzung vom Tod in der Zeit Urlaub hat, weiß ich noch nicht, wie das aussehen wird. Aber irgendwie kriegen wir das sicherlich hin.“, lautete seine ausweichende Antwort.
„Ah. Wann kannst du das denn in Erfahrung bringen, ich meine, deinen Spielplan?“ - „Das weiß ich nicht. Momentan ist das nicht so einfach. Und wenn Lukas nicht spielt...“ - „Warum hat er eigentlich genau dann frei? Wäre das nicht auch anders gegangen?“, fragte ich vorsichtig nach. „Sein Sohn ist in der ersten Klasse und er will die Ferien mit ihm verbringen. Deshalb geht es nicht anders.“, war Leons Begründung.
„Aber...“, aber ich hab auch nur dann Ferien, beendete ich den Satz in meinen Gedanken. Ich biss mir auf die Lippen. Das sollte ich besser nicht aussprechen. Ich seufzte. „Ah okay.“ Einen erneuten Streit wollte ich nicht provozieren.
„Hast du dir mal überlegt, wo wir hinfahren wollen?“, erkundigte sich Leon. „Nein. Das kommt ja auch so ein bisschen auf die Zeit an, die wir zur Verfügung haben.“, antwortete ich. Wir drehten uns im Kreis und deshalb erstarb auch diese Unterhaltung wieder.

Die Nachmittagsshow war großartig. Leon in der Rolle des Todes zu sehen, war wirklich ein Erlebnis. Er zeigte eine ganz andere Seite von sich, als in den Rollen, die ich bisher von ihm kannte. Zeitweise eine verführerische Seite, die er aber scheinbar im Moment nicht mit mir teilen wollte.
Trotz der vielen Proben merkte ich ihm seine Unsicherheit deutlich an. Er war vor allem stimmlich in einigen Szenen noch nicht ganz sicher, aber sonst war es definitiv eine passende Rolle für ihn. Das sagte ich ihm auch nach der Show, bevor er mich zum Bahnhof brachte.
„Du hast wirklich toll gespielt.“, versicherte ich ihm abermals. „Das freut mich, aber du musst jetzt wohl los. Nächste Woche hast du Ballett, richtig?“, erkundigte er sich. Ich nickte. „Ich melde mich dann, wegen deiner Herbstferien.“, führte er sehr förmlich aus. „Ich freu mich schon drauf.“, verabschiedete ich mich und gab ihm einen Kuss, den er kurz erwiderte.
Ich stieg in den Zug und noch bevor ich zum Abschied winken konnte, war Leon verschwunden.
Seufzend ließ ich mich in den Sitz fallen. Was war an diesem Wochenende alles geschehen? Ich erkannte meinen Freund kaum noch wieder.
Wo war der lebensfrohe, liebevolle Mann hin verschwunden, in den ich mich vor mittlerweile 1 ½ Jahren so Hals über Kopf verliebt hatte? Und wo waren meine Schmetterlinge hingeflogen? In meinem Bauch konnte ich sie nicht mehr spüren.
Ich wusste in diesem Moment nicht, wie es weitergehen sollte. Wo wollten wir in den Herbstferien hin? Wie würde sich dieser Urlaub entwickeln? Zwar hatten wir uns dieses Mal nicht gestritten, aber sich anschweigen machte die Situation fast noch schlimmer. Abermals seufzte ich. Was sollte ich bloß machen? „Erst einmal abwarten, wie es weitergeht und wie der Urlaub wird.“, sagte ich mir.

In der folgenden Woche meldete sich Leon nicht, obwohl ich ihm einige SMS geschrieben hatte. Erst am Wochenende bekam ich einen Anruf von ihm, in dem er mir mitteilte, dass er Dienstag und Mittwoch freibekommen würde. Das hieß: Urlaub für uns beide! Von Montag bis Donnerstag um genau zu sein.
Mein Herz hüpfte. Im Geheimen hatte ich schon gar nicht mehr daran geglaubt, dass es tatsächlich klappen würde.
„Was hältst du von der Nordseeküste? In der Nähe von Rostock soll es ganz schön sein.“, schlug er mir vor. „Das klingt toll.“, antwortete ich. „Dann kümmere ich mich um eine Unterkunft für uns.“, bot Leon an.
Meine Vorfreude stieg nun mit jedem Tag, obwohl ich auch ein wenig Angst hatte, wie es werden würde.

Doch das sollte ich nie herausfinden
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Re: Musical - Ein Teil meines Lebens

Beitragvon armandine » 21.11.2014, 15:21:57

Was für ein gemeiner Cliffhanger! Aber irgendwie habe ich ein ganz blödes Gefühl...

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Re: Musical - Ein Teil meines Lebens

Beitragvon Ophelia » 21.11.2014, 19:48:49

Warte... was? Du lässt uns mit so einem Cliffhanger zurück? :shock: Ich hab gerade tausende schlimme Vorstellungen, was passieren könnte! Es ist zwar traurig, dass die Beziehung zu Leon inzwischen so distanziert ist, aber... da wird doch wohl nichts schlimmes passieren?! Ich warte seehr gespannt!
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Re: Musical - Ein Teil meines Lebens

Beitragvon Gaefa » 28.11.2014, 14:43:10

Danke euch beiden für eure Kommentare. Hier kommt nun auch die Forsetzung - und keine Angst, es ist nicht so schlimm, wie ihr denkt!

Da am ersten Wochenende der Ferien ein kleiner Auftritt von der Musicalballettstunde war, wollte ich erst am Sonntagnachmittag nach Berlin aufbrechen.
Der Auftritt am Samstagabend lief gut und ich hatte sehr viel Spaß daran, das Gelernte nun auch vor einem wenn auch sehr bescheidenen Publikum vorzuführen. An diesem Abend bedauerte ich es sehr, nicht öfter an diesen Auftritten teilnehmen zu können. „Aber dafür wohnt dein Freund in Berlin und spielt dort seine Traumrollen.“, tröstete ich mich.
Am nächsten Morgen stand ich früh auf, ich war so aufgeregt. Meine Mutter war auch schon in der Küche und kochte gerade frischen Kaffee. „Mensch Nora, so aufgekratzt, wie du bist, brauchst du gar keinen Kaffee mehr.“, scherzte sie.
„Du weißt schon, dass der Auftritt gestern Abend war? Kein Grund mehr nervös zu sein.“ - „Ach Mama, das weiß ich doch. Aber ich hab Angst, dass ich irgendwas wichtiges vergesse einzupacken und... ach und wie es überhaupt wird. Es war nicht ganz einfach in letzter Zeit.“ - „Ich weiß, mein Kind.“, sagte meine Mutter und schaute mir verständnisvoll zu.
Der Morgen verging. Gerade als wir am Mittagstisch saßen, klingelte mein Handy.
„Leon! Hey, was gibt es denn?“, lauteten meine Worte, als ich den Anruf annahm. „Bist du schon im Zug?“, wollte er wissen. „Nein, der geht erst in zwei Stunden. Wir essen gerade noch.“, antwortete ich zögerlich.
„Ich fürchte du brauchst dich damit nicht zu beeilen. Ich muss am Dienstag spielen.“, erklärte er. Mir stand der Mund offen. „Was?“, stieß ich hervor. „Der Spielplan wurde geändert. Ich muss am Dienstag spielen. Mittwoch könnte ich zwar frei kriegen, aber das bringt dann ja auch nichts. Und da ich dann morgen wohl noch zu einem Promotionauftritt eingespannt werde, wenn ich nicht aus der Stadt bin, ist es wohl besser, wenn du gar nicht erst kommst.“
Ich traute meinen Ohren nicht. Sprachlos hielt ich das Telefon gegen mein Ohr. „Es tut mir leid Nora, aber ich glaube, es ist besser so. Ich wünsche dir noch einen schönen Tag.“ Mit diesen Worten legte er auf, bevor ich auch nur zu einer Antwort ansetzen konnte.
Gut, dass ich am Tisch saß, sonst wäre ich umgefallen. Ich konnte nicht glauben, was ich gerade gehört hatte, was sich überhaupt gerade abspielte. War das sein Ernst? Ich hatte Ferien und sollte trotzdem nicht zu ihm kommen? Wollte er mich nicht sehen? Fassungslos ließ ich mein Handy sinken und starrte ungläubig vor mich hin.
„Nora, was ist los?“, wollte meine Mutter wissen. „Du siehst aus, als würde die Welt untergehen.“, kommentierte mein Vater.
„Leon... er...“, begann ich stotternd. „Er muss spielen... am Dienstag. Wir... wir fahren nicht. Ich... ich...“, ich brach ab. Es auszusprechen war noch schlimmer, als es nur zu hören, denn es hatte einen so endgültigen Charakter.
Ich schluckte. Mittlerweile waren mir die Tränen in die Augen gestiegen. Ich senkte meinen Kopf. „Ich soll nicht kommen.“, brachte ich hervor, bevor mir die Tränen über die Wangen liefen und ich in ersticktes Schluchzen ausbrach.
„Was?“, brachte nun auch meine Mutter hervor. „Aber das meint er doch sicherlich nicht so. Es schließt doch nicht aus, dass du nach Berlin fährst, wenn ihr nicht in Urlaub könnt.“, versuchte meine Mutter mich zu trösten.
„Aber das hat er gesagt.“, flüsterte ich. „Du kannst doch sicherlich noch mal mit ihm reden.“, versuchte meine Mutter erneut mir gut zuzureden.
Ich schüttelte den Kopf. Ich hatte aufgehört zu schluchzen und starrte mit verquollenen Augen vor mich hin. Vergeblich versuchte meine Mutter mich aufzuheitern. Doch ich starrte wie in Trance auf den Tisch. Ich hörte wie durch einen Schleier wie meine Eltern sich unterhielten, doch ich bekam nicht mit, worüber.
Schätzungsweise beratschlagten sie, wie sie uns doch noch in den Urlaub bringen konnten. Denn obwohl sie anfangs mit Leon nicht ganz einverstanden waren, hatten sie ihn doch ins Herz geschlossen und vor allem mein Vater konnte es nicht ertragen seine kleine Tochter niedergeschlagen zu sehen.

„Wenn er mich nicht sehen will, dann wein ich ihm auch nicht die ganzen Ferien nach.“, sagte ich fast entschlossener als ich war und wischte mir energisch die Tränen aus dem Gesicht. „Ich werd nach Essen fahren.“
Meine Eltern schauten mich erstaunt an. Scheinbar hatte ich sie gerade in ihren Überlegungen gestört.
„Nach Essen?“, hörte ich meinen Vater sagen.
„Ja. Bei Svenja und Adrian ist immer ein Bett für mich frei. Außerdem hatte mir Joe doch einen Flyer mit Workshopangeboten gegeben.“, erinnerte ich mich. „Wenn ich mich nicht ganz irre, waren die gesamten Herbstferien über interessante Kurse. Vielleicht kann ich da ja spontan mitmachen oder wenigstens ab und zu vorbeischauen.“
Diese Worte sprudelten aus mir heraus, ohne dass ich vorher darüber nachgedacht hatte, doch es klang nach einer guten Idee. Noch bevor meine Eltern großen Einspruch erheben konnten, nahm ich mein Handy und rief Svenja an.
„Hey Nora! Ich dachte, du wärst auf den Weg nach Berlin zu eurem Urlaub?“, begrüßte sie mich. „Es wird keinen Urlaub geben. Leon muss spielen.“, antwortete ich knapp.
„Aber das kann doch nicht wahr sein.“, entrüstete sich Svenja. „Hast du ihm...“ - „Bitte, Svenja,“, unterbrach ich sie. „Kann ich kommen?“ - „Aber fährst du nicht trotzdem nach Berlin?“, erkundigte sie sich. „Nein. Das erkläre ich dir später, darf ich kommen?“, fragte ich erneut. „Natürlich!“ - „Ich bin in ein paar Stunden da. Ich komme direkt zum Theater.“ - „Okay, Süße. Bis später.“, antwortete Svenja.
Ich war froh, dass sie zugestimmt hatte. Um den Workshop wollte ich mich später kümmern.

Schnell packte ich meine Sachen um und schon eine Stunde später saß ich im Zug nach Essen. Ich kam kurz nach Beginn der Nachmittagsshow in Essen an. Zum Glück kannte man mich noch, weshalb es kein Problem war mit Reisetasche und Koffer bepackt ins Colosseum zu kommen.
Da Svenja die Abendshow frei hatte, fuhren wir zusammen in ihre Wohnung, während Adrian auf der Bühne stand. Nachdem ich ihr alles erzählt hatte, sah sie fast betroffener aus, als ich.
„Und was willst du jetzt machen, Nora?“, fragte sie.
Ich schwieg einen Moment und dann sprach ich das aus, was mir den ganzen Tag schon durch den Kopf ging: „Ich glaube, es ist vorbei.“
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Re: Musical - Ein Teil meines Lebens

Beitragvon armandine » 28.11.2014, 16:44:45

Das ist ja eine herbe Ansage von Leon. Wieso will er sie denn nicht sehen? Ich fürchte, dass Nora die Sache richtig sieht...

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Dori
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Re: Musical - Ein Teil meines Lebens

Beitragvon Dori » 02.12.2014, 16:40:10

Ich glaube auch...
Freue mich trotzdem auf den nächsten Teil! :)

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Ophelia
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Re: Musical - Ein Teil meines Lebens

Beitragvon Ophelia » 02.12.2014, 17:16:57

Ganz klar: es ist wirklich vorbei! Freue mich schon auf die Fortsetzung :)
Was ich rette, geht zu Grund
Was ich segne muss verderben
Nur mein Gift macht dich gesund
um zu leben musst du sterben

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Re: Musical - Ein Teil meines Lebens

Beitragvon Gaefa » 05.12.2014, 10:20:21

Danke euch für die Kommentare!

„Nora, weißt du, was du da sagst?“, wollte Svenja von mir wissen.
„Ja.“, gab ich zur Antwort. „Ich kann so nicht mehr weiter leben. Es ist schon alles sehr komisch, seit Leon in Berlin ist. Erst haben wir uns ständig gestritten und jetzt schweigen wir uns an, wenn wir uns sehen. Wir stehen uns beide gegenseitig im Weg bei dem, was wir gerne machen wollen oder sogar müssen. Außerdem ist das nicht das erste Mal, dass Leon mir absagt. Wir verbringen kaum noch Zeit miteinander und wenn ich mich darauf freue, dann klappt es irgendwie wieder nicht. Es geht so einfach nicht mehr.“
Ich schaute zu Boden. „Es ist nicht einfach, Nora. Das wissen wir beide, aber du liebst ihn doch!“, merkte Svenja an.
„Das weiß ich grade gar nicht mehr so genau.“, musste ich eingestehen. „Es hat sich so vieles verändert. Dieses Gefühl, was ich immer hatte, wenn ich ihn sah oder an ihn dachte, ist irgendwie... irgendwie nicht mehr dasselbe. Es hat sich einfach so vieles dazwischen gedrängt, was momentan viel stärker ist. Ich hab Leon vor zwei Wochen als Tod gesehen. Dieses blitzen in den Augen, was er auf der Bühne hatte und diese Leidenschaft, die beim Zusammenspiel mit Elisabeth herüberkam, das hab ich früher auch in unserer Beziehung gesehen, aber momentan... davon ist nichts mehr geblieben.“, erklärte ich.
Svenja, die sonst so viel redete, schwieg.
„Er will mich nichtmals mehr sehen. Er hat mich explizit ausgeladen. Damit gibt er mir schon irgendwie zu verstehen, dass es für ihn auch vorbei ist.“, versuchte ich eher mir als ihr einzureden.
„Meinst du wirklich? Ich meine, klar, Leon hat sich in letzter Zeit öfter daneben benommen, aber zu Mozart-Zeiten hat er so voller Liebe von dir gesprochen, er hätte alles für dich getan.“ - „Das ist der Punkt“, hakte ich ein, „er hätte. Momentan tut er nichts für mich, eher einiges dafür, mich loszuwerden.“ - „Aber er wollte dich bei seiner Premiere dabei haben.“, gab Svenja zu bedenken.
Nun schwieg ich. Das stimmte. Mir traten die Tränen in die Augen.
„Das wollte ich nicht.“, sagte Svenja, als sie dies sah und fühlte sich schuldig. Sie nahm mich in den Arm und tröstete mich.
Als ich mich wieder gefangen hatte, setzte ich erneut an: „Momentan ist es auf jeden Fall für uns beide besser, wenn wir unsere eigenen Wege gehen, das hält weniger Enttäuschungen bereit.“
Svenja nickte. „Eine Auszeit ist sicherlich nicht verkehrt.“ - „Ich weiß nicht, ob es nur bei der Auszeit bleiben wird...“, kommentierte ich.
„Was hast du vor? Am Telefon mit ihm Schluss machen? Oder doch per SMS?“, entgegnete Svenja vorwurfsvoll.
Ich schüttelte den Kopf. „Ich weiß nicht genau, was ich mache. Erstmal werde ich die Ferien abwarten. Wenn allerdings kein Wunder geschieht in den kommenden zwei Wochen, dann wird sich wohl an meiner Entscheidung nicht viel ändern. Aber ich will auf jeden Fall mit Leon persönlich sprechen. Auch wenn so vieles zwischen uns gekommen ist, muss ich ihm doch noch einmal in die Augen sehen, wenn...“
Weiter kam ich nicht. Der Kloß in meinem Hals schnürte mir die Kehle zu. Svenja nickte.
Wir beide schwiegen eine Weile, dann ergriff sie erneut das Wort: „Und was willst du jetzt machen? Hast du irgendwelche Ausweichpläne für die Ferien? Du bist hier gern gesehen, das weißt du, aber ich hab das Gefühl, dass du auch etwas für dich tun solltest, wenn du gerade nicht durch irgendwas gehindert wirst. Man hab ich mich jetzt kompliziert ausgedrückt.“
Ich musste grinsen. „Naja. Also... An der Folkwang Uni sind die nächsten zwei Wochen Workshops von Joe. Er hatte mich eingeladen, daran teilzunehmen. Aber natürlich hab ich mal wieder nicht an eine Anmeldung gedacht, weil ich ja...“, ich brach ab.
„Aber das klingt doch gut.“, nahm Svenja mir das Weiterreden ab. „Ja.“, antwortete ich gedehnt. „Allerdings beginnt der eine schon Morgen und, naja, ich hab mich ja seit dem letzten Termin nicht mehr gemeldet und ich hab irgendwie ein bisschen Angst, da einfach so anzurufen. Außerdem so kurz vorher ist das ziemlich doof und einfach hingehen geht ja auch nicht.“, äußerte ich meine Gedanken.
„Ruf ihn doch jetzt an.“, schlug Svenja vor. „Meinst du nicht, das ist zu spät?“ - „Ach quatsch, die Abendshow läuft noch, sogar der erste Akt, das heißt, es ist noch früh.“, gab sie mit einem Blick auf die Uhr zurück.
Ich grinste. Svenja lebte wirklich ganz für das Theater, selbst ihre Zeitrechnung war daran angepasst.

Entschlossen und trotzdem zitternd nahm ich mein Handy und wählte Joes Handynummer, die auf dem Flyer angegeben war.
„Hier ist Joe.“, meldete sich der Dozent der Folkwang am anderen Ende der Leitung, er klang munter.
„Hallo Joe. Ähm... hier ist Nora. Ich war bei dem Workshop für die Studieninteressierten und äh... du hattest mich dazu eingeladen.“, begann ich, unsicher was ich sagen sollte und ob er mich einordnen konnte.
„Oh, hallo Nora. Klar, ich erinnere mich, du hast mir da echt gut geholfen. Was gibt’s?“, wollte er wissen.
Zum Glück konnte er sich an mich erinnern, das machte die ganze Sache deutlich einfacher. „Naja, also du hattest mir ja den Flyer mitgegeben, mit den Workshops und naja...“ Ich atmete tief durch. „Also ich wollte fragen, ob ich bei dem Workshop diese Woche oder dem danach mitmachen kann.“
Jetzt wars raus und es gab kein zurück mehr. Was würde er dazu sagen?
„Gerne. Das kommt zwar etwas spontan, aber klar. Wenn du magst, kannst du auch an beiden teilnehmen. Ich freu mich ehrlich gesagt sehr, dass du mein Angebot annimmst. Komm doch dann morgen einfach um 9 Uhr zur Uni. Du solltest bequeme Klamotten mitbringen, das reicht für morgen. Die kommende Woche ist ja ein reiner Schauspielblock, da braucht man nicht so viel wie fürs Tanzen in der Woche danach.“, antwortete er gut gelaunt.
Mir fiel ein riesiger Stein vom Herzen. „Super. Ich bin auch echt gespannt auf den Workshop, in Schauspiel hab ich die wenigsten Erfahrungen.“, gab ich zu bedenken.
„Dann ist der Workshop genau das richtige für dich. Bis morgen dann. Tschüss.“, verabschiedete sich Joe von mir. „Bis dann.“
Ich freute mich riesig und strahlte Svenja an: „Die Ferien können kommen!"
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Re: Musical - Ein Teil meines Lebens

Beitragvon armandine » 06.12.2014, 23:39:10

Ich finde es ja gut, dass Nora schöne Pläne hat, aber für sie und Leon sehe ich mittlerweile echt schwarz.

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Ophelia
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Re: Musical - Ein Teil meines Lebens

Beitragvon Ophelia » 08.12.2014, 19:12:31

Ich bin ja gespannt, ob es da noch irgendeinen konkreten Grund für Leons abweisende Haltung gibt. Das würde mich wirklich interessieren. Wenn nicht, dann ist er einfach... doof! Freue mich auf den nächsten Teil :)
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